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21.09.2012

23:05 Uhr

US-Präsidentschaftskandidat

Romney veröffentlicht Steuererklärung

Der Vorwurf lässt US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney im Wahlkampf nicht los: Der Multimillionär zahle zu niedrige Steuern. Jetzt veröffentlicht er seine Steuererklärung für 2011. Doch es bleiben Lücken.

Mitt Romney auf Wahlkampftour. AFP

Mitt Romney auf Wahlkampftour.

WashingtonDer schwerreiche US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney gibt einen frischen Einblick in seine Finanzen. Er habe im vergangenen Jahr rund 13,7 Millionen Dollar (10,5 Mio Euro) verdient und darauf rund 14 Prozent Steuern gezahlt, teilte sein Wahlkampfteam am Freitag mit. Zum Vergleich: 2011 verdiente Präsident Barack Obama 790.000 Dollar und zahlte darauf fast 21 Prozent Steuern.

Zudem gab Romney bekannt, er wolle noch einen Brief von Rechnungsprüfern vorlegen. Dieses Dokument solle beweisen, dass der Geschäftsmann in den 20 Jahren bis 2009 auf eine Steuerquote von durchschnittlich 20,2 Prozent kam. Über diese Zahl war in den USA heftig spekuliert worden. Der Gründer und ehemalige Chef einer Private-Equity-Firma steht wegen seiner Steuern seit längerem unter schwerem öffentlichem Druck.

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Die Einnahmen stammen den Angaben zufolge vor allem aus Investments, Dividenden und Zinseinkünften, die in den USA deutlich geringer besteuert werden als Lohn oder Gehalt. Rund 4 Millionen Dollar habe Romney im vergangenen Jahr gespendet. Als Mormone ist Romney angehalten, zehn Prozent seines Einkommens an die Kirche zu spenden. Eine Kirchensteuer gibt es in den USA nicht. Romneys Vermögen wird auf 190 bis 250 Millionen Dollar geschätzt.

Detaillierte Steuererklärungen für den gesamten Zeitraum legte er aber - anders als von den Demokraten gefordert - weiterhin nicht vor. Kritiker nannten die Offenlegung kurz vor dem Wochenende ein Ablenkungsmanöver. Der Freitagnachmittag sei in Washington ein guter Zeitpunkt, um unangenehme Mitteilungen ohne großes Medienecho zu veröffentlichen.

US-Präsident Barack Obama hatte seinen Herausforderer mehrfach zu mehr Transparenz aufgefordert. Bisher hatte der Republikaner lediglich die Steuererklärungen für 2009 und 2010 veröffentlicht - viel weniger als für Präsidentschaftskandidaten üblich. Die Steuerbescheide aus früheren Jahren hielt Romney dagegen unter Verschluss. Dies nährte Spekulationen, dass der Republikaner womöglich Geld am US-Fiskus vorbei in Steueroasen geparkt haben könnte.

2010 hatte Romney noch rund 21 Millionen Dollar verdient, bei gleichem Steuersatz von rund 14 Prozent. Der US-Spitzensteuersatz liegt sonst bei 35 Prozent.

Das Team hinter Romney

Matt Rhoades

Romneys Wahlkampfmanager hat die Aufgabe, hinter den Kulissen für einen geschmeidigen Ablauf der Kampagne zu sorgen. Der 37-Jährige gilt als öffentlichkeitsscheuer und gewiefter Taktiker mit exzellenten Verbindungen zu konservativen Medien. Rhoades arbeitete bereits im Team des früheren US-Präsidenten George W. Bush für dessen Wiederwahl 2004. Bei Romneys erfolglosem Anlauf auf die republikanische Kandidatur 2008 fungierte er als Kommunikationsdirektor. Zwischenzeitlich war er bei der Lobbyfirma und Politikberatung DCI Group in Washington tätig.

Bob White

White gehörte in den 80er Jahren zu den Gründern der Investmentfirma Bain Capital und ist seitdem ein enger Vertrauter und Freund Romneys. Der Harvard-Absolvent war bereits bei Romneys gescheitertem Versuch dabei, dem mittlerweile verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy 1994 dessen Sitz in Massachusetts abzunehmen. Auch wenn White im Wahlkampf 2012 keine offizielle politische Rolle ausfüllt, dürfte das Wort des treuen Wegbegleiters für Romney großes Gewicht haben.

Beth Myers

Die "Washington Post" beschrieb Myers kürzlich als Romneys "Büro-Ehefrau" und meinte damit die enge berufliche Beziehung, die beide verbindet. Während Romney von 2003 bis 2007 in Massachusetts als Gouverneur amtierte, war Myers seine Kabinettschefin. Vor vier Jahren nahm sie die Rolle der Wahlkampfmanagerin ein. Derzeit hat sie die Aufgabe, einen geeigneten Vize-Kandidaten für Romney auszusuchen. Ihre politischen Sporen verdiente sich Myers einst im Wahlkampfteam von Ronald Reagan im Jahr 1980.

Eric Fehrnstorm

Der gelernte Journalist ist ebenfalls einer der engsten Berater, der seit der Gouverneurszeit in Massachusetts zu Romneys innerem Kreis gehört. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen vor allem die Wahlkampfspots. Im März leistete er sich einen Patzer, als er Romneys Kampagne mit einer Zaubertafel verglich - und damit den Eindruck erweckte, sein Chef könnte nach der Nominierung die erzkonservativen Töne aus dem Vorwahlkampf wegwischen und einfach durch moderatere Positionen ersetzen.

Peter Flaherty

Der frühere Staatsanwalt aus Boston arbeitete zunächst in Massachusetts und dann während der Präsidentschaftsbewerbung 2008 für Romney. Anschließend gründete er mit Myers und Fehrnstrom eine Politikberatung in Washington. Im Wahlkampfteam ist er dafür zuständig, Romneys Image bei der erzkonservativen und religiösen Wählerschaft aufzupolieren.

Spencer Zwick

Der erst 32-Jährige wacht über die Wahlkampfkasse von Romney, bereits vor vier Jahren war er für dessen Finanzen verantwortlich. Zwick lernte den Politiker als ehrenamtlicher Helfer bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City kennen, bei denen Romney Cheforganisator war. Beide verbindet mittlerweile ein fast familiäres Band: Romney und seine Frau Ann beschreiben den Mormonen als ihren "sechsten Sohn".

Im Kampf um die Wähler der Mittelschicht haben sich Obamas Demokraten auf Romneys persönliche Finanzen eingeschossen und stellen den designierten republikanischen Kandidaten als abgehoben dar. Der frühere Manager bei der Investmentfirma Bain Capital bezieht den Großteil seiner Einnahmen aus Kapitaleinkünften, die in den USA deutlich niedriger besteuert werden als Lohneinkommen.

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