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05.10.2016

07:48 Uhr

US-Intervention in Syrien

Washington prüft einen möglichen Alleingang

Die Verhandlungen mit Russland über eine Feuerpause in Syrien sind gescheitert. Nun erwägen die USA einen möglichen Alleingang in dem Land – auch militärisch. Es würden „unilaterale Optionen“ geprüft.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Russland prüfen die USA einen Alleingang in Syrien. dpa

Bürgerkrieg in Syrien

Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Russland prüfen die USA einen Alleingang in Syrien.

WashingtonDie USA prüfen nach dem Bruch mit Russland auch ein unilaterales Vorgehen in der Syrienkrise. Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington erklärte am Dienstag, die US-Regierung berücksichtige gegenwärtig eine ganze Reihe von möglichen Vorgehensweisen. Darunter seien diplomatische, militärische, geheimdienstliche und wirtschaftliche Maßnahmen.

„Wir prüfen immer die unilateralen Optionen, wenn wir mit einer Situation wie die in Syrien konfrontiert sind“, sagte der Sprecher. Allerdings werde auch die Zusammenarbeit mit den Staaten der Syrien-Unterstützergruppe besprochen.

Die wichtigsten Parteien im syrischen Bürgerkrieg

REGIME

Die syrische Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern. Zudem fliegt die russische Luftwaffe Angriffe in Syrien.

ISLAMISCHER STAAT (IS)

Die Terrormiliz verlor in den vergangenen Monaten einige ihrer Gebiete an das Regime und die Kurden und befindet sich in der Defensive. Die Dschihadisten kontrollieren aber immer noch große Teile des Landes im Norden und Osten, vornehmlich Wüstengebiete.

KURDISCH GEFÜHRTE KRÄFTE

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte ein Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückdrängen. Die Kurden kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch in der nordöstlichen Stadt Hasaka zu ungewöhnlich heftigen Zusammenstößen mit syrischen Regierungstruppen. Die Türkei ist ein erklärter Gegner der Kurden. Sie befürchtet angesichts eines mehr als 400 Kilometer langen Gebietes unter kurdischer Kontrolle an seiner Südgrenze Unabhängigkeitsbestrebungen der türkischen Kurden.

DSCHAISCH AL-FATAH

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Teil von Dschaisch al-Fatah sind auch die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrischen Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

AHRAR AL-SCHAM

Die islamistische Miliz ist neben Fatah al-Scham die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger. Die Türkei gilt als wichtige Unterstützerin der Miliz.

FREIE SYRISCHE ARMEE (FSA)

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah gehören, sowie im Süden.

Am Vortag hatten die USA die Gespräche mit Russland über die Umsetzung einer Feuerpause mit dem Vorwurf abgebrochen, Russland halte sich nicht an seine Zusagen. Russland wies dies zurück. Die Regierungen fünf führender westlicher Länder wollen am Mittwoch in Berlin über das weitere Vorgehen in der Syrienkrise abstimmen.

Von

rtr

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