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28.01.2010

22:31 Uhr

US-Notenbankchef

Senat gibt grünes Licht für Bernanke

Ben Bernanke bleibt Präsident der US-Notenbank Fed. 70 von 100 Senatoren stimmten trotz scharfer Kritik von Demokraten und Republikanern für eine zweite Amtszeit - das knappste Resultat, das je ein Kandidat erreicht hat. Auf den Notenbankchef warten schwere Aufgaben: Die Fed muss die Milliarden Dollar wieder einsammeln, die sie im Kampf gegen die Krise in den Wirtschaftskreislauf gepumpt hat.

HB WASHINGTON. Der US-Senat gab nach langem politischen Hickhack am Donnerstag grünes Licht für eine zweite Amtszeit Bernankes. Die erste Amtszeit des 56-jährigen endet am Sonntag.

Unmittelbar zuvor hatten sich in einer wichtigen Testabstimmung 77 Senatoren hinter den Zentralbankchef gestellt und damit 17 mehr als notwendig. Bereits im Dezember hatte sich der Bankenausschuss der Kongresskammer mit 16 zu 7 Stimmen für eine weitere Amtszeit Bernankes ausgesprochen.

Wegen der Kritik vieler Senatoren an der Geldpolitik der Fed und ihrem Krisenmanagement waren zuletzt Zweifel an der erneuten Ernennung Bernankes aufgekommen. US-Präsident Barack Obama hatte den Geldpolitikexperten, der seit 2002 bei der Fed ist, bereits vor Monaten für weitere vier Jahre nominiert.

Bernanke, der 2006 noch von Obamas Vorgänger George W. Bush zum Nachfolger des mittlerweile höchst umstrittenen Fed-Chefs Alan Greenspan ernannt worden war, steht vor der Herausforderung die Milliarden Dollar, die die Fed im Kampf gegen die Krise in den Wirtschaftskreislauf gepumpt hat, wieder einzusammeln zu müssen. Zudem muss er zum richtigen Zeitpunkt den eingeschlagenen Nullzinskurs verlassen, wenn er nicht einen Inflationsschub in den kommenden Jahren riskieren will. Hebt die Fed die Zinsen allerdings zu früh wieder an, könnte sie den zarten Aufschwung abwürgen.

Unter der Führung Bernankes drückte die Fed als Reaktion auf die schwerste Finanzkrise seit der Großen Depression vor 80 Jahren nicht nur den Leitzins auf ein historisches Tief von knapp über null Prozent. Die Notenbank pumpte zudem Hunderte Milliarden Dollar in das Finanzsystem, legte zahlreiche Darlehensprogramme auf und versuchte mit allen Mitteln, den Kreditfluss wieder in Gang zu bekommen.

Bernanke steht auch im Zentrum des seit Monaten tobenden Kampfes um die Unabhängigkeit der Fed. Nicht wenige in den USA wollen deren Macht beschränken, weil sie ihres Erachtens durch ihre frühere laxe Geldpolitik mit zur jüngsten Wirtschaftskrise beigetragen hat. Außerdem werfen viele Politiker, aber auch einfache Bürger, Bernanke vor, er habe in der Krise allzu oft die Interessen der Finanzindustrie vertreten, etwa bei der Rettung des Versicherungsgiganten AIG oder beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America.

Wenige Stunden vor den entscheidenden Abstimmungen im Senat hatte sich bereits am Mittwoch der Offenmarktausschuss der Fed demonstrativ hinter Bernanke gestellt und ihn erneut zu seinem Vorsitzenden gewählt. Der Ausschuss entscheidet über die Geldpolitik und den US-Leitzins, die so genannte Fed Funds Target Rate. Das Amt des Offenmarktausschuss-Vorsitzenden und des Fed-Chefs liegen traditionell in einer Hand.

In der Fachwelt ist Bernanke wegen seiner Forschungsarbeit über die Ursachen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre hoch angesehen.

Der Fed-Chef war im Dezember vom angesehenen US- Nachrichtenmagazin "Time" zur "Person des Jahres" 2009 gekürt worden. "Die Rezession war die Story des Jahres. Ohne Ben Bernanke (...) wäre alles viel schlimmer gekommen", hieß es zur Begründung.

Kommentare (1)

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neoliberaler

28.01.2010, 23:55 Uhr

Na dann kann es ja munter weiter gehen mit der Monetarisierung der US-Staatsdefizite.

Macht euch auf was gefasst!

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