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15.03.2017

08:27 Uhr

US-Außenpolitik

Rex Tillerson in heikler Mission

VonMartin Kölling, Stephan Scheuer

Nordkorea droht mit atomaren Erstschlägen, China rüttelt immer stärker am Status Quo. Rex Tillerson muss auf seiner ersten Asien-Reise Japan und Südkorea beruhigen – und einen Umgang mit China entwickeln.

Rex Tillerson muss die Asien-Beziehungen der USA neu ordnen. Angesichts der drohenden schwelenden Krisenherde ist das keine leichte Aufgabe. Reuters, Sascha Rheker

Außenminister auf Reisen

Rex Tillerson muss die Asien-Beziehungen der USA neu ordnen. Angesichts der drohenden schwelenden Krisenherde ist das keine leichte Aufgabe.

Tokio, PekingSelten wurde die Asien-Reise eines US-Außenministers mit größerer Spannung erwartet als die von Rex Tillerson in dieser Woche. Zunächst wird er am Mittwoch Japan, den größten US-Alliierten in der Region, besuchen, dann den anderen zentralen Partner Südkorea und zuletzt den geopolitischen Rivalen China. Es handelt sich nicht um entspannten Meinungsaustausch, denn in Asien steigt das Krisenpotenzial.

China trägt seine umstrittenen Gebietsansprüche um die Inseln im Südchinesischen Meer und um die von Japan kontrollierte Felsen immer aggressiver vor. Gegen Südkorea hat Peking kaum verhohlene Wirtschaftssanktionen verhängt, um den US-Alliierten von der Stationierung einer gegen Nordkorea gerichteten Raketenabwehr abzubringen. Zudem hat die Bedrohung durch Nordkorea eine neue Stufe erreicht.

US-Manöver mit Südkorea: Nordkorea droht USA mit erbarmungslosem Angriff

US-Manöver mit Südkorea

Nordkorea droht USA mit erbarmungslosem Angriff

Das nordkoreanische Regime fühlt sich von dem gemeinsamen Manöver Südkoreas und der USA bedroht. Man werde mit einem „erbarmungslosen“ Angriff antworten, sollte die nordkoreanische Souveränität verletzt werden.

Nordkorea bereitet nach Analysen der Korea-Experten der Johns Hopkins Universität in Baltimore den Test einer neuen Atomwaffe vor, deren Sprengkraft die der letzten Bombe um das 15-fache übertreffen könnte. Außerdem handelt es sich bei den von den Vereinten Nationen verbotenen Raketenstarts nicht mehr um Tests, sondern um klare militärische Übungen, meint der Rüstungsexperte Jeffrey Lewis vom Middlebury Institute of International Studies im Magazin Foreign Policy. „Nordkorea entwickelt eine offensive Doktrin für einen großen Einsatz von Atomwaffen in frühen Phasen eines Konflikts.“ Das Ziel: ein Angriff auf US-Basen in Südkorea und Japan.

Experten erwarten eine weitere Eskalation ist Ostasien. Denn Nordkorea zeigt sich nicht bereit, seine Atomwaffen und Raketenprogramme aufzugeben. China wiederum hat kein Interesse, seinen Alliierten mit knallharten Sanktionen vor die Alternative zwischen Atombombe und Zusammenbruch des Regimes stellen wird. Denn China will Nordkorea als Pufferzone zu den USA behalten.

Und die USA fürchten, dass die Raketen des Nordens bald auch die USA erreichen können und wollen Nordkorea daher nicht als Atommacht anerkennen. „Die neue Politik gegenüber Nordkorea muss daher ein höheres Risiko der USA akzeptieren“, riet der bekannte amerikanische Korea-Experte Victor Cha vom Center for Strategic and International Studies dem außenpolitischen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. Und zwar sowohl diplomatisch als auch militärisch.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Umso größer ist das Interesse daran, was die Regierung von US-Präsident Donald Trump genau vorhat. Die Reise Tillersons soll den Partnern Bündnistreue zusichern und mögliche Bereiche der Zusammenarbeit mit China ausloten, erklärten Sprecher des US-Außenministeriums vorige Woche.

Das Problem ist, dass niemand weiß, wer für die USA spricht, nicht einmal in Japan. Japan beobachte gespannt die Unterschiede zwischen den Worten Trumps und des Außenministers Tillerson oder des Verteidigungsministers James Mattis, sagt ein Experte eines militärischen Thinktanks. 

Das ist ein großes Problem für Japan. „Wir genießen nicht den Luxus, an Trump zu zweifeln“, erklärt der Experte. Denn wie Südkorea hat Japan nur die USA als Verbündeten. Ministerpräsident Shinzo Abe reiste daher bereits zweimal zu Trump. Seither wird öffentlich Einheit beschworen, in der Hoffnung, dass sie auch hinter den Kulissen hält. „Wir dürfen China und Nordkorea keine Risse in der Allianz zeigen“, so der Experte.

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