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11.07.2016

12:15 Uhr

US-Polizisten reagieren auf Dallas-Attacke

Blau gegen Schwarz

Nach dem Attentat von Dallas spielen US-Polizisten Rassismus in den eigenen Reihen herunter. Ihre Antwort auf die „Black Lives Matter“-Bewegung: Sie drehen den Spieß um – und werfen den Aktivisten selbst Rassismus vor.

Am Samstag hat die Polizei während der Proteste in Baton Rouge den Aktivisten Deray Mckesson (m.) verhaftet, einen der führenden Köpfe der „Black Lives Matter“-Bewegung. AP

„Black Lives Matter“-Aktivist wird festgenommen

Am Samstag hat die Polizei während der Proteste in Baton Rouge den Aktivisten Deray Mckesson (m.) verhaftet, einen der führenden Köpfe der „Black Lives Matter“-Bewegung.

DallasWas ist der gefährlichste Job in den Vereinigten Staaten? Polizist, privater Wachmann, Schusswaffen-Trainer? Weit gefehlt. Die gefährlichsten Jobs der USA haben laut einer Statistik der Behörde für Arbeitsmarktdaten Holzfäller, Fischer, Piloten und Dachdecker. Polizisten sind nicht einmal unter den obersten zehn Plätzen im Ranking derer, die bei der Arbeit statistisch gesehen am wahrscheinlichsten sterben können. Aber seit den tödlichen Schüssen von Dallas dürften sich nicht wenige Polizeibeamte fragen, ob sich ihr Arbeitsrisiko nun exponentiell erhöht hat.

„Sie werden erschossen, erstochen, geschlagen – Karriere beendende Verletzungen. Niemand redet darüber“, klagt Randy Sutton, Polizist aus Las Vegas im Ruhestand, der an der Spitze der Bewegung „Blue Lives Matter“ (Blaue Leben zählen) steht. Das „Blue“ im Namen steht für die Polizeiuniform.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Der Name sei nicht nur Anspielung, sondern ein bewusster Angriff auf die schwarze Bürgerrechtsbewegung „Black Lives Matter“, erläutert Sutton der Deutschen Presse-Agentur. Auf Facebook haben die Polizei-Unterstützer rund 900.000 Likes – und damit fast genauso viele, wie es Polizisten in den USA gibt.

Nach den Morden von Dallas: Neue Gewalt gegen Polizisten in US-Städten

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Nach den Polizistenmorden in Dallas hat es in mehreren US-Städten erneut Angriffe auf die Polizei gegeben. Präsident Obama versucht, das Land zu beruhigen. Doch ein weiterer Alarm in Dallas zeigt, wie schwierig das ist.

Einige der Afroamerikaner, die mit „Black Lives Matter“ nicht weniger bekämpfen wollen als unrechtmäßige Polizeigewalt und tief in der Gesellschaft verankerten Rassismus, fühlen sich verraten. Tiffany Mitchell zum Beispiel, deren Freund unweit des Tatorts von Dallas steht und quer über die Straße mit einem Megafon gegen Staatsanwalt Ken Paxton wettert, der dort gerade ein Interview gibt. „Es ist, als ob sie Huckepack reiten und genau dasselbe machen wollen“, sagt die 31-Jährige. Die Polizei-Bewegung lenke vom eigentlichen Problem ab.

„Es ist mir herzlich egal, ob ‚Black Lives Matter‘ verärgert ist“, sagt Sutton. Er sieht sich als Sprachrohr Zigtausender Polizisten im Land, die ihre Meinung als aktive Beamte nicht frei äußern könnten. „Wenn niemand die Seite des Polizeibeamten erzählt, wirst Du nur die Propaganda hören“, sagt er. „Sie (die Polizisten) dürfen keine Meinungen und öffentlichen Stimmen haben, also bin ich ihre Stimme und ihr Gesicht.“ Der 59-Jährige hat seine Dienstmarke nach einer langen Polizeikarriere, darunter 24 Jahre in Las Vegas, abgegeben.

Kommentare (16)

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11.07.2016, 12:43 Uhr

Ich wäre als Schwarzer lägst nach Afrika ausgewandert, All dieser Rassismus
in den Staaten, nicht auszuhalten.

Herr Fritz Yoski

11.07.2016, 12:46 Uhr

Tatsache ist das in den USA ungefaehr doppelt so viele Weisse wie Schwarze von der Polizei erschossen werden. Nur von den erschossenen Weissen wird nicht oder kaum berichtet.
Aber natuerlich ist die schiesswuetige Polizei in den USA ein Problem, deshalb wird jetzt wohl offensichtlich auch zurueck geschossen.

Herr Hans Mayer

11.07.2016, 13:02 Uhr

Sehr interessant auch das dem Handelsblättchen die Krawalle von Berlin am Wochenende mit über 120 verletzten Polizisten keine Zeile wert sind.
Habt ihr das vergessen? oder sollt ihr nicht über "Linke" Gewaltdemos berichten, liebes Handelsblatt.

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