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17.02.2017

14:25 Uhr

US-Medien zu Trumps Pressekonferenz

„Ein unglaublicher Moment“

VonSebastian Moritz

In seiner denkwürdigen Pressekonferenz hat Donald Trump zu einem Rundumschlag gegen die US-Medien ausgeholt. Die sind sich ungewöhnlich einig – und schlagen zurück. Die Reaktionen.

Donald Trump stellte sich den Fragen der Journalisten. Antworten gab es jedoch nur auf die Fragen, die ihm gefielen. AP

Pressekonferenz im Weißen Haus

Donald Trump stellte sich den Fragen der Journalisten. Antworten gab es jedoch nur auf die Fragen, die ihm gefielen.

WashingtonDonald Trump hat eine Vision. Eine Vision von sich selbst. Er ist der Mann, der die Situation, der sein Land und – wenn es nach ihm geht – vermutlich auch die ganze Welt im Griff hat. Doch Donald Trump hat auch ein Problem: Immer weniger Menschen glauben ihm das. Laut einer Umfrage von Gallup sind mittlerweile 55 Prozent der Amerikaner mit der Arbeit ihres Präsidenten unzufrieden. Und die US-amerikanischen Medien sind sich nach der jüngsten Pressekonferenz des Präsidenten ungewöhnlich einig: Dieser Mann lebt in einer Parallelwelt. Und: Er ist zurück in seinen polternden Wahlkampfmodus verfallen.

„Ein unglaublicher Moment in der jüngeren politischen Geschichte Amerikas“, berichtete etwa CNN nach der Pressekonferenz. Trump habe sich über Umfrageergebnisse, Hillary Clintons Wahlergebnis und Einschaltquoten ereifert. Das sei genau der Stil, mit dem er auch im Wahlkampf gepunktet habe. Ähnlich bewertet die Washington Post die Situation: Trump habe seinen Anhängern zeigen wollen, wer der Boss sei.

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Am heftigsten in der Kritik bei Trumps 77-minütigen Rundumschlags standen die Medien: Er, der US-Präsident, habe in den vergangenen vier Woche alles richtig gemacht. Seine Regierung laufe „wie eine gut eingestellte Maschine.“ Das einzige Problem sei, dass niemand darüber berichte. Hinter dem Angriff auf die Medien steckt nach Einschätzung der New York Times eine klare Strategie.

Die Angriffe auf Journalisten seien „die perfekte Ablenkung von den tatsächlichen Vorkommnissen, die gerade in der Regierung lodern“. Gemeint sind der Rückzug des potentiellen Arbeitsministers Puzder, das Aus des Sicherheitsberaters Flynn und das zumindest vorläufig gestoppte Einreiseverbot für sieben überwiegend muslimisch geprägte Länder. Und die Zeitung meint, dass Trump mit weiterem Gegenwind rechnen muss. Die Macht der Neugier sei groß, gerade dann, wenn sich ein Präsident zum alleinigen Besitzer der Wahrheit erkläre.

Besonders sein Umgang mit einer schwarzen Journalistin während der Pressekonferenz erhitzt die Gemüter. April Ryan vom Radiosender American Urban Radio Networks fragte Trump, ob er mit einer Vereinigung zusammen arbeiten wolle, die afroamerikanische Kongressabgeordnete repräsentiert. Der Präsident antwortete mit einer Gegenfrage: „Ich sage Ihnen was, wollen Sie nicht das Treffen aufsetzen?“, so Trump. „Wollen Sie das Treffen aufsetzen?“, wiederholte er. Und: „Sind das Freunde von Ihnen?“ Ryans Reaktion folgte später auf Twitter: Sie sei eine Journalistin, keine Veranstalterin. „Aber danke, dass Sie meine Frage beantwortet haben.“

Die sei der „Tiefpunkt“ der Pressekonferenz, meint das Nachrichtenportal Vox.com. „Er definiert eine ganze Gruppe von Menschen nicht nur ihrem kleinsten gemeinsamen Nenner entsprechend, es ist auch schlichtweg entmenschlichend, Individuen nur als Teil einer Gruppe zu behandeln.“

Selbst der eher Trump-freundliche TV-Sender FOX News bezieht klar Stellung gegen Trump. „Es ist verrückt, was wir da jeden Tag sehen, komplett verrückt“, kommentierte Moderator Shepard Smith. Trump wiederhole absurde und unwahre Aussagen. Kritischen Fragen zum Thema Russland weiche Trump jedoch aus. „Und wir sind die Trottel, weil wir diese Fragen stellen? Nein, Sir“, wandte Shepard an Trump. „Wir sind keine Trottel, weil wir diese Fragen stellen. Wir fordern Antworten! Sie schulden sie dem amerikanischen Volk!“

Eigentlicher Anlass von Trumps erster Pressekonferenz als Präsident war sein neuer Kandidat für das Amt des Arbeitsministers. Trump stellte den Dekan der juristischen Fakultät der Internationalen Universität von Florida, R. Alexander Acosta, als künftigen Ressortchef vor. Für die meisten US-Medien war das im Nachhinein jedoch eher eine Randnotiz.

Kommentare (2)

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Herr Tomas Maidan

17.02.2017, 15:43 Uhr

Sogar für Fox-News ist das zu blöde. Jetzt jubelt wohl wiklich nur noch Russia-TV über Trump.

(Und natürlich unser guter Herr Hoffmann. Den wollen wir nicht vergessen!)

Herr Toni Ebert

17.02.2017, 16:16 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
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