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25.05.2014

14:29 Uhr

US-Geheimdienstmitarbeiter

Kehrt Snowden in die USA zurück?

Der Anwalt des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters hat laut einem Medienbericht bestätigt, dass es Verhandlungen über Snowdens Rückkehr gebe. Der Weg nach Deutschland stehe ihm aber sicher offen.

In Berlin könnte sich Snowden über viele Fans freuen. Reuters

In Berlin könnte sich Snowden über viele Fans freuen.

HamburgDer ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden erwägt offenbar, unter bestimmten Bedingungen in sein Heimatland USA zurückzukehren. „Es gibt Verhandlungen“, sagte Snowdens deutscher Anwalt Wolfgang Kaleck dem „Spiegel“. „Alle, die mit der Sache zu tun haben, sind sich bewusst, dass eine einvernehmliche Lösung mit den US-Behörden das Sinnvollste wäre.“ Es gebe daher Bemühungen, zumindest mittelfristig eine Lösung zu finden, die für Snowden „erträglich“ sei.

Sein Mandant habe nie egoistisch gehandelt und keinen Schaden angerichtet, sagte der Anwalt dem Magazin weiter. „Daher könnte man sich von einer demokratischen US-Regierung erhoffen, dass sie ihm den Weg zurück ebnet.“ Kaleck ergänzte, er selbst sei nicht an den Verhandlungen beteiligt.

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

Auf Bitten des Anwalts klärt der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag derzeit mit der Bundesregierung, ob Snowden nach Deutschland einreisen und hier aussagen darf. „Solange die Regierung das nicht abgelehnt hat, ist der Weg nach Deutschland offen“, sagte Kaleck dem „Spiegel“. Er forderte die „engagierte Öffentlichkeit“ auf, sich einzuschalten und zu sagen: „Snowdens Verdienste sind so groß, dass anders mit ihm umgegangen werden muss.“ Durch von Snowden öffentlich gemachte Dokumente war im vergangenen Jahr bekannt geworden, dass britische und US-Geheimdienste massenhaft Telekommunikations- und Internetdaten auch deutscher Bürger überwachen.

„Schockierend“ nannte Kaleck es, dass Innenminister Thomas de Maizière (CDU) Snowden gegenüber US-Regierungsvertretern als Rechtsbrecher bezeichnet habe. „In einer Art Unterwerfungsgeste an die USA zu sagen, wir verstehen schon, dass ihr den als Kriminellen behandelt, und sehen es ähnlich, während gleichzeitig ein Untersuchungsausschuss läuft, der ohne Snowden niemals denkbar gewesen wäre - das halte ich für skandalös.“

Von

afp

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