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20.09.2014

04:39 Uhr

US- Außenminister

Kerry fordert globales Einschreiten gegen IS

Der Außenminister der USA, John Kerry, hat in einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates die Welt zu einem geschlossenen Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufgefordert. Sie sei eine Gefahr für alle.

US-Außenminister John Kerry fordert ein globales Einschreiten gegen die Terrormiliz IS. Reuters

US-Außenminister John Kerry fordert ein globales Einschreiten gegen die Terrormiliz IS.

New YorkDie USA haben sich für eine „globale Kampagne“ im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat ausgesprochen. „Der IS stellt eine Gefahr für uns alle dar“, sagte US-Außenminister John Kerry am Freitag bei einer Sondersitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen.

Bei der Kampagne gehe es nicht nur um militärische Aspekte. „Jedes Land hat dabei eine Rolle zu spielen, auch der Iran.“ Die Angelegenheit sei dringend. „In einer Region, die schon so viel Gewalt erlebt hat, sind diese Terroristen einzigartig in ihrer Brutalität“, sagte Kerry. „Wir dürfen den Moment nicht verpassen.“ Der iranische Vizeaußenminister Abbas Araghchi sagte der irakischen Regierung bei der Sitzung die Unterstützung seines Landes zu.

In einer gemeinsam verabschiedeten Erklärung verurteilte das mächtigste UN-Gremium die Tötungen, Vergewaltigungen, Entführungen und Folter der Terrormiliz auf das Schärfste. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es in dem Papier. Einige der Verbrechen „könnten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen“.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Frankreich hat unterdessen als erster Staat nach den USA Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak bombardiert. Kanzlerin Angela Merkel verteidigte das Nein zu einer Beteiligung Deutschlands an den Luftschlägen gegen die Islamisten. Im benachbarten Syrien nahmen IS-Extremisten derweil an der Grenze zur Türkei weitere Dörfer ein.

Es gehe nicht nur darum, an der vordersten Spitze bei militärischem Eingreifen mit dabei zu sein, sagte Merkel am Freitagabend auf dem Deutschlandtag der Jungen Union im bayerischen Inzell. Es gehe darum, „dass wir an der Seite unserer Verbündeten stehen“. Und politisches Handeln sei genauso wichtig wie die Luftschläge. „Ich glaube jedenfalls, wir werden unserer Verantwortung gerecht.“ Sie mache sich keinerlei Vorwürfe, dass dies nicht der Fall sein könnte.

Im Kampf gegen die IS-Extremisten forderte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auch eine Beteiligung des Irans. „Bei allen Schwierigkeiten, die wir momentan mit dem Iran und seinem nuklearen Ehrgeiz noch immer haben, bin ich dennoch der Meinung, dass wir alle Nachbarn Syriens und des Irak einbinden sollten“, sagte Steinmeier am Freitag in New York. Nur dann könne der Versuch gelingen, der Bedrohung durch IS „einigermaßen Herr zu werden“.

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