Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2012

01:41 Uhr

US-Präsidentschaftskandidat

Multimillionär Romney zahlt nur 15 Prozent Steuern

In der Kandidaten-Kür der US-Republikaner ist Favorit Romney immer stärker unter Druck. Nachdem er angekündigt hat seine Steuererklärung offen zu legen, sagte er jetzt, er zahle nur circa 15 Prozent Einkommenssteuer.

Mitt Romney in South Carolina. dpa

Mitt Romney in South Carolina.

CharlestonUnter wachsendem gesellschaftlichem Druck hat der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner, Mitt Romney, die Offenlegung seiner Steuererklärung angekündigt. Der Multimillionär räumte am Dienstag vor Journalisten in South Carolina ein, dass er nur rund 15 Prozent Einkommenssteuer zahle.

Bei einem Wahlkampfauftritt in Florence versprach Romney die Veröffentlichung der Unterlagen für 2011, sobald diese vollständig seien. Der Stichtag für die Steuererklärung in den USA ist gewöhnlich der 15. April.

In einer TV-Debatte am Montagabend war Romney einer Antwort auf die Frage ausgewichen, ob er seine Steuerunterlagen öffentlich machen werde. In Florence erklärte er nun, dass die Bürger ein Interesse an seinen Finanzen zeigten. In der Vergangenheit haben Präsidentschaftskandidaten in den USA ihre persönlichen Finanzen traditionell offengelegt.

Romneys Vermögen wird auf bis zu 250 Millionen Dollar geschätzt. Romney erklärte seine geringe Steuerlast damit, dass sein Einkommen überwiegend "aus in der Vergangenheit gemachten Investitionen" stamme.

Kommentar: Mitt Romney - der ungeliebte Favorit

Kommentar

Mitt Romney - der ungeliebte Favorit

Mitt Romney wird aller Voraussicht nach die Wahlen in New Hampshire gewinnen. Seine Konkurrenz schießt scharf gegen den Ex-Gouverneur. Sie weiß, dass er nur wenig echte Anhänger unter den Republikanern hat.

Der Politiker erwarb sein Vermögen in den 1980er und 1990er Jahren als Chef der Investmentfirma Bain Capital. Während Kapitaleinkünfte in den USA nur mit 15 Prozent besteuert werden, liegt die Steuer auf Lohneinkommen bei bis zu 35 Prozent.

Wie viele andere wohlhabende US-Bürger profitiert der Ex-Gouverneur von Massachusetts von den unter Ex-Präsident George W. Bush eingeführten Steuervergünstigungen. Das Weiße Haus wertete den Wirbel um Romneys Steuererklärung als Beleg für die Debatte um die wachsende soziale Ungleichheit in den USA.

Sprecher Jay Carney betonte, Präsident Barack Obama vertrete die Ansicht, dass die Reichen "ihren gerechten Anteil" zahlen müssten. Es sei unfair, wenn Millionäre nur 15 Prozent Steuern zahlten, während die Abgaben für Menschen mit einem Jahreseinkommen von 50.000 oder 75.000 Dollar viel höher seien.

Romney hatte die ersten beiden Vorwahlen der Republikaner in Iowa und New Hampshire gewonnen und gilt als aussichtsreichster Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei. Meinungsforscher sehen ihn auch bei der nächsten Vorwahl in South Carolina am Samstag vorne. Einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung des Gallup-Instituts zufolge sprachen sich 37 Prozent der Republikaner in den USA für Romney als Kandidaten aus.

Von

afp

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.01.2012, 04:09 Uhr

Die Steuer auf Kapitaleinkünfte liegt in den USA also bei 15%.
Da fällt einem wirklich nichts mehr dazu ein.
Arbeit war irgendwie wohl schon immer als Strafe und Zeichen der niederen Stände gedacht.Dass eigener Hände Arbeit nicht reich macht ist mir schon klar,aber das schlägt dem Faß den Boden aus.

Steuerlecker

18.01.2012, 06:32 Uhr

Ja und, in USA liegt die Mwst. bei 7% und Deutschland bei 19%. Das schlägt dem Fass den Deckel weg.

Koboldo

18.01.2012, 06:32 Uhr

Bei uns ist es auch nicht viel besser. Seit Schröders Steuerreform, die eindeutig unsozial war, ist die Schere zwischen Arm und Reich auch immer weiter auseinander gegangen. In den USA sind die Missstände allerdings gravierender. Die Politik tut sich unendlich schwer, einmal gewährte Vergünstigungen wieder rückgängig zu machen. So wird bei uns die Debatte um die Wiederauflebung der Vermögensteuer und die Abschaffung der Lastenverschiebung in der Sozialversicherung grundsätzlich nicht geführt, obwohl das wichtige Stellschrauben für soziale Gerechtigkeit sind und von unseren Gründungsvätern bewusst geregelt wurden. Schäuble kommt auch nicht voran in der Abschaffung der progressiven Progression, die vor allen Dingen den Mittelstand belastet. Sein Ziehvater Kohl hat trotz des schweren Fehlers der Aussetzung der Vermögensteuer wenigstens die lineare Progression eingeführt. Durch unzulängliche steuerliche Regelungen, an der die SPD maßgeblichen Anteil hatte und die Gewerkschaften durch Untätigkeit brillierten, wurde dieses Konzept wieder verwässert. Die Interessenumsetzung durch die Politik ist der Hauptgrund, warum der Steuerrechtler Kirchhof mit seiner Steuervereinfachung zum Scheitern verurteilt ist, leider...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×