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24.01.2010

13:00 Uhr

US-Senator Scott Brown

Ein Nobody könnte Obama stoppen

VonMarkus Ziener

Ein Nobody hat in den USA den Senatssitz im traditionell liberalen Bundesstaat Massachusetts erobert: Scott Brown wird damit zum neuen Helden der Republikaner. Als 41. republikanischer Senator hätte er nun tatsächlich die Macht, das vielleicht wichtigste innenpolitische Projekt von Barack Obama zu stoppen.

Der neue US-Senator Scott Brown konnte sich über einen unerwarteten Wahlsieg freuen. ap

Der neue US-Senator Scott Brown konnte sich über einen unerwarteten Wahlsieg freuen.

WASHINGTON. Im Wahlkampf ist Image alles. Und Scott Brown, der neue republikanische Senator von Massachusetts, hatte auf das genaue Gegenbild zur haushohen Favoritin Martha Coakley gesetzt - und gewonnen. Brown warb für sich als "Typ von nebenan", der sich für nichts zu schade ist. Zum Symbol seiner Kampagne wurde ein alter Kleinlaster von General Motors, der bereits 200 000 Meilen auf dem Buckel hat und mit dem er zu seinen Auftritten fuhr. Coakley dagegen war es einmal sogar zu kalt, um im Fenway Park, dem Stadion des Baseballteams der Boston Red Sox, eine Wahlkampfrede zu halten. Krasser hätte der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten nicht sein können.

Nichts hatte der 50-jährige Brown zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Denn der Senatssitz, der nur mit einer kurzen Unterbrechung seit 1953 in der Hand der Kennedy-Familie war, schien auch nach dem Tod von Ted Kennedy ein Erbhof der Demokraten zu sein. Im blauesten aller blauen US-Bundesstaaten - Blau ist die Farbe der Demokraten - wäre eine republikanische Niederlage das Normale gewesen und kein Grund zur Schande. Doch Martha Coakley machte es Brown leicht, eine mittlere Revolution ins Werk zu setzen. Denn kaum etwas schätzen Wähler weniger als Überheblichkeit. Doch von der gab es im Wahlkampf der Demokraten reichlich.

Je mehr etwa vom "Kennedy-Sitz" die Rede war, desto mehr fühlten sich die Menschen in Massachusetts entmündigt. So, als sei die Abstimmung über den Senatssitz nur noch eine Formsache. Tatsächlich führte Coakley in den Umfragen zeitweise mit bis zu 30 Prozentpunkten Vorsprung. Doch nachdem sie zur Irritation ihrer Umgebung mitten im Wahlkampf eine Woche Urlaub gemacht hatte, fasste sie nicht mehr Tritt. Der Wind hatte sich gedreht, der "Underdog" Scott Brown war im Kommen. Wahlkampfexperten wissen, dass kaum etwas schwerer zu brechen ist als ein Trend. Und der Trend für Brown hielt bis zum Wahltag am Dienstag.

Dabei trommelte der bisherige Senator im Staat Massachusetts nicht wirklich mit einer neuen Botschaft für sich. Der gelernte Jurist steht für niedrigere Steuern, weniger Staat und gibt sich als strammer Gegner von Barack Obamas Gesundheitsreform. Als 41. republikanischer Senator hätte er nun tatsächlich die Macht, das vielleicht wichtigste innenpolitische Projekt des Präsidenten zu stoppen, sollte es zu einer neuerlichen Abstimmung im Senat kommen. Ob er von den Bürgern in Massachusetts allerdings tatsächlich vor allem deshalb gewählt wurde, weil so die Gesundheitsreform gestoppt werden könnte, ist unklar. Scott Brown wurde indes nicht müde, das Votum zu einem Referendum über die Politik des Präsidenten zu erklären.

Vielmehr dürften indes lokale und persönliche Aspekte eine Rolle bei der Wahlentscheidung gespielt haben. Der durchtrainierte Triathlet, der als 22-Jähriger auch schon mal nackt im Magazin "Cosmopolitan" posierte, sieht blendend aus und ist stets aktiv. Sein Tag beginnt um 5 Uhr morgens mit einem "workout", dann, so sagte er jüngst in einem Interview mit dem "Boston Globe", sei er sich auch nicht zu schade, um persönlich Bürgerpost zu beantworten oder Briefumschläge zu kleben.

Eine der beiden Töchter hatte es 2007 ins Halbfinale von "American Idol" geschafft und ist ein Star im Basketballteam an ihrem College in Boston, die andere studiert Medizin an der angesehenen Syracuse-Universität im Bundesstaat New York. Brown selbst stammt aus einer Scheidungsfamilie und beschreibt seine Jugend als "ziemlich hart". Als 12-jähriger Junge sei er einmal dabei erwischt worden, wie er in einem Laden geklaut habe, bekannte Brown kürzlich.

Verglichen mit Brown hatte die Staatsanwältin von Massachusetts, Martha Coakley, wenig echte Lebensnähe vorzuweisen. Ihr beruflicher und privater Weg ging ziemlich stetig nach oben. Bis zur Wahl am vergangenen Dienstag.

Vita von Scott Brown

1959 wird er am 12. September geboren und nach der Scheidung seiner Eltern teilweise von den Großeltern aufgezogen.

1982 wird er vom Frauenmagazin "Cosmopolitan" zum Amerikaner mit dem meisten Sex-Appeal gekürt.

1985 beginnt er nach dem Jurastudium (er ist als Rechtsanwalt auf Familienrecht spezialisiert) seine politische Karriere in seiner Heimatstadt Wrentham.

1998 zieht er ins Abgeordnetenhaus von Massachusetts ein.

2004

gelingt ihm der Sprung in den Senat des Staates, 2008 wird er wiedergewählt.

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