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17.06.2013

20:46 Uhr

US-Informant Snowden

„Die Wahrheit kann nicht aufgehalten werden“

Edward Snowden kündigt weitere Enthüllungen an und erhebt schwere Vorwürfe gegen die US-Geheimdienste. Amerikanische Geheimdienst-Analysten hätten Zugang zu allen Informationen - egal wonach sie suchen.

Edward Snowden hat in einem Chat weitere Enthüllungen zur NSA angekündigt. ap

Edward Snowden hat in einem Chat weitere Enthüllungen zur NSA angekündigt.

Washington, LondonDer in Hongkong untergetauchte Informant Edward Snowden hat weitere Enthüllungen über die Spähprogramme der US-Geheimdienste angekündigt. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter sagte in einem Online-Interview der britischen Zeitung "The Guardian" am Montag, er werde "weitere Details" über die Überwachung von Internetnutzern durch die National Security Agency (NSA) preisgeben. Dabei bekräftigte er den Vorwurf, dass die NSA weitreichenden Zugriff auf private E-Mails und Daten zum Surfverhalten im Internet habe.

Der "Guardian" und die "Washington Post" hatten mit Snowdens Hilfe die Existenz des Spähprogramms Prism aufgedeckt, bei dem die NSA im Kampf gegen den Terrorismus die Nutzerdaten großer Internetkonzerne wie Google und Facebook auswertet. Die betroffenen Unternehmen bestreiten aber einen direkten Zugriff der Geheimdienste auf ihre Server.

Fragen und Antworten zu PRISM

Bekommen US-Geheimdienste Informationen von Internet-Unternehmen?

Ja, und das ist auch seit Jahren bekannt. Nach dem „Patriot Act“ können Behörden mit Gerichtsbeschluss Zugang zu Informationen bekommen. Das neue an den Berichten über ein Programm Namens „PRISM“ wäre der freie Zugang zu den Servern von Google, Facebook & Co. statt eines punktuellen Zugriffs. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen weisen dies zurück. Laut US-Geheimdienstkoordinator James Clapper ist „PRISM“ nur ein internes Computersystem der Behörden.

Die US-Regierung betont, dass die Überwachung und die Verwendung der Daten strikt überwacht werden, von wem?

Die Abläufe bleiben komplett im geheimen Bereich. Die Geheimdienstanfragen nach Nutzerdaten müssen zwar von einem Gericht bewilligt werden - aber es ist ein speziell dafür geschaffenes Gericht mit elf Richtern. Die Anfragen sind so geheim, dass die Unternehmen selbst über ihre Existenz schweigen müssen.

Gibt es Anhaltspunkte dafür?

Die „New York Times“ zitierte am Wochenende einen Juristen „einer Technologiefirma“, der berichtete, wie die NSA einen Agenten ins Hauptquartier des Unternehmens abkommandiert habe, um den Verdächtigen in einem Cyberangriff zu überwachen. Der Agent habe von der Regierung entwickelte Software auf dem Server installiert und sei für mehrere Wochen geblieben, um Daten in ein Notebook der Agentur herunterzuladen. In anderen Fällen fordere die NSA Echtzeitdaten an, die dann digital übermittelt würden.

Könnte der Geheimdienst sehen, wie Ideen beim Tippen entstehen?

Das muss kein Widerspruch sein. Der amerikanische Journalist und Geheimdienstexperte Marc Armbinder beschreibt das Funktionieren des „PRISM“-Systems so: Zum Beispiel könnte Facebook die Anordnung bekommen, Informationen über alle Profile aus Abbottabad in Pakistan herauszurücken, angenommen, es gibt 50 davon. „Diese Accounts werden ständig aktualisiert. Also erstellt Facebook eine „Spiegel“-Version der Inhalte, zu der nur die NSA Zugang hat. Die ausgewählten Profile werden in Echtzeit sowohl auf dem Facebook-Server als auch auf dem gespiegelten Server aktualisiert. "PRISM" ist das Werkzeug, das das alles zusammenbringt.“

Könnte die NSA Daten auch ohne Kooperation bekommen?

Absolut. Und Zunger beschreibt eine Möglichkeit dafür: Sie könnten den Datenstrom bei den Anbietern von Internet-Zugängen abgreifen und Datenpakete mit Bezug zum Beispiel zu Facebook oder Google herausfiltern.

Wie glaubwürdig sind die Dementis der Internet-Konzerne?

Sie sind ähnlich formuliert und beziehen sich auf einen „direkten Zugriff“ auf Server der Unternehmen. Zugleich klingen einige davon auch sehr persönlich und aufrichtig. So versicherte der Chefentwickler des Online-Netzwerks Google+, Yonathan Zunger, er würde kündigen, wenn er davon Wind bekäme. Und er sei in einer Position bei Google, in der er eine so groß angelegte Spionageaktion eigentlich hätte mitkriegen müssen. Zunger ist offen in seiner „Abscheu“ für die NSA: „Wir haben nicht den Kalten Krieg geführt, damit wir die Stasi nachbauen können“.

Snowden sagte dagegen, dass den Analysten bei der NSA weitgehend freie Hand beim Ausspähen gelassen werde. Die Gerichtsbeschlüsse, die der Überwachung zugrunde liegen, würden nur selten überprüft. Die Ausrede der Geheimdienste sei, dass bei der Suche nach Terrorverdächtigen zufällig auch die Daten unbescholtener Bürger abgegriffen würden.

"Aber am Ende hat irgendjemand bei der NSA Deine Kommunikationsdaten", sagte Snowden, der sich auf der Webseite des "Guardian" den Fragen von Internetnutzern stellte. Amerikanische Geheimdienst-Analysten könnten Zugang zu Informationen bekommen, egal wonach sie suchen, erklärte Snowden am Montag im Internet.

„Telefonnummer, E-Mail, Benutzername, Handy-Identifikationsnummer - es macht keinen Unterschied.“ Die Einschränkungen seien nicht technischer, sondern politischer Natur. Kontrollen seien sehr lückenhaft.

„Alles, was ich jetzt sagen kann, ist, dass die US-Regierung das nicht vertuschen können wird, indem sie mich inhaftiert oder ermordet“, erklärte Snowden weiter. "Die Wahrheit kommt heraus und kann nicht aufgehalten werden." Der 29-jährige Computertechniker hatte als Angestellter einer externen Beratungsfirma im US-Bundesstaat Hawaii für die NSA gearbeitet und dabei geheime Dokumente zu den Überwachungsprogrammen an sich gebracht.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

17.06.2013, 22:54 Uhr

Und für wenn arbeitet dieses ganze Geheimdienstpack? NAtürlich für die Privatbanken!
Immer wieder die gleiche Leier! Konsumeinbruch, und schon arbeiten die westlichen Geheimdienste wieder eifrig daran neue Kriegsherde zubasteln!
Und wer gewinnt dabei immer?
Natürlich die Banken!
Und das Volk schaut immer dumm aus der Wäsche!

Rechner

17.06.2013, 23:23 Uhr

Handelsblatt berichtet
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Der Vater des Enthüllers rief seinen Sohn unterdessen auf, keine weiteren Informationen weiterzugeben und nach Hause zurückzukehren. „Ich hoffe, ich bete und ich bitte Dich, keine Geheimnisse zu veröffentlichen, die Landesverrat bedeuten würden“, wandte sich Lon Snowden im TV-Sender Fox News an den 29-Jährigen.

„Ich habe das Gefühl, dass Du unter großem Stress stehst. (...) Ich bitte Dich, nicht dem Stress zu erliegen und eine schlechte Entscheidung zu treffen." Snowden sagte, er liebe seinen Sohn. "Ich hätte gerne, dass Ed nach Hause kommt und sich der Angelegenheit stellt.“
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Wäre nicht das erste Mal, daß die USA Angehörige von Dissidenten instrumentalisiert, um auf letztere Druck auszuüben.

Wass die lieben Onkels von den Diensten dem armen Vater von Snowdon erzählt oder verabreicht haben kann man nur erahnen.

Rechner

18.06.2013, 01:45 Uhr

'FatFinger' meint
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Die Öffentlichkeit in den USA wird mit diesen Enthüllungen weitaus gelassener umgehen, als die ganzen hysterischen, moralisierenden "Datenschützer" bei uns, die sich hier gegenseitig auf die Schulter klopfen.
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Was man von der Öffentlichkeit in einem illegalen Besatzer- und Völkermörderstaat auch nicht anders erwarten kann.

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'FatFinger' meint
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Man sollte Snowden sofort an die USA ausliefern, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann.
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Auch so.

Wenn jemand die Daten der US-Terroristen ausspioniert und veröffentlicht, dann richtet er Schaden an und muß an letztere ausgeliefert werden.

Wenn die USA meine Daten ausspionieren um mir per Drohne eine Bombe schicken zu können, dann ist das vollkommen in Ordnung.

...

Bei Ihnen sitzt das Fett nicht nur im Finger.

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