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15.02.2011

16:01 Uhr

US-Ausstieg

Raketensystem Meads auf der Kippe

Den USA ist das neue Raketenabwehrsystem Meads zu teuer, sie steigen ab 2013 aus dem Projekt aus. Was wird nun aus dem transatlantischen Rüstungsprojekt? Deutschland ist mit 1,1 Milliarden Euro beteiligt. FDP und Grüne fordern ein rasches Ende der Meads-Entwicklung.

Raketenabwehrsystem Patriot: Nach bisheriger Planung soll Meads das alte System ab 2018 ablösen. Quelle: dpa

Raketenabwehrsystem Patriot: Nach bisheriger Planung soll Meads das alte System ab 2018 ablösen.

Washington/BerlinDie USA steigen aus der Finanzierung des milliardenschweren Raketenabwehrsystems Meads aus, an dem auch Deutschland maßgeblich beteiligt ist. „Unsere Partner gehen vielleicht mit Meads voran, aber es nicht unser Plan, dies zu tun“, sagte Robert Hale, der im US-Verteidigungsministerium für das Budget zuständig ist. Die Finanzierung werde nach dem Haushaltsjahr 2013 gestoppt.

Mit dem Ausstieg des größten Partners steht die Zukunft des letzten großen transatlantischen Rüstungsprojekts infrage. Bei der Bundeswehr soll das noch in der Entwicklung steckende Meads den bisherigen Planungen zufolge das alte, aus den 80er Jahren stammende Patriot-System von Raytheon ablösen. Dritter Programmpartner ist Italien.

Das Bundesverteidigungsministerium begrüßte, dass sich die USA nicht sofort zurückziehen. „Zielsetzung für Deutschland ist es nun, im Rahmen der verbleibenden Entwicklungsaktivitäten diejenigen Ergebnisse zu erzielen, die Deutschland als Basis dienen können, ein dem zukünftigen Bedarf gerecht werdendes modernes Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsystem zu realisieren“, sagte ein Sprecher.

Bei der Meads-Entwicklung arbeiten Lockheed Martin (USA) und der europäische Rüstungskonzern MBDA, an dem EADS, BAE Systems und Finmeccanica beteiligt sind, zusammen. Eine Alternative zu Meads wäre die Patriot-Modernisierung, die nach Einschätzung von Experten aber nicht billiger käme.

MBDA erklärte, nach dem US-Rückzug 2013 strebe man die Fortsetzung der Entwicklungsarbeiten auf deutscher oder deutsch-italienischer Ebene an. So solle der Abschluss der Entwicklung und der Einstieg in die Vor- oder Serienproduktion ermöglicht werden. Zugleich setzt der Konzern darauf, die USA später wieder an Bord zu holen. „Die USA erhalten sich die Option, Meads-Technologien für ihre künftigen Luftverteidigungsaktivitäten zu nutzen“, erklärte MBDA. Auch einen späteren Wiedereinstieg schlössen die USA nicht aus. Die USA haben derzeit einen Anteil von 58 Prozent an dem Programm, Deutschland 25 und Italien 17.

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