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19.02.2017

12:52 Uhr

US-Präsident

Trump wettert gegen Medien und „Dummheit“ seiner Vorgänger

Nach zahlreichen Berichten über Chaos und Verwirrung im Weißen Haus hat US-Präsident Donald Trump eine besondere Versammlung für seine Anhänger veranstaltet, in der er Pannen herunterspielte und auf die Medien schimpfte.

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WashingtonNach vier von Problemen gekennzeichneten Wochen im Amt hat sich US-Präsident Donald Trump mit einer aggressiven Rede an seine Wählerschaft gewandt. Bei einer Kundgebung vor mehreren tausend Anhängern in Melbourne (Florida) feuerte er am Samstag erneut Breitseiten gegen die Medien ab, „die eine „falsche Geschichte nach der anderen veröffentlichen“. Die bisherige Arbeit des Weißen Hauses nannte er „reibungslos“ und bekräftigte seine Wahlversprechen, ohne aber Einzelheiten zu nennen.

Kundgebungen in einem solchen Stil in einer derart frühen Präsidentschaftsphase sind äußerst ungewöhnlich. Trump sprach vor dem Hintergrund zahlreicher Berichte über Chaos und Verwirrung im Weißen Haus, untermauert durch die gerichtliche Blockade seines Einreiseverbots für viele Muslime und Wirbel um seinen - schließlich zum Rücktritt gezwungenen - Sicherheitsberater Michael Flynn.

Das sind Trumps Kommunikatoren

Komplexer Kommunikationsapparat

US-Präsident Donald Trump hat im Weißen Haus einen komplexen Kommunikationsapparat zur Verfügung. Nach der Amtsübernahme ist eine genaue Struktur noch nicht klar, aber einige Figuren ragen heraus.

Sean Spicer (45)

Sprecher des Weißen Hauses, früher Sprecher der Republikaner. Er gehört zu denen, die den unmittelbarsten Kontakt zu Medienvertretern haben, fast täglich. Versuchte nach einem Auftritt mit mehreren nachgewiesenen Lügen die Wogen zu glätten. Soll die Politik des Präsidenten erklären. Sein Verhältnis zu Medien und seine Auffassung der Rollen sind noch nicht klar definiert.

Kellyanne Conway (50)

Ursprünglich Meinungsforscherin, jetzt als offizielle Beraterin des Präsidenten gewiefte Vertreterin der Abteilung Attacke. Deutet und verteidigt Trump mit fast maschineller Beharrlichkeit. Schwer zu greifen. Sehr präsent in Talkshows. Gibt den Tagen oft durch morgendliche Auftritte einen Spin mit. War eine der entscheidenden Figuren für Trumps Wahlsieg.

Stephen Bannon (63)

Der Mann für die langen Linien. Ehemaliger Banker, Chef der stramm konservativen Webseite Breitbart, firmiert als Chefstratege. Wird als blitzgescheiter Mann ohne viele Skrupel beschrieben. Kritiker sagen, er solle Trump weiter ein rechtskonservatives Spektrum erschließen. Ist sichtbar, aber meist eher im Hintergrund. Soll Mitautor von Trumps Antrittsrede sein.

Hope Hicks (28)

Offizieller Titel „Direktorin für strategische Kommunikation“. In Trumps innerstem Kreis die einzige Frau, die nicht zur Familie gehört. Wirkt fast ausschließlich hinter den Kulissen, ist Trump angeblich in gusseiserner Treue verbunden. Arbeitete vorher für seine Firma und seine Tochter Ivanka. Hat angeblich das Ohr des Präsidenten, Journalisten sehen in ihr einen möglichen Zugang zu ihm.

Dan Scavino (geb. 1976)

Verantwortet im Weißen Haus den Bereich Social Media – für Trump von besonderer Bedeutung. Hat auch den präsidialen Twitter-Account @POTUS unter sich. Managte einen von Trumps Golfclubs, verantwortete 2016 die sozialen Medien Trumps im Wahlkampf.

Stephen Miller (31 oder 32)

Politikberater im Weißen Haus. Bevor er in Trumps Wahlkampfteam kam, arbeitete er für den US-Justizminister Jeff Sessions. Jüdischen Glaubens. Wird als ultrakonservativ beschrieben, ist angeblich mit Richard Spencer befreundet, dem Anführer der so genannten „Alt Right“-Bewegung, einer Gruppierung von Rechtsextremen. Soll mit Bannon die Antrittsrede Trumps geschrieben haben.

Quelle: dpa

Wie schon zuvor in einer Pressekonferenz am Donnerstag spielte Trump die Pannen und Holperigkeiten als Erfindungen der „unehrlichen“ Medien herunter. Seine Kritik an ihnen zog sich wie ein roter Faden durch die Rede, in der sich seine Stimme wiederholt überschlug. Die Medien „wollen einfach nicht die Wahrheit berichten (...)“, erklärte Trump. „Sie sind ein großer Teil des Problems geworden. Sie sind Teil des korrupten Systems. Wir werden nicht zulassen, dass die Fake News uns sagen, was wir zu tun, wie wir zu leben oder woran wir zu glauben haben.“

Weiter beklagte Trump die „Dummheit“ von Washingtoner Politikern und den völligen „Schlamassel“, den ihm die Obama-Vorgängerregierung hinterlassen habe. Er versprach einen „großartigen“ neuen Krankenversicherungsplan, den baldigen Baubeginn einer „großartigen“ Grenzmauer zu Mexiko und Millionen „schöner“ Jobs. „Ich werde liefern“, rief er unter dem Jubel der Zuhörer aus.

Bereits zuvor hatte Trump via Twitter seinem offensichtlichen Unmut über die Berichterstattung der Medien nach seiner jüngsten Pressekonferenz Luft gemacht. Die „Fake news media“ seien nicht „mein Feind, sie sind der Feind des amerikanischen Volkes“, schrieb der Republikaner am Samstag. Namentlich nannte Trump dabei die „New York Times“ und die Sender NBC News, ABC, CBS und CNN.

Kritik an diesem Tweet kam indes auch aus den eigenen Reihen. Mit solchen Äußerungen hätten „Diktatoren angefangen“, sagte der prominente republikanische Senator John McCain dem Sender NBC News. „Wenn man sich die Geschichte anschaut, dann haben Diktatoren als erstes die Presse mundtot gemacht. Ich sage nicht, dass Präsident Trump versucht, ein Diktator zu sein. Ich sage nur, dass wir aus der Geschichte lernen müssen.“

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An anderen Orten - in Los Angeles und Dallas - kam es unterdessen gerade wegen des Einreisestopps zu erneuten Protesten. Tausende Demonstranten gingen gegen verstärkte Razzien gegen illegale Einwanderer auf die Straße.

Trump kündigte an, in den nächsten Tagen eine Entscheidung über die Nachfolge von Sicherheitsberater Michael Flynn zu fällen. „Ich habe viele, die den Job wollen“, sagte er. Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, sagte entsprechende Gespräche mit vier Kandidaten sollten am Sonntag geführt werden. Als Favorit wird Keith Kellogg gehandelt, der den Posten bereits interimistisch ausfüllt. Doch es könnten auch der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, der Offizier H.R. McMaster oder der Leiter der Militärakademie von West Point, Robert Caslen, werden.

First Lady Melania Trump hatte ebenfalls einen Auftritt während der Versammlung. Sie versprach, sich im besten Interesse aller Amerikaner einzusetzen und dass sie Initiativen für Frauen und Kinder weltweit vorantreiben wolle.

Die Versammlung wurde von Trumps Walkampfteam organisiert und nicht vom Weißen Haus. Im Flugzeug nach Florida wurde Trump denn auch von einem Reporter gefragt, ob es nicht zu früh sei, schon eine neue Kampagne zu starten. „Das Leben ist eine Kampagne“, antwortete er darauf. Auch sein Motto „Make America Great Again“ sei eine Kampagne, die nicht leicht durchzusetzen sei. „Besonders, weil wir auch gegen die Presse kämpfen.“

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