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03.10.2013

14:29 Uhr

US-Krankenversicherung

Ansturm auf „Obamacare“

Die Mehrheit der Amerikaner soll endlich eine passende Krankenversicherung bekommen. Die eigens geschaffene Online-Gesundheitsbörse war am ersten Tag wegen großer Nachfrage völlig überlastet.

US-Präsident Barack Obama hält an seinem Prestigeprojekt fest. ap

US-Präsident Barack Obama hält an seinem Prestigeprojekt fest.

WashingtonAls „historischen Tag“ bezeichnete US-Präsident Barack Obama den 1. Oktober. Denn als am Dienstag ein Kernstück seiner Gesundheitsreform in Kraft trat, sollten Millionen Amerikaner in eigens geschaffenen Gesundheitsbörsen im Internet nach einer passenden Krankenversicherung suchen können. Das Ziel: 95 Prozent der 310 Millionen Amerikaner sollen durch „Obamacare“ abgesichert werden. Die Reform ist zudem ein Knackpunkt im laufenden US-Etatstreit.

Für unzählige Menschen begann der „historische Tag“ allerdings erst einmal mit Fehlermeldungen. Denn die über Jahre entwickelte Internetseite „HealthCare.gov“ hielt dem gewaltigen Ansturm am Dienstag kaum stand. 2,8 Millionen Mal wurde die Seite innerhalb der ersten 16 Stunden besucht. 81.000 Menschen riefen die kostenlose Hotline an, berichtete das US-Gesundheitsministerium. Nur äußerst schleppend luden die Seiten wegen der großen Nachfrage, meldeten US-Medien übereinstimmend. In Kalifornien brauchte ein Mann drei Stunden, um sich anzumelden, berichtete die „Washington Post“.

Kernpunkte von Obamas Gesundheitsreform

Unversicherte in die Krankenversicherung holen

Rund 32 Millionen Menschen, die bisher unversichert waren, sollen eine Krankenversicherung erhalten. Am Ende sollen 95 Prozent der rund 310 Millionen Amerikaner versichert sein. Vor der Reform waren es 83 Prozent.

Grundversorgung

Eine Grundversicherung soll für die allermeisten Amerikaner zur Pflicht werden. Wer sich eine leisten kann, aber keine will, muss von 2014 an mit Geldstrafen rechnen. Firmen wird zwar nicht direkt vorgeschrieben, Mitarbeiter zu versichern. Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten werden aber zur Kasse gebeten, wenn Mitarbeiter staatliche Zuschüsse für ihre Versicherung kassieren.

Keine gesetzlichen Kassen

Eine staatliche Krankenkasse, wie sie linke Demokraten gefordert hatten, ist nicht vorgesehen. Stattdessen sollen die Bundesstaaten ab 2014 sogenannte „Gesundheitsbörsen“ einrichten, an der Amerikaner Policen vergleichen und kaufen können.

Keine Aufnahmeverweigerung

Versicherungen dürfen Amerikaner mit existierenden Erkrankungen nicht mehr abweisen. Sie dürfen keine Aufschläge mehr wegen des Geschlechts oder des Gesundheitszustandes von Versicherten verlangen. Bestehende Policen können auch nicht einfach widerrufen werden, wenn ein Versicherter erkrankt oder behindert wird.

Keine Bundesmittel für Abtreibungen

Abtreibungen sollen nicht durch Zuschüsse aus Bundesmitteln mitfinanziert werden, solange nicht das Leben der Mutter in Gefahr ist oder Inzest oder eine Vergewaltigung Ursache der Schwangerschaft ist. Die einzelnen Bundesstaaten können selber entscheiden, ob sie Frauen die Möglichkeit geben, Kosten für Schwangerschaftsabbrüche durch Zusatzversicherungen zu decken.

Obwohl die US-Bürger Umfragen zufolge eher gegen „Obamacare“ sind, scheint sich die Stimmung ein wenig zugunsten der Reform gedreht zu haben. Laut dem Kaiser Health Tracking Poll vom September waren zwar 33 Prozent der Amerikaner für die Reform und 43 Prozent dagegen. Doch ein Großteil der Gegner meint lediglich, dass die Reform in Teilen zu weit oder nicht weit genug geht. Kritiker fürchten, dass die Neuerung zu einer Kostenexplosion führt und Arbeitsplätze vernichtet. Befürworter hoffen dagegen auf Versicherungsschutz für mehr Bürger. Einer Analyse von PricewaterhouseCoopers zufolge werden durch die Reform etwa 30 Millionen Amerikaner zusätzlich versichert.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Kamich

03.10.2013, 15:35 Uhr

Was mich nachdenklich macht ist diese Zwanghaftigkeit, die nun auch in den USA um sich greift. Es ist sicherlich eine Wohltat, wenn Menschen, die sich eine Krankenversicherung nicht leisten können, durch staatliche Hilfen in den Genuss einer solchen Leistung kommen. Aber was bitte soll der Zwang, unter Androhung von Strafen, wenn überzeugte Bürger keine Krankenversicherung wollen, obwohl sie es sich leisten können ? Es gibt derart viele Motive, weshalb Menschen nicht mit der Masse gehen wollen, eigenen Gedanken oder auch Ideologien oder reliogiösen Überzeugungen folgend.
Ich sehe hier schon die Freiheit des Individuums gefährdet. Solange man keine Mitmenschen schädigt oder unmündigen Kindern ihre Rechte und Chancen beschneidet ... sollte man beim Zwang sehr vorsichtig sein. Was sollte denn als nächstes kommen ? Etwa eine Zwangs-Haftpflichtversicherung, weil man unabsichtliche Schäden an Dritten nie ausschliessen kann ? Schliesslich könnte man die Menschen gesetzlich vor ihrer eigenen Dummheit beschützen wollen - die Diktatur aus humanitären Gründen wäre nicht mehr weit. Ich hoffe darauf, dass sich der Respekt vor dem Andersdenkenden noch durchsetzen lässt.

Westfale

03.10.2013, 17:18 Uhr

Es ist für Mitteleuropäer schwert zu verstehen, dass es in den USA überhaupt so lange gedauert hat, bis jeder Amerikaner, jede Amerikanerin in ein Gesundheitssystem einzahlen und alle Menschen in den USA im Krankheitsfall abgesichert sind.

Es ist für ein zivilisiertes Land doch eine Selbstverständlichkeit, dass ALLE Bürger und Bürgerinnen einerseits im Krankheitsfall angemessen behandelt werden und anderenfalls bei Krankheit oder einem Unfall nicht der Allgemeinheit auf der Tasche liegen.

Die Abgeordeneten der Tea-Party werden mit ihrem nicht nachvollziehbaren Versuch, Obamacare scheitern zu lassen, wieder einmal selbst scheitern und der republikanischen Partei weiteren Schaden zufügen. Wenn die Republikaner die Randgruppe der Tea-Party-Bewegung nicht langsam in den Griff bekommt, stellen die Demokraten noch auf Jahrzehnte hin den Präsidenten (oder die Präsidentin).

Treudoof

03.10.2013, 21:36 Uhr

Mag gut sein oder sich als Übel erweisen, die Zeit wird es zeigen was Obamacare bringt.

Was die Zeit bereits zeigte ist die Qualität dieser "Tea Party nebst Unterstützern":
Ein paar Jahre zurück, bis zu dem von den konservativen Senatoren "angeschobenen" Einfall der UDSSR in Afghanistan!
Ergebnis: China und Russland plötzlich als mächtige, erzkapitalistische Konkurrenten in einer nun globalisierten Welt. Extremer Wohlstandsverlust für den gesamten "Westen".
Also aus Sicht eines bisherigen Arbeiters der westlichen Welt: Komplett verblödet, politische Weltanschauung durchgesetzt, Wohlstand vernichtet.
Selten dämliche Politiker diese "Konservative Tea Party von damals".
Und nun? Zuverlässige, Schach spielende, kluge Feinde gegen unberechenbare Fanatiker getauscht, die früher oder so über nuklear verpuffende "Dreckschleudern" verfügen werden. Mit Guatamo auch noch unangenehm aufgefallen.
Und Syrien? Sämtliche Atom und sonstigen Waffen helfen nicht.
Das sind die bisherigen "Zeugnisse " dieser Tea Party.
Gehen Sie sich mal mit dieser "Vorzeige Nummer" irgendwo bewerben.
Wie machen Sie das denen noch irgendwas zu glauben?
Ach ja, wir vergessen schnell und ignorieren fleißig, ja?
Immerhin, kein Atomkrieg , bisher.

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