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08.08.2014

06:52 Uhr

US-Präsident genehmigt Luftangriffe

Zieht Obama in den nächsten Irak-Krieg?

Die USA haben damit begonnen, Hilfsgüter über dem Nordirak abzuwerfen. Dorthin haben sich verfolgte Minderheiten vor den IS-Extremisten geflüchtet. Gegen diese will US-Präsident Obama mit Luftangriffen vorgehen.

Obamas Rolle rückwärts

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Bagdad/WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat lange gezögert. Doch das brutale Vorrücken der IS-Milizen im Irak wird immer bedrohlicher. Jetzt hat Obama Luftangriffe auf IS-Milizen zum Schutz amerikanischer Militärangehöriger und bedrohter Minderheiten im Nordirak genehmigt. IS-Kämpfer waren zuletzt bis auf 30 Autominuten auf Erbil, die Hauptstadt des autonomen Kurdengebietes, vorgerückt.

Zugleich kündigte er in Washington an, die USA hätten mit dem Abwurf von Hilfsgütern begonnen, um die in der Region vor den sunnitischen Extremisten geflüchteten Menschen zu unterstützen. „Diese unschuldigen Familien stehen vor einer schrecklichen Entscheidung: Den Berg hinunter zu steigen und abgeschlachtet zu werden, oder zu bleiben und langsam zu verhungern und zu verdursten“, sagte der Präsident. Nach Angaben des Pentagon warfen Militärflugzeuge erste Ladungen an Lebensmitteln und Wasser ab.

Es gehe um den Schutz religiöser Minderheiten, ein Völkermord müsse verhindert werden, sagte Obama. Das Vorgehen der Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat bezeichnete er als „barbarisch“. Obama betonte aber auch, es würden keine US-Bodentruppen in den Irak geschickt.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Der US-Präsident Obama reagierte mit seiner Ankündigung auf Appelle führender irakischer und kurdischer Politiker, etwas gegen die sich entwickelnde Tragödie zu unternehmen. Es wären die ersten US-Luftangriffe seit dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak Ende 2011. Obama war Anfang 2009 mit dem Versprechen ins Weiße Haus eingezogen, den von seinem Vorgänger George W. Bush begonnenen Militäreinsatz im Irak zu beenden.

Die Kämpfer des Islamischen Staates gelten als noch extremistischer als die Al-Kaida. Für sie sind Christen ebenso wie die Schiiten und Jesiden Ungläubige. In ihrem Herrschaftsgebiet stellten die IS-Kämpfer ihnen die Alternative, zu konvertieren, zu fliehen oder zu sterben.

Mit der Eroberung der Stadt Mossul im Juni hatten sich IS-Milizen in der Region festgesetzt. Zunächst starteten sie den Vormarsch auf Bagdad und bekämpften vor allem Schiiten. Zuletzt rückten die Extremisten aber auch immer weiter in Richtung Norden an die Grenzen der Autonomieregion Kurdistan und damit in christliche sowie jesidische Gebiete vor. Zehntausende sind dort auf der Flucht.

Luftangriffe habe er insbesondere für den Fall autorisiert, dass IS-Kämpfer gegen die Stadt Erbil vorrücken sollten, in der sich auch US-Militärberater befänden, sagte Obama. Luftangriffe seien auch möglich, wenn die Kämpfer gegen die ins Sindschar-Gebirge geflüchteten Jesiden vorgingen. Es werde sich aber um „gezielte Operationen“ handeln. Er nannte keine Einzelheiten.

Kommentare (11)

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Sergio Puntila

08.08.2014, 07:28 Uhr

Ein militärisches Eingreifen der USA in Irak käme fast einem Ritterschlag für die gegenwärtige Regierung in Bagdad gleich.

Herr Michael Bertha

08.08.2014, 07:38 Uhr

Die Amerikaner wurden nicht in den Irak-Krieg hineingezogen, die Amerikaner - und ihre Koalition der Willigen - haben den Irak-Krieg begonnen. Mit dem Sturz Saddam Hussein und ihrer unfähigen Nachkriegspolitik, haben die Amerikaner erst die Voraussetzungen für die heutige Situation geschaffen. Die USA sind daher moralisch verpflichtet die ISIS-Terroristen militärisch auszunichten. Der Kampf gegen die ISIS ist der echte Krieg gegen den Terrorismus. Die Haltung Obamas kann daher nur als moralisches und militärisches Drückebergertum bezeichnet werden.

Herr Günther Schemutat

08.08.2014, 08:23 Uhr

Der Berliner Hofstaat muss sich um Deutsche Isis Kämpfer keine sorgen machen , die Türkei biete den Isis Kämpfern ja Ruhezonen und Waffen an. So gesehen können die Angriffe der USA ins leere laufen. Auch die tapfere Stationierung von BW Soldaten gegen Assad der gegen die Isis kämpft und auch Christen beschützt zeichnet Deutsche Politiker aus. Aber die Türkei ist für Deutsche Politiker vermutlich auch Staatsräson und so kann die ISIS sich auf zwei zuverlässige Partner zählen und erfolgreich Christen und Andersdenkede töten.

In Deutschland haben Politiker mittlerweile von Hamas ,Hisbiollabis, ISIS etc niemand ausgelassen der hier nicht schon lebt und auf seine Chance wartet.

Mal sehen wann die tapferen Kurden die ersten Deutschen Doppelpässe von getöteten Isis Kämpfer in die Kamaras halten .

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