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04.03.2012

09:23 Uhr

US-Präsidentschaftswahl

Romney baut seinen Vorsprung weiter aus

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner hat der Favorit Mitt Romney den nächsten Sieg eingefahren: Der Multimillionär gewann am Samstag die Vorwahlen im nordwestlichen Bundesstaat Washington.

Mitt Romney liegt gut im Rennen. Reuters

Mitt Romney liegt gut im Rennen.

SeattleDer frühere Gouverneur von Massachusetts hat im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner seinen Vorsprung damit weiter ausgebaut. Der Sieg im US-Staat Washington am Samstagabend (Ortszeit) fiel deutlich aus. Es ist sein vierter Triumph in Folge und der siebte insgesamt. Der Kongressabgeordnete Ron Paul und der erzkonservative Exsenator Rick Santorum kämpften um den zweiten Platz. Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, lag abgeschlagen auf dem vierten Platz. Die Ergebnisse des Urnengangs sind für die Vergabe der Delegierten aus Washington nicht bindend, stärken den früheren Gouverneur von Massachusetts aber vor den zehn Vorwahlen am „Super-Dienstag“.

Nach Auszählung von mehr als 70 Prozent der Stimmen kam Romney dem Nachrichtensender CNN zufolge auf 36 Prozent. Der christlich-konservative Ex-Senator Rick Santorum lag demnach mit 25 Prozent hauchdünn vor dem texanischen Abgeordneten Ron Paul (24 Prozent) auf Platz zwei. Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, erreichte elf Prozent. Die Verteilung der 43 Delegiertenstimmen aus Washington wird erst auf einem Parteitag Ende Mai endgültig festgelegt. Der frühere Gouverneur gilt als Favorit für die Kandidatur der Republikaner, stößt aber bei der konservativen Basis auf Vorbehalte. Vor allem religiös orientierte Wähler bevorzugen Santorum, der bislang Vorwahlen in vier Bundesstaaten gewinnen konnte.

Nach seinem Sieg in Washington erklärte Romney, die Wähler wollten „keinen Washington-Insider im Weißen Haus“. Sie wollten einen konservativen Geschäftsmann, der die Privatwirtschaft verstehe und wisse, wie das Hindernis Regierung aus dem Weg zu räumen sei, damit die Wirtschaft wieder stark wachsen könne.

Das System der Vorwahlen in den USA

Wahlmänner

Bei der Präsidentenwahl geben die US-Bürger ihre Stimme nicht für eine Partei ab, sondern indirekt über Wahlmänner für eine Einzelperson. Theoretisch könnten daher mehrere Kandidaten einer Partei gegeneinander antreten, was aber die Wählerschaft spalten würde. Um das zu verhindern, kämpfen die Bewerber bei den Vorwahlen um das Recht, als Einzige im Namen ihrer Partei antreten zu dürfen.

National conventions

Nicht die Parteispitze bestimmt den gemeinsamen Kandidaten, sondern die Basis. Dazu finden seit 1832 Parteitage („national conventions“) statt. Hier kommen Tausende Delegierte zusammen, die bei den Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten ernannt wurden und sich verpflichtet haben, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen. Der Parteitag der Demokraten findet vom 3. bis 6. September in North Carolina statt, der der Republikaner vom 27. bis 30. August in Florida.

Caucus und primary

Wie viele Delegierte jeder Bundesstaat schickt, hängt hauptsächlich von seiner Bevölkerungszahl ab. Auch der genaue Ablauf einer Vorwahl ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Es werden grundsätzlich zwei Verfahren unterschieden: Die traditionelle Urwahl (“caucus“) und die Vorwahl im engeren Sinn (“primary“), die inzwischen häufiger ist.

Bei einer Urwahl treffen sich die Parteimitglieder in kleinen Gruppen, um über die Kandidaten zu debattieren. Sie halten Reden und stimmen dann ab. Diese Wahl muss nicht geheim sein. Das Verfahren ist zeitaufwendig und gibt örtlichen Parteiführern großen Einfluss. Die Teilnehmer beschäftigen sich jedoch sehr intensiv mit den Kandidaten. In den meisten Bundesstaaten findet dagegen eine geheime Wahl statt. Das Verfahren wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt, um der Basis mehr Einfluss zu geben. Bei geschlossenen Vorwahlen (“closed primaries“) dürfen nur registrierte Parteimitglieder eine Stimme abgeben, bei den offenen Vorwahlen (“open primaries“) jeder Wähler.

Gestaffelter Ablauf

Die Vorwahlen finden nicht gleichzeitig in jedem Bundesstaat statt, sondern gestaffelt bis zum Sommer. Den frühen Abstimmungen - insbesondere Iowa (3. Januar) und New Hampshire (10. Januar) - kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn Kandidaten, die dort schlecht abschneiden, geben oft auf. Unter Umständen wird die Führung eines Bewerbers schon nach den Wahlen in wenigen Bundesstaaten so klar, dass seine Ernennung auf dem Parteitag nur noch eine Formalität ist. Daher investieren die Kandidaten überproportional viel Zeit und Geld in frühe Wahlkämpfe.

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