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26.02.2017

08:25 Uhr

US-Regierung und die Medien

Trump lässt Korrespondentendinner sausen

Erst lud das Weiße Haus eine Reihe Medien von Presseterminen aus. Jetzt erklärt Präsident Donald Trump, dass er nicht am traditionellen Korrespondentendinner teilnehmen werde. Die Gründe dafür nennt er nicht.

Warum er das Korrespondenten-Dinner platzen lässt, erklärte er nicht. AP

Donald Trump bei einer Konferenz der Republikaner

Warum er das Korrespondenten-Dinner platzen lässt, erklärte er nicht.

Washington, FrankfurtUS-Präsident Donald Trump verzichtet auf eine Teilnahme am traditionellen Galadinner der Korrespondenten im Weißen Haus. Einen Grund gab er in einem Tweet vom Samstag nicht an. Doch wünsche er „jedem alles Gute“ und einen großartigen Abend!“, schrieb Trump.

Die jährliche Veranstaltung findet am 29. April statt. Sie ist für die zum Teil bissigen, zum Teil selbstironischen Witze der Redner bekannt, zu denen meistens der Präsident gehört. Neben Politikern und Journalisten nehmen auch Prominente daran teil. Kritiker bemängeln, dass die Treffen eine zu große Nähe von Presse und Politik fördern.

Die neue US-Regierung und die amerikanische Presse haben ein sehr gespanntes Verhältnis. Trump hat Journalisten mehrfach vorgeworfen, „Feinde des Volkes“ und eine „große Gefahr für unser Land“ zu sein. Am Freitag hatte Trumps Sprecher Sean Spicer Medien wie CNN, die New York Times und Politico von Presseterminen ausgesperrt. Mehrere Medien sollen vor diesem Hintergrund selber erwogen haben, der diesjährigen Gala fernzubleiben. und

Trump steht seit langem mit den Nachrichtenmedien auf Kriegsfuß. In den vergangenen Wochen warf er einigen Pressehäusern vor, „Fake News“ zu verbreiten. Zuletzt wandte sich Trump zudem gegen die Nutzung anonymer Quellen bei der journalistischen Recherche. Für Aufregung im Netz sorgte seine Aussage, dass die Leaks, also die durchgesickerten Nachrichten, zwar real seien, die Nachrichten aber unwahr.

Das sind Trumps Kommunikatoren

Komplexer Kommunikationsapparat

US-Präsident Donald Trump hat im Weißen Haus einen komplexen Kommunikationsapparat zur Verfügung. Nach der Amtsübernahme ist eine genaue Struktur noch nicht klar, aber einige Figuren ragen heraus.

Sean Spicer (45)

Sprecher des Weißen Hauses, früher Sprecher der Republikaner. Er gehört zu denen, die den unmittelbarsten Kontakt zu Medienvertretern haben, fast täglich. Versuchte nach einem Auftritt mit mehreren nachgewiesenen Lügen die Wogen zu glätten. Soll die Politik des Präsidenten erklären. Sein Verhältnis zu Medien und seine Auffassung der Rollen sind noch nicht klar definiert.

Kellyanne Conway (50)

Ursprünglich Meinungsforscherin, jetzt als offizielle Beraterin des Präsidenten gewiefte Vertreterin der Abteilung Attacke. Deutet und verteidigt Trump mit fast maschineller Beharrlichkeit. Schwer zu greifen. Sehr präsent in Talkshows. Gibt den Tagen oft durch morgendliche Auftritte einen Spin mit. War eine der entscheidenden Figuren für Trumps Wahlsieg.

Stephen Bannon (63)

Der Mann für die langen Linien. Ehemaliger Banker, Chef der stramm konservativen Webseite Breitbart, firmiert als Chefstratege. Wird als blitzgescheiter Mann ohne viele Skrupel beschrieben. Kritiker sagen, er solle Trump weiter ein rechtskonservatives Spektrum erschließen. Ist sichtbar, aber meist eher im Hintergrund. Soll Mitautor von Trumps Antrittsrede sein.

Hope Hicks (28)

Offizieller Titel „Direktorin für strategische Kommunikation“. In Trumps innerstem Kreis die einzige Frau, die nicht zur Familie gehört. Wirkt fast ausschließlich hinter den Kulissen, ist Trump angeblich in gusseiserner Treue verbunden. Arbeitete vorher für seine Firma und seine Tochter Ivanka. Hat angeblich das Ohr des Präsidenten, Journalisten sehen in ihr einen möglichen Zugang zu ihm.

Dan Scavino (geb. 1976)

Verantwortet im Weißen Haus den Bereich Social Media – für Trump von besonderer Bedeutung. Hat auch den präsidialen Twitter-Account @POTUS unter sich. Managte einen von Trumps Golfclubs, verantwortete 2016 die sozialen Medien Trumps im Wahlkampf.

Stephen Miller (31 oder 32)

Politikberater im Weißen Haus. Bevor er in Trumps Wahlkampfteam kam, arbeitete er für den US-Justizminister Jeff Sessions. Jüdischen Glaubens. Wird als ultrakonservativ beschrieben, ist angeblich mit Richard Spencer befreundet, dem Anführer der so genannten „Alt Right“-Bewegung, einer Gruppierung von Rechtsextremen. Soll mit Bannon die Antrittsrede Trumps geschrieben haben.

Quelle: dpa

Frustriert zeigte sich der Präsident etwa über Berichte, nach denen es Kontakte zwischen seinen Wahlkampfberatern und russischen Geheimdienstagenten gegeben haben soll. Das Weiße Haus hat dies zurückgewiesen. Mitarbeiter der Regierung verlangen indes regelmäßig Anonymität, wenn sie Informationen an Reporter weitergeben.

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