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20.01.2005

18:00 Uhr

US-Presse sieht kraftvollsten Regierungschef seit Jahrzehnten

Freie Hand für George W. Bush

VonChristoph Kapalschinski

Die US-Presse kommentiert die zweite Amtseinführung von Präsident George W. Bush zwiespältig. Trotz deutlicher Kritik am Pomp der Feier, sind sich die Zeitungen darin einig, dass Bush mit neuer Energie in seine zweite Amtszeit geht. Er sei zu nahezu revolutionären Reformen entschlossen wie kaum ein zweiter Präsident. Über den Inhalt seines Programms sind die Kommentatoren jedoch zerstritten. Einige begrüßen es begeistert, andere warnen ebenso leidenschaftlich.

US-Vize-Präsident Dick Cheney mit seiner Frau Lynne sowie Laura Bush mit ihrem Mann George W. Bush kurz vor der feierlichen Vereidigung. Foto: dpa

US-Vize-Präsident Dick Cheney mit seiner Frau Lynne sowie Laura Bush mit ihrem Mann George W. Bush kurz vor der feierlichen Vereidigung. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Obwohl der Präsident äußerlich mit graueren Haaren und einigen Pfunden mehr in seine zweite Amtszeit gehe, markiere seine Amtseinführung einen Moment der Erneuerung, meint die "Washington Post". Dabei sei seine Agenda für die zweite Amtszeit provokativer als vor vier Jahren. Bush habe sich vorgenommen, den Einsatz im Irak in einer Erfolgsgeschichte zu verwandeln, das Verhältnis zur übrigen Welt zu reparieren, die Sozialversicherung und das Steuersystem zu reformieren und die Einwanderung neu zu regeln. Zugute kommen George W. Bush nach Meinung der Zeitung einige Lektionen seiner ersten Amtszeit. Er sei vorsichtiger bei seinen Formulierungen, die oft flapsig und harsch gewesen seien. Und er habe gelernt, dass die Bundespolitik anders abläuft als im texanischen Governeurssitz. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit gehe er deshalb auf Teile der Demokraten zu.

Sandy Grady von der Tageszeitung "USA Today" ärgert sich über die überdimensionierten Feiern zur Amtseinführung. Die Sponsoren der Feste - allein 44 Firmen hätten je 250 000 Dollar gezahlt - würden Gegenleistungen verlangen. "Das ist ein fetter Scheck für Sitzplätze bei der Parade, Ball-Karten und vielleicht ein Essen mit Bush und Vize-Präsident Cheney. Glauben Sie, dass diese Verteidigungs-, Enbergie-, Immobilien-, Bank- und Gesundheitsläden nur von Altruismus und einer Vorliebe für Georg W. getrieben werden?", fragt die Kommentatorin. Vielmehr gehe es um Lobbyarbeit für die Programmpunkte wie die private Sozialversicherung, mehr Arbeits-Immigranten oder Waffenkontrakte.

Grady entwirft eine Gegenvorschlag: "Keine triumphale Prahlerei, nur die Realität", fordert sie. Bush hätte der Welt auf seiner Krönungsfeier lieber eingestehen sollen, dass er sich im Irak geirrt hat; sagen, wie lange die Truppen bleiben - und was seine heiß geliebte Sozialreform kostet. Ansonsten könne es sein, dass Amerika später einmal beschämt auf "die reichste Amtseinführung, die Firmengeld kaufen konnte" zurückblickt.

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