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01.07.2013

09:47 Uhr

US-Präsident Obama

Lob und Tadel für Afrika

Eine Woche lang ist Obama dem Wirbel um die Aktivitäten der US-Geheimdienste entkommen. Mit seiner Afrikareise wollte er vor allem Türen für amerikanische Unternehmen öffnen. Ganz nebenbei las er den Eliten die Leviten.

Präsident Obama an der südafrikanischen University of Cape Town. ap

Präsident Obama an der südafrikanischen University of Cape Town.

KapstadtEs ist noch gar nicht so lange her, da waren westliche Staatsmänner auf Besuch in Schwarzafrika höchst vorsichtig. Bestenfalls durch die Blume wurden Probleme wie Korruption angesprochen. Über die echten Probleme des Kontinents wurde geschwiegen. Barack Obama machte das anders.

In einer Rede an der Universität in Kapstadt legte er ohne Wenn und Aber die Finger in die Wunde. Ja, der Kontinent erlebt derzeit einen beispiellosen Wirtschaftsboom. Ja, es gehe in vielen Ländern auch in Sachen Demokratie in die richtige Richtung. Doch im selben Atemzug mahnte er auch: „Wir wissen, dass der Fortschritt auf einer fragilen Basis steht.“

Den größten Applaus der jungen Studenten erntete Obama stets dann, wenn er die politischen und wirtschaftlichen Eliten direkt ins Visier nahm. Wenn er Korruption ansprach oder die schlechte Behandlung von Frauen auf dem Kontinent. „Man kann ein Land daran messen, wie gut es seine Frauen behandelt.“ Die jungen Leute waren geradezu aus dem Häuschen. Welcher afrikanische Führer hatte so etwas schon einmal gesagt?

Die Botschaft Obamas an den Kontinent war klar: Afrika muss eigenständiger werden, kann sich nicht auf Hilfe von außen verlassen. Wie schon bei seinen vorigen Reisestationen verwies er immer wieder auf das leuchtende Vorbild Nelson Mandela. Die Lobpreisungen für den schwer kranken Ex-Präsidenten und Ex-Freiheitskämpfer zogen sich wie ein roter Faden durch Obamas Reden.

Möglicherweise hatte der US-Präsident auch einen Hintergedanken dabei. In Obamas Lobliedern schien zuweilen unterschwellige Kritik an den Plagen des Kontinents verpackt, an der wuchernden Korruption und Vetternwirtschaft. Nicht zufällig betonte Obama immer wieder, dass die „Botschaft“ Mandelas auch heute noch eine wichtige „Inspiration für Afrika und die Welt“ sei. Der US-Präsident erinnerte an die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit und Freiheit, dem Respekt vor Minderheiten und insbesondere vor Frauen - wohlwissend, dass in Südafrika Misshandlungen und Vergewaltigungen von Frauen fast verheerende Ausmaße haben.

Staatsbesuche, offizielle Besuche, Arbeitsbesuche

Staatsbesuche

Nur Treffen von Staatsoberhäuptern werden als Staatsbesuche bezeichnet. Dazu zählen also Besuche des Bundespräsidenten bei gekrönten Häuptern oder republikanischen Staatschefs oder deren Gegenbesuche, nicht aber zum Beispiel die Auslandsreisen der Bundeskanzlerin.

Die Gäste eines Staatsbesuches werden mit den höchsten protokollarischen Ehren empfangen. Staatsbesuche finden auch ohne konkreten Anlass statt und dienen vor allem der Kontaktpflege zwischen den Ländern.

Offizielle Besuche

Zu offiziellen Besuchen folgen Regierungschefs oder Minister einer Einladung ihrer ranggleichen Gastgeber. Meist geht es dabei um die Erörterung konkreter politischer Fragen.

Arbeitsbesuche

Bei Arbeitsbesuchen kommen Regierungschefs oder Staatsoberhäupter - im Fall Deutschlands - auf Einladung der Bundeskanzlerin und nicht des Bundespräsidenten nach Berlin.

Für afrikanische Ohren waren Obamas Würdigungen Mandelas denn auch mahnende Worte an die Eliten des Kontinents. Denn selbst in Ländern mit demokratischen Strukturen und wirtschaftlichen Fortschritten gibt es gewaltige Probleme. Mandela stehe für die Einsicht, dass es Politiker „mehr um das Interesse für das Land gehe als um die Interessen einer Person“, sagte Obama - das heikle Wort der Korruption vermeidend.

Auch sein Gastgeber, Südafrikas Präsident Jacob Zuma, könnte sich angesprochen gefühlt haben: Seine Familie ist inzwischen der Wochenzeitung „Mail & Guardian“ zufolge an über 80 Unternehmen beteiligt - viele profitieren vor allem von Staatsaufträgen. Nicht untypisch für die gefährliche Verquickung von Politik und Wirtschaft - und das nicht nur in Südafrika.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

01.07.2013, 10:09 Uhr

"US-Präsident Obama"

Danke reicht, da kann ich mich gleich selbst veräppeln...

Pro-d

01.07.2013, 10:27 Uhr

Aber nein, Herr Obama verwanzt auf seinen Reisen nur die Büros der Oberhäuptlinge von Afrika.

Staaten 3. Wahl, wie Deutschland udn Timbuktu kann man schließlich aushorchen, wie man will.

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