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12.10.2013

16:23 Uhr

US-Informant

Wikileaks zeigt erstes Video von Snowden

US-Informant Edward Snowden hat sich zu Wort gemeldet. In einem ersten Video seit seinem Untertauchen in Russland prangert er die Überwachung durch den Staat an. In dem Video ist ein weiterer NSA-Aussteiger zu sehen.

Geheimdienstprogramme beschränkten unsere Freiheit zu reden, zu denken, zu leben, sagte Edward Snowden in einem von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Video. ap

Geheimdienstprogramme beschränkten unsere Freiheit zu reden, zu denken, zu leben, sagte Edward Snowden in einem von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Video.

MoskauUS-Informant Edward Snowden hat in einem ersten Video seit seinem Untertauchen in Russland die Überwachung durch den Staat als „riesiges Netz“ angeprangert, das ganze Bevölkerungen ausspioniere. Derzeit werde den Menschen in der ganzen Welt klar, dass Geheimdienstprogramme „uns nicht mehr Sicherheit geben. Sie (...) beschränken unsere Freiheit zu reden, zu denken, zu leben“, sagte Snowden in dem am späten Freitagabend von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Video.

Russland hat dem früheren Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA, der mit seinen Enthüllungen über die US-Spähprogramme weltweit für Furore gesorgt hatte, vorläufiges Asyl gewährt.

Der Fall Snowden

Warum verließ Snowden Hongkong?

Es wird vermutet, dass die Regierung in Hongkong Snowden zum Verlassen des Territoriums bewegen wollte, um die Beziehungen zu den USA nicht zu belasten. Er selbst befürchtete offenbar, dass die Regierung ihn in Gewahrsam nehmen würde, sollte er bleiben und Widerspruch gegen einen US-Auslieferungsantrag einlegen. Der örtliche Abgeordnete Albert Ho sagte, er habe im Auftrag Snowdens vorgefühlt, ob dieser bis zu einer Entscheidung über den Antrag auf freiem Fuß bleiben oder ausreisen könne. Von den Behörden habe er darauf keine Antwort erhalten, sagte Ho. Ein Mittelsmann, der nach eigenen Angaben für die Regierung sprach, habe Snowden aber gesagt, dass es ihm freistehe zu gehen - und dass er dies tun solle.


Warum Russland?

Präsident Wladimir Putin bietet den USA gern die Stirn. Als sich Snowden noch in Hongkong aufhielt, erklärte Putins Sprecher, Russland würde erwägen, ihm Asyl zu gewähren, sollte er einen Antrag stellen. Möglicherweise betrachtete Snowden Russland als sicheren Zufluchtsort, von wo er unter keinen Umständen an die USA ausgeliefert würde. Bislang erfüllte Putin diese Erwartung. Einen Auslieferungsantrag Washingtons wies er umgehend zurück.

Wo ist Snowden derzeit?

Putin hat erklärt, Snowden halte sich weiterhin im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa sagte der AP, der Botschafter des Landes habe Snowden in Moskau gesehen. Zahlreiche Journalisten, die sich auf dem Flughafen auf die Suche nach dem prominenten Flüchtling machten, entdeckten keine Spur von ihm. Einige Sicherheitsexperten haben spekuliert, dass sich Snowden in den Händen russischer Geheimdienste befinden könnte, die sich von ihm Informationen erhofften. Putin hat Vermutungen, dass der russische Geheimdienst Snowden befragt habe, rundweg zurückgewiesen.

Welche Beziehung hat Snowden zu WikiLeaks?

Snowden hat sich nicht an die Enthüllungsplattform WikiLeaks gewandt, um die Welt vor dem umfassenden Überwachungsprogramm des US-Geheimdienstes NSA zu warnen. Er erklärte, er wolle es mit Journalisten zu tun haben. Denn sie könnten beurteilen, was veröffentlicht werden solle und was nicht. WikiLeaks nahm sich des Falls Snowden allerdings rasch an und bot Unterstützung für das weitere Vorgehen an. Snowdens Vater bezweifelte öffentlich, dass die Internetplattform der beste Ratgeber für seinen Sohn sei.

Wer begleitet Snowden?

Nach Angaben von WikiLeaks ist die Rechtsberaterin der Plattform, Sarah Harrison, Snowdens ständige Begleiterin. Auch sie ist öffentlich nicht in Erscheinung getreten. WikiLeaks erklärte, Harrison habe am Sonntag dem russischen Konsulat auf dem Moskauer Flughafen Snowdens Asylanträge für 21 Staaten übergeben.

Warum sitzt er fest?

Zunächst erklärte WikiLeaks, Snowdens Ziel sei Ecuador, wo er Asyl beantragt hat. Er buchte einen Tag nach seiner Ankunft in Moskau einen Aeroflot-Flug nach Kuba, wo er vermutlich umsteigen wollte. Den Flug trat er jedoch nicht an, sein Sitz blieb leer. Ein Grund für die Änderung seiner Pläne war möglicherweise, dass die USA seinen Pass für ungültig erklärten. Möglicherweise befürchtete er auch, dass die USA das Flugzeug über US-Luftraum zur Landung zwingen könnten, oder er war sich über sein endgültiges Ziel im Unklaren.

Ist mit weiteren Enthüllungen zu rechnen?

Das ist möglich. Snowden hat erklärt, seine Arbeit als NSA- Systemanalyst habe ihm Zugang zu umfangreichem Datenmaterial verschafft. Von den US-Behörden liegen dazu widersprüchliche Angaben vor. Assange hat weitere Enthüllungen in Aussicht gestellt. Es seien Maßnahmen getroffen worden, damit niemand die Veröffentlichung weiterer NSA-Dokumente im Besitz Snowdens verhindern könne. Glenn Greenwald, der Journalist der britischen Zeitung „The Guardian“, der maßgeblich an den ersten Veröffentlichungen beteiligt war, ließ durchblicken, dass Medienorganisationen bereits im Besitz des gesamten Materials seien, das Snowden publik machen wollte. Greenwald deutete an, dass es an den Zeitungen liege, was sie wann veröffentlichen wollten.

In dem laut Wikileaks vor wenigen Tagen in Moskau aufgenommenen Video ist Snowden unter anderem mit Thomas Drake zu sehen, der zur Führungsebene des US-Geheimdienstes NSA gehörte und 2001 ausstieg. Die US-Anwältin Jesselyn Radack, die ebenfalls an dem Treffen teilnahm, warnte Snowden vor einer Rückkehr in die Vereinigten Staaten. „In den USA ist jetzt eine sehr gefährliche Zeit für Whistleblower“, sagte sie dem russischen Fernsehsender RT.

Snowden war am 23. Juni aus Hongkong kommend auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo gelandet. Die USA fordern seine Auslieferung. Sie wollen ihn wegen Geheimnisverrats vor Gericht stellen. Russland lehnt eine Abschiebung ab. Snowden hatte sich in dieser Woche mit seinem Vater getroffen, der dafür nach Russland gereist war.

Von

dpa

Kommentare (1)

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DebateOngoing

12.10.2013, 20:41 Uhr

Auch interessant ist der Kommentar von Herrn Assage (Wikileaks) http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=AtGx1sL17hI

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