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11.07.2015

20:22 Uhr

US-Drohnenangriff

Afghanischer IS-Führer offenbar getötet

Schlag gegen die Terrormiliz: Dem US- Geheimdienst zufolge wurde der IS-Anführer in Afghanistan, Hafes Said, durch eine US-Drohne getötet. Der Angriff in der Grenzregion zu Pakistan habe bereits im Juni stattgefunden.

Hafes Said, der Chef der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Afghanistan lebt Angaben des afghanischen Geheimdienstes nicht mehr. dpa

Durch eine US-Drohne getötet

Hafes Said, der Chef der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Afghanistan lebt Angaben des afghanischen Geheimdienstes nicht mehr.

KabulDer Anführer der Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Afghanistan und in Pakistan ist nach Angaben des afghanischen Geheimdiensts bei einem Drohnenangriff der US-Streitkräfte getötet worden. Wie der Geheimdienst NDS am Samstag in Kabul mitteilte, wurde Hafes Said am Freitag bei einem Angriff in der östlichen afghanischen Grenzprovinz Nangarhar tödlich getroffen. Die Dschihadistenmiliz äußerte sich zunächst nicht zu den Angaben.

Der Angriff sei erfolgt, als Said an einem Treffen mit weiteren IS-Gefolgsleuten teilnahm. Dabei seien rund 30 weitere Extremisten getötet worden. Zwei zum IS gehörende Kommandeure, die früher einmal den Taliban angehörten, bestätigten die Angaben. Saids verstümmelte Leiche wurde demnach kurz nach dem Drohnenangriff an einem „geheimen Ort“ beerdigt. Ein Sprecher der US-Truppen in Afghanistan bestätigte lediglich einen „Präzisionsschlag“, ohne Details zu nennen.

Mitte Juni hatte das Pentagon in Washington einen Bericht veröffentlicht, wonach der IS bestrebt ist, seine Aktivitäten in Afghanistan auszuweiten. Die Organisation werde wahrscheinlich versuchen, ihre Präsenz in Afghanistan zu erhöhen und mit den radikalislamischen Taliban und anderen Aufständischen im Land zu konkurrieren. Der Tod ihres örtlichen Anführers dürfte ihren Bemühungen einen schweren Schlag versetzen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Said war im Januar zum Anführer des IS in der „Provinz Khorasan“ ernannt worden, einem Gebiet, das neben Afghanistan und Pakistan Teile weiterer benachbarter Länder umfasst. Zuvor hatte eine Gruppe pakistanischer Taliban die Seite gewechselt und den IS-Dschihadisten die Treue geschworen. Seitdem liefen auch mehrere afghanische Taliban zum IS über. Die meisten von ihnen lehnen die in der vergangenen Woche gestarteten direkten Friedensgespräche zwischen Unterhändlern der Taliban und der afghanischen Regierung ab.

Die Provinz Nangarhar ist seit Monaten Schauplatz blutiger Zusammenstöße zwischen den beiden rivalisierenden Gruppierungen. Im vergangenen Monat warnten die Taliban IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi davor, nach Syrien und dem Irak nun auch ihren Einfluss auf Afghanistan auszudehnen.

Mitte vergangenen Jahres hatte der IS in Syrien und im Irak große Gebiete unter seine Kontrolle gebracht. Eine von den USA angeführte Militärallianz fliegt Luftangriffe gegen IS-Stellungen und unterstützt die irakischen Bodentruppen gegen die Dschihadisten.

Wie eng die Aktivitäten des IS in Afghanistan mit den Aufständen im Irak und Syrien verzahnt sind, ist derzeit unklar. Wenig bekannt ist auch der Umfang der Unterstützung des IS für seinen afghanischen Ableger.

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