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08.05.2011

13:00 Uhr

US-Geheimdienst

Videos zeigen bin Laden als Privatmann

Der meistgesuchte Mann der Welt hat sein globales Terrornetzwerk offenbar jahrelang von einem schäbigen, provisorischen Büro im pakistanischen Hinterland aus geleitet. Das belegen private Videos von Osama bin Laden.

Osama guckt Osama: Der Al-Quaida-Chef analysierte seine öffentliche Wirkung genau. Quelle: dpa

Osama guckt Osama: Der Al-Quaida-Chef analysierte seine öffentliche Wirkung genau.

WashingtonWichtiger Schachzug im Propagandakrieg nach der Erschießung von Osama bin Laden: Die USA haben am Samstag Privatvideos des einstigen Terrorführers veröffentlicht. Die bislang unbekannten Aufnahmen wurden bei der Kommandoaktion der US-Eliteeinheit Navy SEALs beschlagnahmt, bei der bin Laden am vergangenen Montag in der Stadt Abbottabad getötet worden war.

Sie geben einen ersten Einblick, wie der Al-Kaida-Chef die letzten sechs Jahre seines Lebens verbrachte. Auf einem der fünf Filme, die am Samstag bei einer Pressekonferenz in Washington vom US-Geheimdienst freigegeben wurden, ist bin Laden zu sehen, wie er auf dem Fußboden sitzend sich selbst im Fernsehen betrachtet. Der Terrorführer ist in eine dunkle Decke gehüllt und wiegt sich vor und zurück, während er von einem Sender zum nächsten schaltet. Sein Bart ist grau und ungekämmt.

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Videos zeigen eitlen bin Laden in schäbigem Büro

Al-Kaida-Chef: USA veröffentlichen Bin-Laden-Videos

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Auf einem anderen Video hat er sich für die Aufnahme einer Propaganda-Botschaft offenbar den Bart gefärbt und ihn säuberlich gestutzt. Das Video, das ohne Ton veröffentlicht wurde, trägt den Titel "Botschaft an das amerikanische Volk" und wurde vermutlich im vergangenen Herbst aufgenommen, wie ein Geheimdienstmitarbeiter bei der Pressekonferenz sagte. Bin Laden hat seit 2007 kein Video mehr veröffentlicht. Andere Videos zeigen Filmmaterial mit Versprechern, die für den Mülleimer bestimmt waren.

Bin Laden informierte sich über aktuelle Nachrichtenlage

Über eine Satellitenschüssel konnte bin Laden demnach Fernsehprogramme empfangen und aktuelle Nachrichten sehen. Das Video zeigt auch, dass bin Laden einen Computer im Hause hatte. Den Behördenangaben zufolge verfügte er aber über keinen Internet- oder Telefonanschluss. Der US-Geheimdienst wusste zwar bereits zuvor, dass bin Laden das Weltgeschehen verfolgte. Jahrelang vermutete man bin Laden jedoch in einem abgelegenen Gebiet in den pakistanischen Bergen und ging davon aus, er habe keinen Zugang zu aktuellen Nachrichten.

Die Videos wurden auf bin Ladens Grundstück in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad beschlagnahmt, wo der Al-Kaida-Chef die letzten sechs Jahre seines Lebens verbrachte. Den US-Behörden zufolge sind die Videobänder nur ein Bruchteil des Materials, das bei der Operation sichergestellt wurde.

Noch nie zuvor sei es gelungen, so viele Daten und Unterlagen eines Top-Terroristen zu beschlagnahmen. Auch Telefonnummern und andere Dokumente wurden sichergestellt. Die US-Behörden hoffen, mithilfe der neuen Informationen das Terrornetzwerk zur Strecke bringen zu können, das hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 steckt.

Videos als Beweis für erfolgreichen US-Einsatz

Zudem dienten die Filmaufnahmen als weiterer Beweis, dass es den USA tatsächlich gelungen ist, bin Laden auszuschalten. Präsident Barack Obama hatte sich zuvor gegen die Veröffentlichung von Fotos von bin Ladens Leiche entschieden. Die US-Behörden erklärten aber, die Identität des Al-Kaida-Chefs sei anhand von dessen DNA bewiesen worden.

Die Videos ermöglichen es der US-Regierung aber auch, bin Laden als eitlen Mann und Meister der Selbstdarstellung zu zeigen. Einige Aufnahmen wurden mehrfach wiederholt, bis bin Laden damit zufrieden war. Der Terrorführer erscheint dort wie ein Mann, der von seinem eigenen Erscheinungsbild besessen ist.

CIA-Chef Leon Panetta sagte am Samstag, das sichergestellte Material zeige, wie wichtig und richtig die Suche nach bin Laden gewesen sei. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe das amerikanische Volk das von den Sicherheitsbehörden erwartet und sie hätten die Erwartungen nicht enttäuscht. Das Material beweise, dass bin Laden bis zum Schluss aktiv in die Leitung der Al-Kaida eingebunden gewesen sei, erklärte ein Geheimdienstmitarbeiter.

Von

dapd

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