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06.08.2011

17:48 Uhr

US-Bonität

„Abwertung ist eine schallende Ohrfeige für die USA“

VonRolf Benders

Die entzogene Spitzenbonität der USA ist ein historischer Moment und könnte die Dominanz des Dollars bedrohen. Für Europa kein Grund zur Schadenfreude, freuen können sich andere Länder.

US-Korrespondent Rolf Benders Judith Wagner

US-Korrespondent Rolf Benders

New YorkEs ist ein historischer Moment. Die einzig verbliebene Supermacht USA verliert ihre Bonitätsnote der Extraklasse. Nicht unwahrscheinlich, dass dies den Anfang vom Ende der Dominanz des Dollars in den globalen Kapitalmärkten darstellt, auch wenn das noch ein paar Jahrzehnte dauern dürfte. Wichtiger sind zunächst einmal die kurzfristigen Folgen.

Nein, die USA sind nicht pleite und werden es auch kurzfristig nicht werden. Aber die Herabstufung um eine Note auf „AA+“ von „AAA“ ist hochnotpeinlich für das Land, dessen politische Klasse sich selbst auserkoren wähnt, der Welt ein Vorbild zu sein und diese zu führen. Denn die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) sagt in ihrer Begründung für die Herabstufung laut und deutlich, was auf dem diplomatischen Parkett nur hinter vorgehaltener Hand geäußert würde. Die Politik in Washington ist nicht einmal in der Lage, sich auf die Lösung der eigenen Probleme zu einigen.

„Die Herabstufung spiegelt unsere Haltung wider, dass die Effektivität, die Stabilität und die Berechenbarkeit der politischen Entscheidungsfindung in Amerika und der politischen Institutionen ausgerechnet in Zeiten großer ökonomischer und fiskalpolitischer Herausforderung nachgelassen hat“, heißt es mit Blick auf den unerträglichen Poker der beiden Parteien in Washington um die Anhebung der Schuldengrenze in den vergangenen Wochen, die die Kapitalmärkte in den letzten Tagen weltweit in die Knie zwang.

Und S&P setzt noch einen drauf: Die Bonitätsnote der USA ist nicht nur gesenkt worden, sondern steht für eine mögliche erneute Absenkung unter Beobachtung. Offenbar hat man große Zweifel an der Lernfähigkeit in Washington.

Man möchte S&P für den Mut zu diesem Schritt gratulieren. Die Agentur hat dem politischen Druck stand gehalten und ist konsequent geblieben. Das Signal: Wir gehen nicht nur mit den „Kleinen“ wie Griechenland oder Portugal hart ins Gericht. Dabei steht auf einem anderen Blatt, ob es klug war, die Märkte eine halbe Woche im Unklaren darüber zu lassen, wie man entscheiden würde.

Für Europa ist das Ganze aber überhaupt kein Anlass zu Schadenfreude oder selbstgerechter Überheblichkeit. Denn im Grunde steht es um die politische Klasse auf dem alten Kontinent kaum besser. Seit über einem Jahr kann man sich nicht auf eine endgültige Lösung der Griechenlandkrise einigen. Dadurch hat man sich selbst in eine noch prekärere Lage manövriert.

Auf der politischen Weltbühne ist dieses Ereignis Wasser auf die Mühlen vor allem der Chinesen und anderen aufstrebender Nationen, die sich von der Bevormundung der USA seit langem lösen wollen. Es erleichtert ihnen wieder ein bisschen, ihren Einfluss in anderen Weltgegenden auf Kosten Amerikas und der westlichen Welt auszubauen.

Aber es ist noch nicht zu spät. Amerika und indirekt auch Europa haben eine schallende Ohrfeige erhalten. Sie sollte die Politik endlich zur Besinnung bringen.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

06.08.2011, 16:51 Uhr

Angesichts des politischen Drucks ein mutiger Schritt von S&P.

Island

06.08.2011, 17:34 Uhr

Es ist zwar nur die Aussage einer Ratingagentur aber doch ein notweniger Schritt. Wenn die Leichtmatrosen der EZB und der Regierungen der Euro-Zone unbedingt die Produkte bewertet haben wollen sind sie natürlich abhängig von diesen Agenturen. Die Amerikanische Regierung und die FED können sich jederzeit sich von den 3 Ratingagenturen lossagen.

Jeden Markteilnehmer kann natürlich selbständig eine Risikobewertung durchführen und jede Bank und Versicherung kann ihr eigenes „Risikomanagement“ betreiben.

Der US-Dollar wurde erst 1944 zu einer Leitwährung, weil die alte Leitwährung (Pfund)nicht mehr in der Lage war ihre Rolle auszufüllen.

Die Gründe lagen im Angriffskrieg und der Selbstüberschätzung des Empires die dazu führten das die wirtschaftlichen Grundlagen zerstört wurden und Großbritannien in die wirtschaftliche Abhängigkeit der USA geriet.

Seit dieser Zeit sind Amerikanische Truppen in Großbritannien stationiert und sind der „unsinkbare Flugzeugträger“ der USA.

Stichwort: Besondere Beziehungen

Das Zeitalter des „Amerikanischen Weltmachtstreben“ scheint sich dem Ende zu neigen. Dann war es eine lange Zeit (1914-2011) der Amerikanischen Hegemonie.

Es könnte aber auch nur eine kurzfristige Schwäche sein, den die Option eines Krieges gegen China (wirtschaftlicher Konkurrent) ist im Bereich des Möglichen.

Heute kann die USA noch zuschlagen!

Morgen auch noch?

Die Engländer und die Amerikaner haben in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder die (wirtschaftlichen Konkurrenten) mit Kriegen erfolgreich bekämpft.

(z. b. USA= gegen Spanien, England gegen Niederlande, Frankreich, Deutschland)


aruba

06.08.2011, 17:38 Uhr

Guten Tag,.... Ach was, alles Kapusta. Waffen, Nutten, Drogen, Politiker,.... alle werden in US Waehrung bezahlt. Abstufung hin oder her;.... der ganze Bloedsinn ist laengst in den Preisen drin.

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