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18.01.2005

07:28 Uhr

US-Präsident hofft auf diplomatische Lösung

Bush: Militäreinsatz gegen Iran denkbar

Ein hartes Dementi aus dem Weißen Haus auf einen Bericht des "New Yorker"-Starreporters Seymour Hersh erfolgte nicht. Jetzt ist klar, warum das so war. US-Präsident George W. Bush schließt einen Militärschlag gegen Iran nicht aus, falls Teheran nicht umfassend über sein Atomprogramms Auskunft gibt.

George W. Bush schließt einen Militäreinsatz gegen Iran nicht aus. Foto: dpa

George W. Bush schließt einen Militäreinsatz gegen Iran nicht aus. Foto: dpa

HB WASHINGTON. Bush sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview des US-Senders NBC, er hofft auf eine diplomatische Lösung des Atomstreits mit Iran, schließe jedoch auch niemals eine andere Option aus. „Ich werde niemals irgendeine Option vom Tisch nehmen“, sagte Bush. Der Interviewer hatte den Präsidenten gefragt, ob er sich gegen eine militärische Aktion gegen Iran ausspreche, wenn Teheran die internationale Gemeinschaft weiterhin über die Existenz eines Atomwaffenprogramms im Unklaren lasse.

Bush betonte in Anspielung auf die Bewertung des irakischen Gefahrenpotenzials vor dem Sturz Saddam Husseins und den deshalb begonnenen Irakkrieg, in letzter Konsequenz würde er zum Schutz seiner Landsleute erneut militärische Macht einsetzen. Er hoffe, dass dies aber nicht nötig sein werde.

Die US-Regierung hatte am Montag einen Bericht der Zeitschrift „New Yorker“ zuurückgewiesen, nach dem geheime US-Kommandos in den vergangenen Monaten mögliche Angriffsziele in Iran ausgespäht hätten. Bush habe die Vorbereitung für neue Kriege angeordnet, berichtete der US-Starreporter Seymour Hersh in der am Montag erschienenen Ausgabe der angesehenen Zeitschrift. Laut US-Regierung ist der Bericht voll mit „erfundenen Behauptungen“. Den Vorwurf, US-Kommandos hätten in Iran operiert, dementierte sie nicht ausdrücklich. Irans Verteidigungsminister Ali Schamchani meinte, die USA würden es nicht wagen, sein Land anzugreifen.

Bush habe die Kontrolle über die US-Geheimdienste und das Verteidigungsministerium übernommen und verfolge mit ihrer Hilfe ein „aggressives und ehrgeiziges Programm gegen Iran und gegen Ziele im Krieg gegen den Terrorismus“, so Hersh. US-Spezialeinheiten hätten versucht, rund drei Dutzend chemische und nukleare Anlagen sowie Raketenabschussbasen in Iran auszuforschen. „Die US-Regierung will verhindern, dass es in Iran noch einmal eine solche Fehleinschätzung von Massenvernichtungswaffen gibt wie im Irak“, sagte er CNN.

Der Journalist, der 2004 mit als erster den Skandal um Gefangenenmisshandlung im irakischen Militärgefängnis Abu Ghoreib aufgedeckt hatte, berief sich bei seinen Angaben auf einen dem Pentagon nahe stehenden Berater. Seit Sommer 2004 stießen US-Teams über die pakistanische Grenze nach Iran vor. Absicht sei es, Ziele für ein mögliches Bombardement zu suchen, um „so viel militärische Infrastruktur wie möglich zu zerstören“.

US-Präsidentenberater Dan Bartlett meinte in einem CNN-Interview, der Beitrag von Hersh sei „voller Ungenauigkeiten“. Er bezweifle, dass die von Hersh gezogenen Schlüsse auf Tatsachen basierten. „Natürlich sehen wir Iran mit Sorge“, sagte Bartlett. Die USA setzten aber auch in der Frage des umstrittenen iranischen Atomprogramms auf Diplomatie sowie die Anstrengungen der Europäer und die Internationale Atomenergiebehörde. Militärisches Vorgehen der USA könne man allerdings nicht grundsätzlich ausschließen.

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