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27.04.2011

18:36 Uhr

US-Notenbank

Zwischen allen Stühlen

VonUlrich Kater

Sie ist ein Machtinstrument politischer Interessen und gleichzeitig das Zentralgestirn des weltweit größten Kapitalmarktes. In einem Gastbeitrag beschreibt der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater, die ambivalente Rolle der Fed.

Ulrich Kater schreibt als Gastautor über die Fed. Quelle: PR

Ulrich Kater schreibt als Gastautor über die Fed.

FrankfurtZentralgestirn des größten Kapitalmarktes der Welt im Mutterland des Kapitalismus, Emittent der einzigen Reservewährung und damit Rückgrat des Weltfinanzsystems. So glanzvoll kann man die Fed beschreiben, aber auch so: Spielball mächtiger politischer Interessen zwischen Big-Government-Befürwortern und libertären Marktwirtschaftlern, ächzend unter ihrem widersprüchlichen gesetzlichen Auftrag, für Preisstabilität und Vollbeschäftigung zugleich zu sorgen sowie Opfer ihrer eigenen Geldpolitik in den letzten 20 Jahren, in denen sie mittels niedriger Zinsen Krisengeister rief, die sie nun nicht wieder los wird.

Sie unterlag stets gewichtigen politischen Einflüssen, die in der Inflationsgeschichte der USA ihre Spuren hinterlassen haben, insbesondere seit Beginn der siebziger Jahre, seitdem das Experiment der freien Papierwährungen läuft: als willfähriger Finanzierer von Staatsschulden für Militärausgaben in den sechziger Jahren, als eigenständiger Stabilitätsmotor unter ihrem Präsidenten Volcker in den achtziger Jahren, nachdem die US-Wirtschaft auf die schiefe Bahn der Inflation gekommen war, und schließlich als vermeintlicher Verursacher des großen Kreditzyklus seit Beginn der neunziger Jahren, der der Wirtschaft einen Jahrhundert-Boom bescherte, aber eben auch die Jahrhundertkrise.

Dabei spiegelte sie jeweils die herrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Theorien wider, die nirgendwo einen stärkeren Einfluss auf die Realität haben wie im Zentralbankwesen, vom Keynesianismus der sechziger über den Monetarismus der Achtziger bis hin zum Neo- oder sogar Neukeynesianismus der Neunziger. Bei so viel Einflussnahme und Experimentierfreude fällt das Ergebnis entsprechend unruhig aus. Nachdem die hohen Inflationsraten der siebziger Jahre besiegt waren, wechselten die volatilen Preiswirkungen von der realwirtschaftlichen in die Finanzsphäre: der für die Zeit vor der Finanzkrise geprägte Begriff „Great Moderation“ wirkt da im Nachherein wie Hohn.

In ihrer konkreten Reaktion auf die Finanzkrise unterscheiden sich EZB und Fed gar nicht so sehr voneinander: beide sahen sich urplötzlich in die lender-of-last-resort Funktion zurückversetzt, wegen derer zumindest die Fed eigentlich ja auch gegründet worden war. Unterschiede gibt es eher in der Geldpolitik davor: Hier die Ausrichtung auf ein Ziel der Preisniveaustabilität, dort der Versuch, auch in der realen Welt Dinge mithilfe der Geldpolitik in Bewegung zu bringen. Gelingt der Fed ein Ausgleiten aus der Krise durch ein kontrolliertes Deleveraging, hat sie ein geldpolitisches Meisterstück vollbracht. Endet alles in der nächsten Asset-Bubble, steht sie vielleicht vor größeren Reformen als ab und zu eine Pressekonferenz abzuhalten.

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