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18.06.2013

20:24 Uhr

US-Behörden

Spionageprogramme sollen 50 Anschläge vereitelt haben

Der US-Geheimdienst startet Gegenoffensive: Dank der Datenspionage hätten sie Dutzende mögliche Terror-Anschläge verhindern können. Auch Präsident Obama steht trotz aller Kritik demonstrativ hinter seinen Spionen.

Laut NSA-Direktor Keith B. Alexander konnte sein Geheimdienst dank der Überwachung Terroranschläge in 20 Ländern zerschlagen. ap

Laut NSA-Direktor Keith B. Alexander konnte sein Geheimdienst dank der Überwachung Terroranschläge in 20 Ländern zerschlagen.

Washington, BerlinDank der weitläufigen Überwachung von Internet und Telefonverbindungen sind nach Angaben der US-Behörden unter anderem Anschläge auf die New Yorker U-Bahn und die Börse NYSE vereitelt worden. Amerikanische Geheimdienste hätten dadurch rund 50 Terror-Verschwörungen in 20 Ländern zerschlagen, sagte der Chef des US-Abhördienstes NSA, Keith Alexander, am Dienstag.

Mindestens zehn Vorhaben seien in den USA abgewehrt worden, erklärte er vor dem Geheimdienst-Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington.

In Medienberichten war zuletzt eine massive Überwachung von Internet- und Kommunikationsdiensten über zwei geheime NSA-Programme enthüllt worden. Das hatte international heftige Kritik ausgelöst. US-Präsident Barack Obama verteidigte das Vorgehen als notwendig für die Terrorabwehr. Alexander bezog sich bei seinen Zahlen ausdrücklich auf die beiden angeprangerten NSA-Programme.

Fragen und Antworten zu PRISM

Bekommen US-Geheimdienste Informationen von Internet-Unternehmen?

Ja, und das ist auch seit Jahren bekannt. Nach dem „Patriot Act“ können Behörden mit Gerichtsbeschluss Zugang zu Informationen bekommen. Das neue an den Berichten über ein Programm Namens „PRISM“ wäre der freie Zugang zu den Servern von Google, Facebook & Co. statt eines punktuellen Zugriffs. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen weisen dies zurück. Laut US-Geheimdienstkoordinator James Clapper ist „PRISM“ nur ein internes Computersystem der Behörden.

Die US-Regierung betont, dass die Überwachung und die Verwendung der Daten strikt überwacht werden, von wem?

Die Abläufe bleiben komplett im geheimen Bereich. Die Geheimdienstanfragen nach Nutzerdaten müssen zwar von einem Gericht bewilligt werden - aber es ist ein speziell dafür geschaffenes Gericht mit elf Richtern. Die Anfragen sind so geheim, dass die Unternehmen selbst über ihre Existenz schweigen müssen.

Gibt es Anhaltspunkte dafür?

Die „New York Times“ zitierte am Wochenende einen Juristen „einer Technologiefirma“, der berichtete, wie die NSA einen Agenten ins Hauptquartier des Unternehmens abkommandiert habe, um den Verdächtigen in einem Cyberangriff zu überwachen. Der Agent habe von der Regierung entwickelte Software auf dem Server installiert und sei für mehrere Wochen geblieben, um Daten in ein Notebook der Agentur herunterzuladen. In anderen Fällen fordere die NSA Echtzeitdaten an, die dann digital übermittelt würden.

Könnte der Geheimdienst sehen, wie Ideen beim Tippen entstehen?

Das muss kein Widerspruch sein. Der amerikanische Journalist und Geheimdienstexperte Marc Armbinder beschreibt das Funktionieren des „PRISM“-Systems so: Zum Beispiel könnte Facebook die Anordnung bekommen, Informationen über alle Profile aus Abbottabad in Pakistan herauszurücken, angenommen, es gibt 50 davon. „Diese Accounts werden ständig aktualisiert. Also erstellt Facebook eine „Spiegel“-Version der Inhalte, zu der nur die NSA Zugang hat. Die ausgewählten Profile werden in Echtzeit sowohl auf dem Facebook-Server als auch auf dem gespiegelten Server aktualisiert. "PRISM" ist das Werkzeug, das das alles zusammenbringt.“

Könnte die NSA Daten auch ohne Kooperation bekommen?

Absolut. Und Zunger beschreibt eine Möglichkeit dafür: Sie könnten den Datenstrom bei den Anbietern von Internet-Zugängen abgreifen und Datenpakete mit Bezug zum Beispiel zu Facebook oder Google herausfiltern.

Wie glaubwürdig sind die Dementis der Internet-Konzerne?

Sie sind ähnlich formuliert und beziehen sich auf einen „direkten Zugriff“ auf Server der Unternehmen. Zugleich klingen einige davon auch sehr persönlich und aufrichtig. So versicherte der Chefentwickler des Online-Netzwerks Google+, Yonathan Zunger, er würde kündigen, wenn er davon Wind bekäme. Und er sei in einer Position bei Google, in der er eine so groß angelegte Spionageaktion eigentlich hätte mitkriegen müssen. Zunger ist offen in seiner „Abscheu“ für die NSA: „Wir haben nicht den Kalten Krieg geführt, damit wir die Stasi nachbauen können“.

Einzelheiten über die vereitelten Angriffe sollten dem US-Kongress am Mittwoch in einer geschlossenen Sitzung unterbreitet werden, kündigte Alexander an. Der stellvertretende Direktor der US-Bundespolizei FBI, Sean Joyce, erklärte vor dem Ausschuss, durch die Spionagemaßnahmen sei unter anderem der „erste, aus Pakistan dirigierte große Al-Kaida-Anschlag seit dem 11. September“ verhindert worden.

Im Herbst 2009 habe die NSA die E-Mail eines Terroristen aus Pakistan abgefangen. „Dieses Individuum tauschte sich mit einem Individuum in den USA über die Perfektionierung eines Sprengstoffrezepts aus“, so Joyce. Die Person sei identifiziert und in Denver (Colorado) aufgespürt worden.

Das FBI sei ihm nach New York gefolgt und habe bei ihm Sprengsätze in Rucksäcken sichergestellt. Der Mann habe gestanden, dass er damit einen Anschlag auf die New Yorker U-Bahn habe verüben wollen.

Ähnlich sei auch der geplante Bombenanschlag auf die New Yorker Börse ans Licht gekommen, hinter dem Drahtzieher aus dem Jemen gestanden hätten, so Joyce. Das FBI habe durch die Datenspionage außerdem einen Anschlag auf das Büro einer dänischen Zeitung verhindern können, den ein Täter aus Chicago wegen veröffentlichter Karikaturen des Propheten Mohamed geplant habe.

Kommentare (7)

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Tom

18.06.2013, 21:14 Uhr

Auweia ! Der Bock sagt, dass er den Garten gut pflegt und hütet. Leider kann keiner das überprüfen, sodass der Bock alles erzählen und in den buntesten Farben ausmalen kann. Was ist empirisch belegt: traue keinem Bock als Gärtner !

"Bei der NSA arbeiteten „außergewöhnliche Profis, die sich der Sicherheit des amerikanischen Volkes verschrieben haben“, erklärte Obama"
Ich fang gleich an zu weinen ! Also das BO nix anderes als eine Marionetten der (Finanzeliten) ist, dürfte mittlerweile bekannt sein, wobei der militärische Arm versucht den Status Quo zu bewahren und auszubauen. Dass BO, aber in aller Öffentlichkeit so ein Bull...t von sich gibt.... ?! Vielleicht sollte ihm jemand ein Buch aus dem Jahre 1949 als Bettlektüre geben. Autor ein gewisser G.Orwell.

Account gelöscht!

18.06.2013, 21:19 Uhr

Wieder einer der erst Blut sehen will ...

Account gelöscht!

18.06.2013, 21:31 Uhr

Information ist alles !
Wenn sie nicht genau den Telefonanschluss überwachen , an dem "markierte " Worte fallen , können sie nicht wissen wann, wo und wer diese Worte von sich gab .
In welchem Zusammenhang sie stehen und was daraus abzuleiten ist .
Natürlich verhindert eine gewisse Überwachung Straftaten / Terroristische Aktivitäten , ich denke das es weit mehr sind als die hier genannten 50 ...

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