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29.02.2012

20:20 Uhr

US-Konjunktur

Bernanke macht den Spielverderber

VonNils Rüdel

Weniger Arbeitslose, stärkeres Wachstum - doch Fed-Chef Ben Bernanke warnt. Er sieht die US-Konjunktur immer noch in einer schwierigen Lage. Und Europas Politikern gibt er auch gleich noch einen mit.

US-Notenbankpräsident Ben Bernanke im US-Kongress. Reuters, Sascha Rheker

US-Notenbankpräsident Ben Bernanke im US-Kongress.

WashingtonTrotz Hoffnungszeichen auf dem Jobmarkt sieht die US-Notenbank Fed noch keinen Grund für Entwarnung. Die Arbeitslosigkeit sei zwar im vergangenen Jahr schneller gesunken als erwartet, doch die Lage sei weiterhin „weit von der Normalität“ entfernt, sagte Fed-Chef Ben Bernanke am Mittwoch vor dem US-Kongress. Die Langzeitarbeitslosigkeit liege fast auf Rekordniveau, die Zahl der Teilzeitjobber sei hoch.

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Die amerikanische Wirtschaft hat Ende des vergangenen Jahres kräftig Fahrt aufgenommen und legte um drei Prozent zu. Experten sind jedoch skeptisch, ob derart hohe Wachstumsraten von Dauer sind.

Für eine deutliche Besserung sei ein stärkeres Wachstum nötig, so Bernanke am ersten von zwei Tagen der halbjährlichen Anhörung. Dies sei „ungleichmäßig und im historischen Vergleich moderat“, angesichts eines noch immer schwächelnden Häusermarktes, des eingeschränkten Zugangs vieler Haushalte zu Krediten sowie Risiken durch die Finanzkrise in Europa. Vor allem die Konsumnachfrage und die Industrieproduktion müssten deshalb zulegen. Die Fed erwarte, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr moderat wächst, „in etwa in dem Tempo wie im zweiten Halbjahr 2011 oder leicht darüber.“

Im Januar und Anfang Februar habe sich die Industrie in den gesamten USA positiv entwickelt, hieß es im am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbericht (Beige Book) der Fed. Dies sei unter anderem auf Neueinstellungen
zurückzuführen. Die Verbraucherausgaben hätten zugenommen. Der Ausblick für die nahe Zukunft sei moderat optimistisch. Auch das Umfeld für die Banken habe sich im allgemeinen verbessert.

Zumindest vorübergehend müssten die US-Konsumenten aber mit einer höheren Inflation rechnen, sagte Bernanke. Die gestiegenen Ölpreise verteuerten das Benzin und ließen den Amerikanern weniger Geld für andere Produkte. Die Fed werde die Energiemärkte „sorgfältig beobachten“, so der Notenbanker. Langfristig habe man die Teuerungsrate aber im Griff.

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Bernanke die Konjunkturmaßnahmen der Notenbank als angemessen, schließlich sei es deren Ziel, Vollbeschäftigung und Preisstabilität zu erreichen. Es gebe deshalb keinen Grund, bis 2014 von der Nullzinspolitik abzurücken, sagte Bernanke. Zusätzliche Maßnahmen, etwa ein drittes Programm zum Kauf von Staatsanleihen (Quantitative Ease), kündigte er nicht an.

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