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15.07.2013

13:52 Uhr

US-Notenbank

Bondkaufredkution kommt für Europa ungelegen

Für die USA genau richtig – für Europa ein Problem: So schätzt UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber die angekündigte Taktik der US-Notenbank ein. Womöglich wird der Kurswechsel Europa zu mehr Entschlossenheit zwingen.

Axel Weber nimmt Stellung zum angekündigten Kurswechsel der US-Notenbank. AFP

Axel Weber nimmt Stellung zum angekündigten Kurswechsel der US-Notenbank.

WyomingDie von der US-Notenbank geplante Reduzierung der Anleihekäufe wird nach Einschätzung von Axel Weber, Verwaltungsratschef der UBS AG und ehemaliges EZB- Ratsmitglied, negative Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben. „Die Fed tut für die Vereinigten Staaten das Richtige”, sagte Weber, der bis 2011 Präsident der Bundesbank war, am 12. Juli in einem Interview von Bloomberg TV auf dem Rocky Mountain Wirtschaftsgipfel im US-Bundesstaat Wyoming. „Das ist ihr Mandat.” Aber es sei unumstritten, dass es durch Transaktionen und Arbitrage zu Austrahlungseffekten auf andere Gebiete kommen könne, erklärte Weber. „Das kommt für Europa zu einem ungünstigen Zeitpunkt.”

Die US-Notenbank wird unter Umständen noch in diesem Jahr damit anfangen, das Volumen ihrer Bondkäufe zu reduzieren, hatte Fed-Chairman Ben S. Bernanke am 19. Juni gesagt und einen möglichen Abschluss des Kaufprogramms für Mitte 2014 in Aussicht gestellt. EZB-Präsident Mario Draghi sicherte am 4. Juli hingegen zu, die Leitzinsen im Euroraum für einen längeren Zeitraum niedrig zu belassen und die akkommodierende Geldpolitik so lange wie nötig fortzusetzen.

„Die Normalisierung der Geldpolitik in den USA, die bevorsteht und auf der Agenda der Fed steht, wird Europa ganz klar beeinflussen”, erklärte Weber. „Es gibt eine starke Korrelation zwischen der Rendite zehnjähriger Treasuries und den Renditen der europäischen Staatsanleihen in demselben Laufzeitbereich.”

Handelskonflikte zwischen Staaten

2012

Im November wird offiziell ein Schlussstrich unter einen fast 20 Jahre andauernden Streit über Einfuhrzölle der EU für Bananen aus Lateinamerika gezogen: In der EU werden Einfuhrzölle auf die Früchte aus den Ländern Lateinamerikas nun schrittweise gesenkt – von 148 Euro je Tonne (2009) über aktuell 132 Euro je Tonne bis auf 114 Euro im Jahr 2017. In dem „Bananenkrieg“ mischten auch die USA mit, weil einige der wichtigsten Exporteure US-Konzerne sind. Die USA übten in diesem Streit Druck auf die EU aus: Sie verhängten 1999 Strafzölle von 100 Prozent auf bestimmte europäische Produkte.

2011

China belegt in den USA produzierte Autos mit Strafzöllen. Die Abgaben sollen für zwei Jahre gelten. Nach chinesischen Angaben sind Klagen von Autoherstellern über die US-Konkurrenz Auslöser gewesen. Auf der anderen Seite heißt es, die im Dezember angekündigten Abgaben dürften unter anderem Vergeltung für amerikanische Strafzölle auf chinesische Reifenimporte sein.

2002

Der von den USA ausgelöste Handelskonflikt um Stahl eskaliert weiter. Die EU erlässt im März Importbeschränkungen mit Schutzzöllen von bis zu 26 Prozent. Zuvor haben die USA für drei Jahre Schutzzölle von maximal 30 Prozent auf bestimmte Stahlprodukte beschlossen. Die EU hat rund 15 Millionen Jahres-Tonnen Stahl im Visier, die aus Drittstaaten wie Japan oder China für die USA vorgesehen waren – und nun wegen der Schutzzölle dort nach Europa gelangen könnten.

Der Kurswechsel bei der Federal Reserve könnte nach Auffassung von Weber die Entscheidungsträger in Europa dazu zwingen entschlossener zu handeln. „Wenn es durch die Schritte in den USA de facto eine Straffung gibt, müssen die Politikverantwortlichen weitere Reformen durchführen und noch härter daran arbeiten, wieder Dynamik zu erzeugen, als wenn die Geldpolitik in den USA unverändert bleiben würde”, sagte der UBS-Verwaltungsratspräsident. Dies liegt Weber zufolge in der Hand der Regierungen, und nicht der EZB. „Die Geldpolitik hat die Grenze ihrer Möglichkeiten erreicht”, sagte er, denn mit Leitzinsen nahe Null hätte eine weitere Zinssenkung durch die EZB nur „marginale” Auswirkungen. „Die Haushaltspolitik ist wahrscheinlich auch an ihre Grenze gestoßen, und darum denke ich, dass Europa nun wirklich jene Wachstumsagenden umsetzen muss.”

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.07.2013, 15:14 Uhr

ich bin immer noch am grübeln, was eine "redkution" sein mag....

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