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17.10.2013

16:05 Uhr

US-Haushaltsstreit

Außenhandelsverband fordert Langfrist-Lösung

Kurz vor knapp haben Republikaner und Demokraten einen Haushalt verabschiedet – der allerdings nur bis Januar 2014 gilt. Der Präsident des Außenhandelsverbandes fordert eine langfristige Lösung von den Amerikanern.

Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA Anton Börner zum Ende des Haushaltsstreits: „Die Probleme sind nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“ dpa

Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA Anton Börner zum Ende des Haushaltsstreits: „Die Probleme sind nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“

BerlinDie deutsche Exportwirtschaft hat sich erleichtert über die Einigung im US-Haushaltsstreit gezeigt. Der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, sieht das Problem ausufernder US-Schulden und lähmender Dauerstreitereien in Washington aber nicht behoben. „Die Probleme sind nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“, sagte der BGA-Chef am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin.

„Hoffentlich erleben wir nicht das gleiche Theater im Januar wieder.“ Es könne nicht sein, dass 40 Abgeordnete die gesamte Welt in Geiselhaft nehmen, sagte Börner mit Blick auf republikanische Vertreter der erzkonservativen Tea Party. Ein solches Schauspiel sei für die größte Volkswirtschaft der Welt unwürdig. Die Amerikaner seien endlich aufgefordert, eine tragfähige Lösung auszuhandeln.

Die führende Rolle der US-Wirtschaft und des Dollar als die Leitwährung weltweit sieht Börner in den nächsten Jahren nicht gefährdet - selbst wenn dieses Schauspiel noch ein paar Mal über die Bühne gehe. Zwar machten sich Investoren Gedanken. Der Dollar sei aber einfach zu stark, und es gebe auch zu wenig Alternativen. „Die Europäer müssen erst einmal ihre Hausaufgaben machen“, sagte Börner.

Nach der Krise ist vor der Krise

Wie geht es an den Börsen weiter?

Anleger haben den Haushaltsstreit abgehakt – vorerst. Trotz der Freude über die Übergangslösung in letzter Minute hätten viele Anleger bereits die künftige Entwicklung im Blick, erklärt Experte Desmond Chua von CMC Markets: „Der Kompromiss bringt nur wenig Zeit, bevor es erneut zu einem Debakel kommen kann.“ Das fröhliche Treiben an den Börsen werde fortgesetzt, die Probleme ausgeblendet, meint Analyst Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler. Die Frage ist nur, wie lange noch. Aus Sicht des Ökonomen Torsten Schmidt vom Essener Forschungsinstitut RWI sind Verbraucher und Investoren bereits nachhaltig verunsichert.

Sind die Probleme gelöst?

Der Kompromiss zur Entschärfung des US-Finanzstreits ist keine Dauerlösung. Die Erhöhung der gesetzlichen Schuldengrenze, ohne die der Supermacht das Geld ausgegangen wäre, stellt die Finanzierung nur bis zum 7. Februar sicher. Der Übergangshaushalt, der die öffentliche Verwaltung am Laufen hält, ist sogar nur bis zum 15. Januar gültig. Dann droht erneut der Stillstand. Das heißt: Schon in den nächsten Wochen müssen sich Republikaner und Demokraten auf eine längerfristige Lösung einigen. Die Fronten bleiben jedoch verhärtet, so dass der Stress für die Anleger schon bald wieder losgehen wird.

Wie lange reicht die Geduld der Investoren?

Trotz Einigung in letzter Minute – die Supermacht ist angezählt. „Der Schaden für die USA und ihre Glaubwürdigkeit ist beträchtlich“, meint Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. „In den kommenden Tagen und Wochen wird die Diskussion aufkommen, ob die USA noch uneingeschränkt als Hort der Sicherheit einzuschätzen sind – und das zu Recht“, sagt auch Metzler-Experte Sachs. Sollte das Vertrauen in amerikanische Anlagen schwinden, hätte das auch erhebliche Folgen für deutsche Sparer.

Was bedeutet das für Lebensversicherungen?

Das Geld der Lebensversicherungen steckt vor allem in festverzinslichen Wertpapieren mit guter Bonität, beispielsweise deutschen Staatsanleihen oder US-Bonds. Sollten ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA aufkommen, müssten sich die Lebensversicherer von den US-Anleihen trennen. Bei einer Flucht der Investoren in Bundesanleihen würden deren ohnehin schon mickrigen Renditen aber noch weiter sinken. Das dürfte den Druck auf die Lebensversicherer weiter verstärken. Viele Anleger erhalten bereits heute weit weniger Geld als sie sich ursprünglich beim Abschluss ihres Vertrages erhofft hatten.

Was steht Sparern bevor ?

Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, weil die Notenbanken die Zinsen auf Rekordtiefstände gesenkt haben. Mit ihrer Geldflut wollen die Währungshüter die Konjunktur ankurbeln. Ein rascher Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes ist angesichts der schwachen Konjunktur in Europa kein Thema. Bei der US-Notenbank könnte sich der geplante Anfang vom Ende des Billiggelds wegen der Folgen des Haushaltsstreits verzögern. „Die Fed muss nun erst einmal abwarten. Das wird für neue Unsicherheit an den Weltmärkten sorgen“, meint Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance. Die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) schätzt den ökonomischen Schaden durch den zweiwöchigen Zwangsurlaub in der öffentlichen Verwaltung auf 24 Milliarden Dollar. Erste Ökonomen haben bereits die Konjunktur-Prognosen für die USA gesenkt.

„Dass der Euro so stark ist, ist weniger dem zu verdanken, dass Europa so gut dasteht, sondern eher der Diversifikationstendenz der Investoren.“ Diese wollten nicht ausschließlich in den Dollar gehen: „Da spielt der Euro automatisch eine wichtige Rolle.“ Solange die Europäer aber nicht einig sind und keine gemeinsame Finanzpolitik hinbekommen, solange werden sie laut Börner auch auf der ganzen Welt als „zerstrittene und unproduktive Kleingeister wahrgenommen“. Irgendwann würden aber auch die Amerikaner negative Auswirkungen spüren, wenn sich nichts ändere.

Von

dpa

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