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01.09.2015

15:43 Uhr

US-Präsident in Alaska

Obama kämpft sich mit Bear Grylls durch die Wildnis

Überflutungen, verödete Städte, unendliche Flüchtlingsströme: Dieses Horrorszenario zeichnet Obama von der Zukunft einer Welt, die den Klimawandel verschläft. Seine Alaska-Reise soll die Gefahren verdeutlichen.

Obamas Trip in die Wildnis mit dem Survival-Experten Bear Grylls soll für dessen Reality-TV-Sendung aufgezeichnet werden. ap

Barack Obama

Obamas Trip in die Wildnis mit dem Survival-Experten Bear Grylls soll für dessen Reality-TV-Sendung aufgezeichnet werden.

AnchorageUS-Präsident Barack Obama nutzt seine Alaska-Reise für Warnungen vor den Folgen des Klimawandels. Überflutete Länder, verlassene Städte und Massen von Flüchtlingen drohten der Welt, sollten die Länder nicht sofort handeln, sagte er am Montag (Ortszeit) in Anchorage bei einer Konferenz des Außenministeriums zum Klimawandel in der Arktis. Die Zeit dränge, bald sei es zu spät.

Obama sagte, wenn jetzt nichts geschehe, müssten künftige Generationen die Folgen tragen. „Wir würden unsere Kinder zum Leben auf einem Planeten verdammen, den instand zu setzen über ihre Kapazitäten ginge“, sagte er. In der Arktis könnten tauender Permafrostboden und schmelzendes See-Eis zu Überflutungen, Bränden und unvorstellbarem wirtschaftlichem Schaden führen. „Es hat schon die Lebensweise der Menschen in Alaska verändert“, sagte Obama.

Obama will mit seinem dreitägigen Besuch im nördlichsten Staat der USA deutlich machen, wie sehr die globale Erwärmung die atemberaubende Natur Alaskas bereits beeinträchtigt hat. Der vom Weiße Haus konzipierte Reiseplan soll dazu eindrucksvolle Bilder liefern: Ein Wanderausflug Obamas auf den langsam schmelzenden Exit-Gletscher und Gespräche mit Fischern stehen ebenso auf der Agenda wie ein Trip in die Wildnis mit dem Survival-Experten Bear Grylls, der für dessen Reality-TV-Sendung aufgezeichnet werden soll. Als erster amtierender US-Präsident will Obama zudem den Polarkreis betreten.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Doch sieht sich der Präsident mit der unbequemen Frage konfrontiert, wie sich seine düsteren Warnungen und Forderungen nach einer Verringerung der Treibhausgase mit seinen jüngsten Schritten zur Ausweitung der Energieproduktion vereinbaren lassen - etwa im Öl- und Gassektor. So nehmen Umweltgruppen daran Anstoß, dass Obama dem Ölkonzern Shell Bohrungen vor der Nordwestküste Alaskas erlaubt hat.

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