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13.01.2011

20:23 Uhr

US-Attentat

Orientierung für die geschockte Nation

VonMarkus Ziener

Während Präsident Obama die richtigen Worte für die Opfer von Tucson findet, scheint Sarah Palin einmal mehr im Populismus gefangen. Statt zu versöhnen, spielt sie mit antisemitischen Ressentiments. Das zeigt auch, dass derzeit kein Republikaner die Statur hat, Obama aus dem Sattel zu heben

Barack Obama: Der US-Präsident umarmt den Ehemann von Attentat-Opfer Gabrielle Giffords. dpa

Barack Obama: Der US-Präsident umarmt den Ehemann von Attentat-Opfer Gabrielle Giffords.

WASHINGTON. Als der US-Präsident am Mittwochabend zu den Opfern und Hinterbliebenen der Toten von Tucson spricht, brilliert er. Barack Obama findet die tröstenden Worte, auf die es ankommt. Und er sagt sie so, dass sie auch glaubhaft sind. Das Pathos reduziert er dabei auf ein für amerikanische Verhältnisse geringes Maß - ohne dass jedoch seine Gefühle verborgen bleiben. Auch das ist ungewöhnlich für einen Mann, dem so oft Nüchternheit und emotionale Kühle vorgeworfen wird. In Tucson löst der 44. Präsident der Vereinigten Staaten jenes Versprechen ein, mit dem er angetreten war: den Umgangston in Amerika zu ändern.

Wenige Stunden zuvor gelingt dies Sarah Palin nicht. In einer Videobotschaft, die sie nach viertägigem Schweigen auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht, wirkt die ehemalige Gouverneurin von Alaska nicht nur optisch müde und angestrengt. Vor allem inhaltlich ist es ihr offenbar nicht möglich, ihre angestammte Rolle zu verlassen. Was Palin an die Adresse der Opfer zu sagen hat, klingt höflich, aber aufgesetzt.

Und als die Politikerin dann mit ihren Kritikern, die sie als rhetorische Wegbereiterin des Attentats in Tucson vom vergangenen Samstag sehen, ins Gericht geht, provoziert sie gleich die nächste Kontroverse: Eine "Blutanklage" werde ihr entgegengehalten, sagt Palin - und benutzt damit einen Begriff, der höchst missverständlich ist. Denn Blutanklage bezieht sich auf übelste antisemitische Diffamierungen, wie sie vor Jahrhunderten Juden gegenüber erhoben wurden. Vor allem aber: Das schwer verletzte Attentatsopfer, die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, ist Jüdin. Statt auf Konsens setzt Palin erneut auf Konfrontation. Und es verfestigt sich zunehmend der Eindruck, dass dies die einzige Rolle ist, die sie beherrscht.

Innerhalb von nur 24 Stunden lässt sich so während eines einzigen Nachrichtentages beobachten, wo die eigentlichen Probleme der Republikaner liegen. Sie mögen zwar bei den Wahlen im vergangenen Herbst die durch Wirtschaftskrise und Angst vor dem Jobverlust aufgeheizte Stimmung im Lande ausgenutzt haben. Doch den Weg ins Weiße Haus in zwei Jahren ebnet ihnen das noch lange nicht.

Kommentare (2)

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Wird Obama der nächste Kennedy?

13.01.2011, 21:30 Uhr

Sieht hanz danach aus!

le karl

13.01.2011, 22:00 Uhr

Was, bitteschön, bedeutet denn "Präsidenziell"? ist das schon irgendwo im Unterschichtenfernsehen aufgetaucht? bisher hatten wir dafür in diesem Kontext das Wort "präsidial" ...

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