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15.06.2015

08:27 Uhr

US-Luftangriff in Libyen

Islamistenführer Belmokhtar getötet

Einer der meistgesuchten Islamisten-Anführer Nordafrikas soll bei einem Luftangriff des US-Militärs getötet worden sein. Mokhtar Belmokhtar gilt als verantwortlich für mehrere Geiselnahmen und Anschläge in Afrika.

Bei Luftangriff

US-Militär tötet Islamisten-Führer Belmokhtar

Bei Luftangriff: US-Militär tötet Islamisten-Führer Belmokhtar

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Tripolis/WashingtonEiner der meistgesuchten Top-Terroristen soll bei einem US-Luftangriff in Libyen getötet worden sein. Der Islamisten-Anführer Mokhtar Belmokhtar (43) sei bei einer Kommandoaktion im Osten des Landes ums Leben gekommen, berichtete der arabische Sender Al-Dschasira am Montag unter Berufung auf die international anerkannte libysche Regierung in Tobruk. Belmokhtar galt als einer der wichtigsten Anführer der Terrorgruppe Al-Kaida im islamischen Maghreb (Aqmi).

Das US-Verteidigungsministerium hat den Tod nicht bestätigt, sondern lediglich die Kommandoaktion. Belmokhtar – in der Vergangenheit schon mehrmals für tot erklärt – war bisher immer wieder aufgetaucht. Der 43-jährige gebürtige Algerier war unter anderem für die Geiselnahme in einer Gasförderanlage in Südalgerien im Jahr 2013 mit mindestens 35 Toten verantwortlich.

Das US-Militär in Washington bestätigte bislang lediglich, dass der Luftangriff in Libyen Belmokhtar gegolten habe. Dieser stelle eine ständige Gefahr für US-Bürger dar, teilte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums in Washington am Sonntag mit. Er äußerte sich zunächst nicht dazu, ob Belmokhtar bei dem Einsatz in der Nacht auf Sonntag getötet wurde. Die USA hatten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) auf ihn ausgesetzt.

Milizen in Libyen: Machtkampf unter Revolutionären

Sechs Millionen Libyer bewaffnet

Libyen steht drei Jahre nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi am Rande eines Bürgerkriegs. Wegen eskalierender Kämpfe verfeindeter Milizen verlassen immer mehr Ausländer das Land, auch einige Botschaften schließen. Die Lage ist hochgefährlich: Denn nach Einschätzung der International Crisis Group sind 125 000 der sechs Millionen Libyer bewaffnet.

Libysche Armee

Sie gehört zu den wichtigsten bewaffneten Gruppen in Libyen: Die offiziellen Streitkräfte mit etwa 35 000 Soldaten sind angesichts der bewaffneten Übermacht an Milizen nicht sehr effektiv. Viele dürften inzwischen aber auch auf der Seite von Kampfbrigaden stehen. Denn in der Vergangenheit hat die Armee stets auf die Hilfe von Milizen gesetzt. Viele Soldaten, die unter Gaddafi dienten, sind nicht mehr in den regulären Truppen aktiv.

Al-Saika

Die Eliteeinheit besteht aus bis zu 5000 paramilitärischen Kämpfern. Sie untersteht eigentlich dem Verteidigungsministerium, kämpft aber gemeinsam mit dem abtrünnigen Generalmajor Chalifa Haftar bei der Militärkampagne „Operation Würde“ ohne Befehl aus Tripolis im Osten des Landes gegen islamistische Gruppierungen. Das neu gegründete Militärbündnis aus abtrünnigen Soldaten nennt sich „Nationale Armee“.

Misrata-Brigaden

Der mächtigen Organisation gehören mehr als 230 Milizen mit 40 000 Kämpfern an. In der Stadt Misrata wurde einst der tote Machthaber Muammar al-Gaddafi in einem Kühlhaus zur Schau gestellt, bevor er in der Wüste begraben wurde. Milizen der Stadt sehen sich als Schutzmacht gegen Kräfte des alten Regimes. Sie sind derzeit in die heftigen Kämpfe am internationalen Flughafen Tripolis verwickelt.

Libyens Schutzschild

Der Miliz gehören bewaffnete Brigaden im Osten, Westen, Zentrum und Süden Libyens an – hier gibt es große Überschneidungen mit den Misrata-Brigaden. Die Gruppe wurde 2012 gegründet, um ehemalige Revolutionsgruppen einzubinden, die gegen Gaddafi gekämpft hatten. Die Brigaden mit 6000 bis 12 000 Mitgliedern stehen der islamistischen Muslimbruderschaft nahe; ihre Milizen arbeiteten zeitweise mit dem Verteidigungsministerium in Tripolis zusammen.

Operationszentrum der Revolutionäre in Libyen

Die zwischen 200 und 350 Mann starke Kampfbrigade wurde Anfang 2013 ursprünglich zum Schutz der Hauptstadt Tripolis gegründet und unterstand dem Parlamentspräsidenten. Doch dann beteiligten sich bewaffnete Mitglieder der Gruppierung an der Entführung des Ministerpräsidenten Ali Seidan. Das Operationszentrum wurde daraufhin dem Verteidigungsministerium unterstellt. Auch diese Gruppierung ist an den aktuellen Kämpfen in der Hauptstadt beteiligt.

Revolutionsbrigaden aus Al-Sintan

Mächtige Stammesmilizen kommen aus der Stadt Al-Sintan. Dort haben die Al-Kakaa-Brigade mit 18 000 Kämpfern und Al-Sawaig mit rund 2000 Kämpfern ihre Stützpunkte. International bekannt ist Al-Sintan, weil dort Gaddafis Sohn Saif al-Islam gefangen gehalten wird. Misrata und Al-Sintan rivalisieren um die Macht in Libyen. Milizen beider Städte führen derzeit eine Art Stellvertreterkrieg um den internationalen Flughafen in Tripolis.

Wächter der Erdöl-Einrichtungen

Die Brigade wurde einst vom Verteidigungsministerium bezahlt. Allerdings machten sich die Kämpfer unter Ibrahim Dschadhran selbstständig. Sie blockieren wichtige Ölverladehäfen und fordern die Autonomie Ostlibyens. Die Separatisten sollen mindestens 17 000 Kämpfer unter ihrem Kommando haben.

Ansar al-Sharia

Schätzungen über die Zahl der Mitglieder reichen von wenigen Hundert bis zu 5000. Die Salafisten der radikalsten islamischen Gruppe wollen einen Gottesstaat errichten. Die USA haben sie auf die Terrorliste gesetzt. Sie sollen an dem Angriff auf das US-Konsulat beteiligt gewesen sein, bei dem im September 2012 der Botschafter starb. Ansar al-Scharia kämpft im östlichen Bengasi gegen Truppen und Verbündete von Generalmajor Chalifa Haftar.

Märtyrer des 17. Februar

Die Islamistenmiliz aus Bengasi soll bis zu 3500 Kämpfer umfassen. Sie steht auf der Gehaltsliste des Verteidigungsministeriums.

Die Ergebnisse des Luftangriffs würden noch weiter ausgewertet, gab Pentagon-Sprecher Steve Warren an. Zunächst hatte er nur mitgeteilt, dass die US-Armee einen Angriff auf ein „terroristisches“ Ziel mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida geflogen habe.

„Die libysche Regierung im Osten des Landes bestätigte, dass US-Kampfflugzeuge bei einer Mission Luftangriffe geflogen haben, die zum Tod des Terroristen Belmokhtar geführt haben“, hieß es hingegen am Montag bei Al-Dschasira. Belmokhtar wird für einige Anschläge und Geiselnahmen in Afrika verantwortlich gemacht. Er hat Beziehungen zum Extremistennetzwerk Al-Kaida und kämpfte in den 1990er Jahren in Afghanistan sowie später in zahlreichen afrikanischen Ländern.

Er ist einer der meistgesuchten Islamisten Nordafrikas und zeichnete unter anderem verantwortlich für die Geiselnahme zahlreicher Ausländer mit Dutzenden Toten in einer Gasförderanlage im Süden Algeriens im Jahr 2013 und auf Anschläge auf französische Soldaten in Mali. Der einäugige Al-Kaida-Veteran war Anführer der Organisation Al-Murabitun. Diese war vor wenigen Jahren aus dem Zusammenschluss zweier nordafrikanischer Dschihadistengruppen hervorgegangen.

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Mehrere ausländische Arbeiter sind bei einem Angriff auf ein Ölfeld in Libyen von IS-Kämpfern entführt worden. Die Vermissten stammen aus Österreich, Tschechien, den Philippinen, Bangladesch und dem Sudan.

Belmokhtar soll seine terroristische Aktivitäten zum Teil durch Zigarettenschmuggel finanziert haben. Er habe unter anderem den Spitznamen „Mr Marlboro“ gehabt, berichtete Al-Dschasira.

In Libyen gibt es vier Jahre nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 zwei rivalisierende Regierungen und zahlreiche Milizen. Der Machtkampf der zwei Regierungen und zwei Parlamente droht das Land zu spalten. Eine islamistische Regierung herrscht von Tripolis aus. Die international anerkannte Regierung floh nach Tobruk und agiert vom Osten aus, seit sie im August die Kontrolle über die Hauptstadt Tripolis und den Westen Libyens verlor.

Die instabile Lage in Libyen wird von Dschihadisten ausgenutzt. So sind auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und das Terrornetzwerk Al-Kaida in dem Land aktiv.

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