Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.06.2014

15:01 Uhr

US-Geheimdienst

NSA überwachte 2013 gut 89.000 ausländische Ziele

Rund ein Jahr ist vergangen, seit der Whistleblower Edward Snowden die Abhörpraktiken der NSA offenlegte. Nun legt der US-Geheimdienst einen ersten Bericht zu seiner Internet- und Telefonüberwachung vor.

Gemäß dem NSA-Bericht für 2013 erhielt der Geheimdienst weniger als 2000 Anweisungen vom geheimen Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC). dpa

Gemäß dem NSA-Bericht für 2013 erhielt der Geheimdienst weniger als 2000 Anweisungen vom geheimen Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC).

WashingtonDer US-Geheimdienst NSA hat im Rahmen seiner Internet- und Telefonüberwachung im vergangenen Jahr gut 89.000 ausländische "Ziele" überwacht. Dies geht aus dem ersten Transparenzbericht der Behörde hervor, der am Freitag in Washington vorgelegt wurde. Demnach wurden 2013 exakt 89.138 ausländische "Ziele" ausgespäht - wobei ein "Ziel" neben Einzelpersonen auch eine Gruppe von Menschen oder eine Organisation sein kann.

Gemäß dem NSA-Bericht für 2013 erhielt der Geheimdienst weniger als 2000 Anweisungen vom geheimen Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC). Davon betrafen 1767 Fälle, bei denen ein "wahrscheinlicher Grund" für eine Untersuchung gegeben war. 131 Anweisungen erlaubten der Behörde, die Telefonnummern eingehender und abgehender Anrufe zu sammeln.

Laut dem Bericht erhielt die NSA nur eine einzige Anweisung unter Artikel 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (Fisa). Dieser Artikel gilt für ausländische Staatsbürger, die im Ausland leben. Sie haben laut US-Recht nicht den gleichen Schutz vor Überwachung wie US-Bürger. Allerdings lag die Zahl der bei dieser Anweisung betroffenen "Ziele" bei 89.138. Da dazu auch Gruppen oder Organisationen gehören können, lag die Zahl der betroffenen Personen wahrscheinlich noch deutlich höher.

Was ist über die NSA-Spionage in Deutschland bekannt?

Wie konnte die NSA Merkels Handy abhören?

Der GSM-Standard, mit dem Telefongespräche auf Handys verschlüsselt werden, gilt schon lange als geknackt. Die Gespräche können von Lauschern also entschlüsselt werden. Dazu müssen die Angreifer die Telefonate allerdings mitschneiden. Es besteht der Verdacht, dass sich auf dem Dach der US-Botschaft im Berliner Regierungsviertel technische Vorrichtungen befinden, die dazu genutzt werden können.

Hört die NSA Merkels Handy weiter ab?

Nachdem der „Spiegel“ das Abhören des Merkel-Handys aufgedeckt hatte, reagierte US-Präsident Barack Obama. „Die Vereinigten Staaten überwachen die Kommunikation der Kanzlerin nicht und werden sie nicht überwachen“, erklärte Sprecher Jay Carney Ende Oktober. Was die heute als gesichert geltenden Abhörmaßnahmen in der Vergangenheit nicht ausschloss. Das Weiße Haus gab zudem keine Zusicherung, dass Merkels Umfeld nicht abgehört wird.

Kann Merkel sich gegen die Telefon-Überwachung schützen?

Die Kanzlerin kann ein besonders geschütztes Kryptohandy nutzen. Damit wurde die Bundesregierung im vergangenen Herbst ausgestattet. Diese Geräte verwenden zusätzliche Verschlüsselungstechnik. Allerdings funktioniert die sichere Kommunikation nur, wenn die Gesprächspartner ebenfalls über ein solches Sicherheitshandy verfügen. Die Hersteller berichten, dass seit Bekanntwerden des Spähskandals die Nachfrage nach ihren teuren Geräten gestiegen sei.

Warum wurde Merkel abgehört?

Die USA und Deutschland arbeiten eng zusammen, etwa in der Nato. Doch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA wurde Deutschland zum wichtigsten Aufklärungsziel in Europa, wie der ehemalige NSA-Mitarbeiter Thomas Drake dem „Spiegel“ sagte. Einige der Todespiloten lebten unentdeckt von deutschen Sicherheitsbehörden in Hamburg. Die USA sollen sich außerdem für die wirtschaftliche Lage und die außenpolitischen Ziele Deutschlands interessieren.

Seit wann wurde Merkel belauscht?

Nach Berichten des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden soll der Geheimdienst NSA seit 2002 das Privat-Handy Merkels abgehört haben. Damals war sie CDU-Vorsitzende. Die NSA soll mehr als 300 Berichte über Merkel gespeichert haben.

Interessierte sich der US-Geheimdienst nur für Merkel?

Offenbar nicht. Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und des NDR wurde auch schon SPD-Kanzler Gerhard Schröder abgehört. Grund sei sein Konfrontationskurs zu den USA im Irak-Krieg 2003 gewesen.

Wie sieht es mit der deutschen Bevölkerung aus?

Dass die Kanzlerin belauscht wurde, brachte den NSA-Skandal in Deutschland erst richtig ins Rollen. Doch auch die Kommunikation ganz normaler Internetnutzer kann vom US-Geheimdienst und seinem britischen Partnerdienst GCHQ ausgespäht werden. Die Dienste zapfen zum Beispiel die Unterseekabel an, über die Daten verschickt werden.

Laut dem Bericht, den US-Präsident Barack Obama im Juni 2013 in Auftrag gegeben hatte, stellte die NSA 178 Anträge zur weiträumigen Sammlung von Telefonmetadaten. Die dabei gewonnenen Informationen erlaubten es dem Geheimdienst wiederum, 423 spezifische Anfragen zu stellen, um mehr Daten zu sammeln. 248 weitere Anträge betrafen "bekannte und vermutete US-Personen" und 172 "ausländische Individuen, Organisationen oder Mächte".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×