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17.09.2014

19:11 Uhr

US-Bodentruppen gegen IS

Wann kehren die GIs zurück?

VonDésirée Linde

Die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und Irak kann ohne Bodentruppen nicht besiegt werden, sagen Experten. Doch US-Präsident Obama schließt GIs im Irak aus. Ein hochrangiger US-General bricht jetzt das Tabu.

Amerikanische Soldatenstiefel auf irakischem Boden? Barack Obama hat das bisher ausgeschlossen – doch Experten halten dagegen. dpa

Amerikanische Soldatenstiefel auf irakischem Boden? Barack Obama hat das bisher ausgeschlossen – doch Experten halten dagegen.

DüsseldorfDer Westen fährt hartes Geschütz auf – verbal zuerst einmal. US-Präsident Barack Obama drohte der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), die Enthauptung US-amerikanischer Staatsbürger sei ein „strategischer Fehler“ der Miliz gewesen. Amerika und seine Verbündeten würden den IS „vernichten“ – allerdings ohne US-Bodentruppen im Irak. Obama tritt allen Spekulationen entgegen: „Als Euer Oberbefehlshaber der Streitkräfte werde ich Euch und den Rest unserer bewaffneten Streitkräfte nicht zu einem weiteren Bodenkrieg im Irak verpflichten“. Das sagte Obama am Mittwoch bei einem Truppenbesuch des Zentralkommandos in Tampa (Florida), das unter anderem für Irak und Syrien zuständig ist. Zugleich warnte er die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor dem langen Arm des US-Militärs. „Unsere Reichweite ist groß, letztendlich werden wir Euch finden.“

Ganz anders sein Generalstabschef Martin Dempsey. Die Beteiligung von US-Militärberatern an direkten Kämpfen am Boden sei zwar nicht vorgesehen, sollten sich die Umstände jedoch ändern, „würde ich meine Empfehlung natürlich ändern“, sagte Dempsey am Dienstag vor dem US-Senat. Militärisch hatte Obama sein Streitkräfte bislang nur in den irakischen Luftraum geschickt. Am Dienstag ließ er erstmals Angriffe auf Stellungen der IS nahe Bagdad fliegen.

Auch die Regierungschefs anderer Staaten verschärfen zwar ihren Ton, bislang aber noch nicht ihre Gangart gegen IS. „Monster“ nannte Großbritanniens Premier David Cameron den IS. Die Enthauptung des Entwicklungshelfers David Haines sei ein „Akt des absolut Bösen“, Großbritannien werde die Mörder zur Strecke bringen. „Beseitigt“ – nicht mehr nur zurückgedrängt – werden müsse der IS, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius.

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

So robben sich die Staatschefs verbal immer weiter heran, an den Einsatz von eigenen Truppen im Irak und Syrien. Sie schließen Maßnahmen erst aus, um dann zu konstatieren und nichts mehr auszuschließen. Besonders Großbritannien mäandert zwischen verschiedenen Statements hin und her: Noch vor weniger als vier Wochen hatte etwa Cameron kategorisch abgelehnt, dass sich das Vereinigte Königreich sich überhaupt militärisch am Kampf gegen den IS beteiligen könnte.

„Wir setzen dort keinen Stiefel auf den Boden. Wir werden die britische Armee nicht dorthin schicken“, hatte Cameron gesagt. Schon wenige Tage später war diese Haltung überholt: Camerons Außenminister Philip Hammond hatte dieses frühere Statement seines Premiers in Berlin bekräftigt, wurde dann aber umgehend von Camerons Sprecher korrigiert. Nichts werde mehr ausgeschlossen. Plötzlich ist die Unterstützung von Luftschlägen auch für die Briten denkbar. Man werde „alle notwendigen Schritte“ einleiten, lässt sich Cameron nun zitieren.

Besonders die Enthauptungen von drei westlichen Geiseln – den US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie dem britischen Entwicklungshelfer David Haines – setzen die Regierungen unter Zugzwang weitab von bloßer Droh-Rhetorik.

Kommentare (5)

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Herr W. Dilling

17.09.2014, 17:41 Uhr

61 Prozent der US-Amerikaner lehnen Bodentruppen ab

Kein Problem. Dann wird nach bewährtem Muster dafür Sorge getragen das entweder Massenvernichtungswaffen auftauchen, oder wieder Babys ermordet werden. Ok, das hatten wir schon, also muss was Neues her. Ich bin mal gespannt welche Storys der eigenen als auch der Welt-Bevölkerung nun präsentiert wird, aber in konstruieren von Fällen haben die Jungs jenseits vom großen Teich einen reichhaltigen Erfahrungsschatz, da bekommen die schon was herbeigezaubert, wetten?

Herr Thomas Melber

17.09.2014, 18:30 Uhr

In diesem Fall braucht gar nichts konstruiert werden, der IS hat schon genug Material von sich aus zur Verfügung gestellt.

Herr C. Falk

17.09.2014, 18:42 Uhr

Das Entstehen des IS ist eine direkte Folge der Beseitigung von Sadam Hussain und der geplanten Beseitigung von Assad.
Beide waren und sind säkulare Autokraten, die mit einem radikalen Islamismus nichts am Hut hatten.

Die Destabilisierung der Region ist Folge der amerikanischen und angelsächsischen Politik, also ist es auch Sache der Amerikaner und Engländer mit den Folgen ferig zu werden.

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