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14.08.2015

10:58 Uhr

US-Kommentator spießt Handelsüberschüsse auf

„Deutschland ist der wahre Übeltäter“

Viele deutsche Exportunternehmen verurteilen die jüngste Yuan-Abwertung und fürchten Konkurrenz zu Dumpingpreisen. Doch der wahre Übeltäter sei nicht China, sondern Deutschland, argumentiert ein US-Kommentator.

Die deutsche Wirtschaft gehört zu den Gewinnern der Krise. dpa

Deutschland profitiert

Die deutsche Wirtschaft gehört zu den Gewinnern der Krise.

New YorkWer etwas Negatives über Deutschland hören will, muss entweder linke Europäer oder angelsächsische Ökonomen fragen. Oder Jon Hilsenrath, den wichtigsten Kommentator der amerikanischen Geldpolitik beim „Wall Street Journal“. Der schreibt: „Deutschland, nicht China, ist heute der wirkliche Übeltäter im Außenhandel.“ Er greift damit eine auch bei amerikanischen Politikern weit verbreitete These auf, aber man hat sie selten so explizit und in so großer Verbreitung gelesen. „Chinas Entscheidung, die Währung abzuwerten, sieht aus wie ein Akt von ökonomischem Krieg, ein Versuch, den eigenen Export und die heimische Wohlfahrt zu fördern und gleichzeitig die Handelspartner zu schädigen“, schreibt der Journalist. Und fährt fort: „Aber Deutschland, nicht China, ist der wirkliche Gewinner im globalen Währungs- und Wirtschaftskrieg“.

Seit 2008 ist der Wert des Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen um 12,5 Prozent gesunken, kritisiert er mit Bezug auf Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Die chinesische Währung hat hingegen seit damals um 34 Prozent zugelegt, die jüngste Abwertung fällt dagegen kaum ins Gewicht. Der deutsche Handelsüberschuss, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, wuchs von 5,8 Prozent im Jahr 2008 auf 7,5 Prozent 2014 und wird nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds 2015 rund 8,4 Prozent erreichen. „Die einzigen Länder mit höheren Überschüssen sind Singapur, Botswana, Kuwait, Taiwan, Timor-Leste, die Niederlande und Papua-Neu-Guinea“, schreibt Hilsenrath. Der Überschuss Chinas sank dagegen von 2008 bis 2014 von 9,2 auf 2,0 Prozent. In diesem Zeitraum bezog China Waren im Wert von durchschnittlich 9,8 Prozent der eigenen Wirtschaftskraft aus dem Ausland, Deutschland dagegen nur 2,7 Prozent.

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Immerhin räumt der Amerikaner ein, dass Deutschland die Schwäche des Euros nicht herbeigeführt, sondern sich sogar gegen eine lockere Geldpolitik in Europa gewehrt hat. Trotzdem fragt er am Schluss seines Kommentars: „Deutschland hat den Vorteil davon und muss sich vom Rest der Welt fragen lassen: Was hast du für uns in der letzten Zeit getan?“

In Deutschland gelten starke Unternehmen, gute Produkte und die Sparsamkeit der Bürger als Ursachen der hohen Handelsüberschüsse. Bei diesem Stolz auf die eigenen Tugenden wird der Beitrag der Euro-Krise, die neben einer schwächeren Krise ja auch besonders niedrige Zinsen mit sich bringt, in der Tat häufig übersehen. Starker Konsum und entsprechende Defizite im Außenhandel gelten den Deutschen eher als Zeichen wirtschaftlicher Schwäche und privater Verschwendungssucht. Die Amerikaner sehen es tendenziell genau anders herum. Ihrer Meinung nach ist der eigene Konsum ein wertvoller Beitrag zur weltweiten Konjunktur, und sind hohe Überschüsse eher eine Art Raub an den Nachbarn. „Deutschland hat einen größeren Anteil der globalen Produktion abgesaugt“, schreibt Hilsenrath. Eine offensichtlich misslungene Formulierung, richtig wäre: „Deutschland hat einen größeren Anteil der globalen Nachfrage für sich genutzt.“

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Raghuram Rajan, indischer Notenbank-Chef mit einer prestigeträchtigen Vergangenheit als Ökonom in den USA, wirft den Industrieländern insgesamt vor, mit ihrer lockeren Geldpolitik Nachfrage für sich abzusagen statt echtes Wachstum zu fördern. Auf einer Veranstaltung vor einigen Monaten nannte er dabei keine Notenbanken explizit, aber es war klar, dass er ebenso die Fed in den USA wie die EZB in Europa im Visier hat.

Die Vorwürfe der Amerikaner gegenüber Deutschland haben einen Sub-Text, den Hilsenrath unerwähnt lässt. Sie richten sich gegen die in ihren Augen unerträgliche Selbstgerechtigkeit der Deutschen im Umgang mit Griechenland. Diesem Punkt kann man auch zustimmen, wenn man die ökonomische Argumentation für überzogen hält.

Von

fw

Kommentare (41)

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Herr Tom Schmidt

14.08.2015, 11:15 Uhr

Nein, dem kann man nicht zustimmen! Die USA mögen ja Sympathie für Griechenland hegen, haben sie ja genauso verk... wie die Griechen. Die Arbeitslosigkeit in den USA nach der Statistik wie in der Reagan-Ära liegt bei 23 %, fast so wie in Griechenland. Der amerikanische Mittelstand... fast ausradiert. Löhne und Gehälter? Im Sinkflug! Arbeitplätze mit guten Gehältern, haben sie nur noch im Bereich, Politik, Think Tanks, Finanzwesen.

Die USA müssen nur nach anderen Schuldigen suchen, damit den Amis nicht auffällt, was für Parasiten ihre Nation zu Grunde richten! Auf jeden Fall zeigt das Beispiel USA, dass die Finanztrickserei nicht die Lage der Bevölkerung verbessert!!!

Herr Werner Wilhelm

14.08.2015, 11:19 Uhr

Handelsungleichgewichte sind ein globales Problem, das auf Fehlbewertung der Währungen beruht. Das sollte auf G20-Ebene angegangen werden und zwar so, dass die Weltbank oder der IWF für jedes Land einen festen Wechselkurs verbindlich vorgibt und diesen ständig anpasst und zwar so, dass die Leistungsbilanzen mittelfristig zum Ausgleich kommen.

Geschieht dies nicht, dann sollen sie babbeln so lange sie wollen.

Herr Lui Kators

14.08.2015, 11:21 Uhr

US-Kommentatoren vertreten ausschließlich US-Interessen! Deswegen kann und sollte man das ganze Geschwätz von dort getrost in die Tonne kippen!

Wir erzielen einen Handelsüberschuss, weil wir schmerzhafte Reformen hinter uns haben, weil wir exzellente Produkte und Dienstleistungen liefern und weil uns die Welt das alles deshalb aus den Händen reißt!

Die meisten anderen leben dumm und faul von der Substanz - ihr Problem.

Und erst am Ende des Tages, wenn die Rechnungen für den CDUCSUFDPSPDGünen-Euro(pa)-Murks auf dem Tisch liegen, werden die Deutschen erkennen, auf welch dreckige Art sie von den Faulenzern dieser Welt betrogen und von ihrer eigenen Politikerkaste verraten worden sind!

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