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21.01.2012

11:17 Uhr

US-Satiriker Colbert

„Wählt Herman Cain, ich bin Herman Cain“

VonNils Rüdel

Wahlkampf mal anders: In Charleston feierte der TV-Satiriker Stephen Colbert seine Kandidatur zum „Präsidenten der Vereinigten Staaten von South Carolina“. Unterstützung gab es von einem Liebling der Tea Party.

Stephen Colbert, der Hape Kerkeling der USA, mit dem früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten Herman Cain. Reuters

Stephen Colbert, der Hape Kerkeling der USA, mit dem früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten Herman Cain.

CharlestonEs ist erst ein paar Wochen her, da war der Mann einer der gefragtesten Politiker Amerikas. War Spitzenreiter in den Umfragen, wer der nächste republikanische Präsident werden soll, noch vor Mitt Romney. Das ganze Land diskutierte über seinen Radikalplan für eine Steuerreform, genannt 9-9-9. Bis er verdächtigt wurde, Frauen sexuell belästigt zu haben und aus dem Rennen ausstieg.

Jetzt steht Herman Cain mit Cowboyhut auf der Bühne, greift zum Mikrofon und singt das „Pokemon“-Lied.

Es ist Freitagmittag im Küstenort Charleston, South Carolina. Mehr als 3.000 Leute, kaum einer älter als 30, stehen im Hof des Charleston College. Eine Marching Band spielt, ein Trupp Cheerleader tanzt, auf der Bühne hat ein Gospelchor Formation angenommen. Die Zuhörer lachen, klatschen, jubeln. Stundenlang hatten sie angestanden, nur um ihn zu sehen.

Nicht ganz. Cains Name und Konterfei sind zwar auf dem riesigen Wahlplakat hinter der Bühne zu sehen – allerdings neben dem von Stephen Colbert, dem bekannten TV-Satiriker. Und um den geht es hier heute auf der Veranstaltung „The Rock Me Like a Herman-Cain: South Cain-olina Primary Rally“. Also um einen riesengroßen Jux.

„Wählt Herman Cain, denn Herman Cain bin ich“, ruft Colbert gleich zu Beginn von der Bühne. Der Komiker tritt bei der Wahl an, weil er „Präsident der Vereinigten Staaten von South Carolina“ werden will. Die US-Version von Hape Kerkelings „Isch kandidiere“ – aber mit einer echten Partei. Die Party heute Nachmittag in Colberts Heimatstadt soll die Zündung für seine Kampagne sein.

3.000 Zuschauer kamen, um Stephen Colbert zu sehen, einige ließen dafür offenbar sogar die Arbeit links liegen. AFP

3.000 Zuschauer kamen, um Stephen Colbert zu sehen, einige ließen dafür offenbar sogar die Arbeit links liegen.

Das Problem ist nur: Colbert steht nicht auf dem Wahlzettel, es war zu spät, die Kandidatur einzureichen. Dafür steht Cain noch drauf, obwohl er nicht mehr im Rennen ist. Also sollen die Menschen für Cain stimmen, obwohl sie Colbert meinen. „Er hat seinen Namen nicht mehr auf die Liste gekriegt, ich meinen nicht mehr runter“, sagt Cain. „So kam das zustande“.

Und deshalb stehen die beiden jetzt hier auf der Bühne, umarmen sich und machen Show. Colbert kommt aber nach ein paar Witzen über die anderen Präsidentschaftskandidaten („Der Unterschied zwischen Mitt Romney und einer Statue von Mitt Romney? Die Statue wechselt nicht dauernd ihre Positionen“) zu seinem eigentlichen Thema: die obskure Wahlkampffinanzierung.

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