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18.12.2016

10:24 Uhr

US-Drohne konfisziert

China warnt vor Handelskrieg

Das Verhältnis zwischen den USA und China ist derzeit angespannt – nun konfisziert Peking eine US-Drohne. Der designierte US-Präsident Donald Trump verurteilt die Aktion. Und erntet für seine Wortwahl viel Spott.

Der designierte US-Präsident  erntet für eine missglückte Wortwahl auf Twitter Spott im Internet. AFP; Files; Francois Guillot

Donald Trump

Der designierte US-Präsident erntet für eine missglückte Wortwahl auf Twitter Spott im Internet.

Peking/West Palm BeachEinen Monat vor dem Amtsantritt des künftigen US-Präsidenten Donald Trump wachsen die Spannungen in den Beziehungen zu China. Mit der Beschlagnahmung einer amerikanischen Unterwasserdrohne im Südchinesischen Meer löste die Führung in Peking eine verärgerte Reaktion der scheidenden US-Regierung aus. Trump heizte die Auseinandersetzung am Wochenende mit provokativen Twitter-Mitteilungen an. Das chinesische Verteidigungsministerium sagte eine Rückgabe der Drohne zu, aber warf den Vereinigten Staaten vor, den Vorfall „unangemessen hochzuspielen“.

Trump hat ein schärferes Vorgehen gegen die Volksrepublik in der Handels- und Militärpolitik angekündigt. Zuletzt zog er in Zweifel, ob die USA auch künftig anerkennen werden, dass der Inselstaat Taiwan ein Teil Chinas ist. Die Regierung in Peking reagierte darauf alarmiert und bezeichnete Amerikas Festhalten an der sogenannten Ein-China-Politik als Basis der beidseitigen Beziehungen. Auch der scheidende US-Präsident Barack Obama warnte vor einer folgenreichen Beschädigung des Verhältnisses zwischen beiden Großmächten.

Zu dem Drohnen-Vorfall kam es Ende vergangener Woche. Ein chinesisches Marineschiff griff das unbemannte Unterwasserfahrzeug (UUV) am Donnerstag etwa 50 Seemeilen nordwestlich der philippinischen Subic-Bucht auf. Dies führte zu einer Beschwerde des US-Verteidigungsministeriums, nach dessen Angaben die Drohne der Meeresforschung diente und rechtmäßig eingesetzt wurde. Die chinesische Seite erklärte, das zunächst nicht identifizierte Objekt zu Prüfungszwecken an sich genommen zu haben, um Gefährdungen für die Seefahrt zu verhindern.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Die Volksrepublik erhebt Anspruch auf weite Teile des rohstoffreichen und für den internationalen Seehandel wichtigen Südchinesischen Meeres und streitet sich darüber mit anderen Anrainerstaaten. Zuletzt hatte die Regierung in Peking ihre Ansprüche mit einer wachsenden Militärpräsenz in der Region untermauert.

Trump warf China in einer Mitteilung über den Kurznachrichtendienst Twitter Diebstahl vor. Später twitterte er: „Wir sollten China deutlich machen, dass wir die von ihnen gestohlene Drohne nicht zurückhaben wollen - sollen sie sie doch behalten!“

Der Politikneuling und milliardenschwere Geschäftsmann will der Volksrepublik auch in der Handelspolitik Paroli bieten. Seinen Worten zufolge verschafft sich China unfaire Exportvorteile, indem es seine Währung künstlich niedrig hält. Dadurch seien massenweise Arbeitsplätze in den USA vernichtet worden. Deshalb hat Trump, der am 20. Januar ins Amt eingeführt wird, saftige Einfuhrzölle auf chinesische Waren angekündigt. Die Regierung in Peking warnt daher vor einem Handelskrieg zwischen den beiden führenden Wirtschaftsmächten der Welt. „Wir hoffen, dass es dazu nicht kommt. Sonst könnten beide Länder Schaden nehmen“, sagte Vize-Finanzminister Zhu Guangyao.

Trump löste auch unfreiwllig eine Welle des Spotts gegen ihn im Internet aus. In dem Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter verurteilte Trump am Samstag die Beschlagnahmung der US-Unterwassersonde. Doch statt die Aktion als „unprecedented“ – beispiellos und unerhört – zu verurteilen, schrieb Trump, dies sei „unpresidented“ – auf Deutsch in etwa „präsidentenlos“.

Das Stichwort „Unpresidented“ entwickelte sich daraufhin in kürzester Zeit zu einem der am häufigsten benutzten Hashtags auf Twitter. Die „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling twitterte sarkastisch „TrumpSpellCheck - Unpresidentedly effective“ (Etwa: Trump-Rechtschreibprüfung - präsidentenlos wirkungsvoll). Ein anderer Twitter-Nutzer schrieb: „Liebe Welt, die meisten Amerikaner wünschten wirklich, wir wären #unpresidented.“

Erst nach etwa eine Stunde wiederholte Trump seine Kurzmitteilung in korrekter Schreibweise, ohne auf seinen vorherigen Fehler einzugehen.

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