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29.01.2015

06:39 Uhr

US-Notenbank

Historisch niedriger Leitzins der Fed bleibt

Die Fed bewegt sich nicht. An dem Leitzins von knapp über null Prozent will die amerikanische Notenbank zunächst festhalten. Auch nach der ersten Sitzung im neuen Jahr gab es noch keine Hinweise auf eine Zinserhöhung.

Die US-Notenbank Fed in Washington hält an dem historisch niedrigen US-Leitzins fest. dpa

Die US-Notenbank Fed in Washington hält an dem historisch niedrigen US-Leitzins fest.

WashingtonTrotz brummender Wirtschaft hat es die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit einer Zinserhöhung nicht eilig. Sie will die Normalisierung der Geldpolitik „geduldig“ angehen, wie die Notenbank nach ihrer Zinssitzung am Mittwoch betonte. Die Zentralbanker um Fed-Chefin Janet Yellen halten den Leitzins bereits seit Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. An den Märkten wird frühestens für die Jahresmitte mit der Zinswende gerechnet.

„Es kam nichts Überraschendes von der Fed. Alles ist sehr ausgewogen“, meint Fed-Beobachter Vassili Serebriakov von BNP Paribas. Die Wall Street gab ihre Gewinne nach dem Zinsentscheid ab, der im Offenmarktausschuss der Fed einstimmig ausfiel. Mit dem nahenden Ende der Nullzinspolitik wird damit den New Yorker Börsen ein wichtiger Impulsgeber fehlen, der die Märkte jahrelang befeuert hat. Die Fed blickt etwas optimistischer auf die Konjunktur als im Dezember. Sie spricht nun davon, dass die Wirtschaft „in solidem Tempo“ zulege. Im Dezember hatte die Notenbank nur einen „moderaten“ Fortschritt festgestellt. Für die am Freitag anstehenden Daten zum Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal 2014 erwarten Experten ein Plus von aufs Jahr hochgerechnet 3,0 Prozent. Im Sommer waren es noch 5,0 Prozent – der höchste Wert seit elf Jahren.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Trotz des Aufschwungs macht der Fed die niedrige Inflation zu schaffen. Im Sog der niedrigen Energiekosten steigen die Preise weit langsamer als der Notenbank lieb ist. Sie strebt einen Wert von 2,0 Prozent an, im Dezember stiegen die Preise zum Vorjahr jedoch nur um 0,8 Prozent. Die Fed erwartet, dass die Inflationsrate noch weiter sinken wird. Mittelfristig sollen die Preise aber wieder anziehen. Wegen des anhaltenden Aufschwungs kommt die Fed ihrem Ziel Vollbeschäftigung zugleich immer näher. Sie spricht von „starkem Stellenzuwachs“. 2014 sind so viele Arbeitsplätze entstanden wie seit 15 Jahren nicht mehr: rund drei Millionen Jobs.

Die Fed will bei ihren geldpolitischen Entscheidungen auch „Finanz- und internationale Entwicklungen“ berücksichtigen. „Den Dollar erwähnt sie aber nicht und auch keine internationalen Risiken“, sagt Ökonom John Silva von der US-Großbank Wells Fargo. In der Euro-Zone hatten fallende Preise die Europäische Zentralbank (EZB) zur Ankündigung einer beispiellosen Geldflut ab März veranlasst. Mit Anleihekäufen im Volumen von mehr als einer Billion Euro soll bis zum Herbst 2016 die Inflation angeheizt werden.

Dahinter steht die Furcht, dass die Preise ohne die Geldspritze auf breiter Front fallen könnten und die Währungsunion in eine Spirale aus Kaufzurückhaltung und nachlassenden Investitionen rutschen könnten. Diese Gefahr ist in den USA zwar nicht akut, doch dürfte die Fed die EZB-Geldpolitik genau im Auge halten. Denn durch die Geldflut in der Euro-Zone wird der Dollar stärker. Falls die US-Notenbank ihrerseits die Zinsen erhöht, dürfte die US-Währung noch stärker aufwerten. Damit würden US-Produkte im Ausland teurer und Exporteure hätten am Weltmarkt einen schwereren Stand.

Von

dpa

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