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07.11.2014

16:45 Uhr

US-Soldat Robert O'Neill

Wer ist Bin Ladens Todesschütze?

VonLaura Waßermann

Robert O'Neill, vermeintlicher Todesschütze bin Ladens lässt sich in den USA als Nationalheld feiern. Ex-Militärkameraden verurteilen ihn dafür. Auch, weil der Zeitpunkt des Outings nicht zufällig gewählt ist.

dpa

DüsseldorfDer entscheidende Schuss auf Ex-Al Kaida-Chef Osama bin Laden, ein Sandwich zum Frühstück und eine finanzielle Notlage: Robert O’Neill steht weltweit im Fokus. Der 38-jährige, der aus einer kleinen Stadt im US-Bundesstaat Montana stammt, war Soldat bei der Spezialeinheit Seals der Navy, im Team Sechs. Er behauptet, bin Laden am 2. Mai 2011 in dessen Schlafzimmer getötet zu haben.

Was bedeutet dieses Outing?

Die Diskussion um O’Neill wirft viele Fragen auf; nicht zuletzt weil ehemalige Soldaten der Seals ihm das Outing vorweggenommen haben. Bevor er selbst an die Öffentlichkeit gehen konnte, wurde auf der Internetseite „Sofrep“ ein Brief des Konteradmirals Brian Losey gepostet, in dem es unter anderem heißt: Die Navy würde es nicht dulden, wenn Soldaten an die Öffentlichkeit gehen, um Aufmerksamkeit zu erlangen oder finanzielle Vorteile daraus schöpfen zu können.

Die Ex-Soldaten fügen hinzu, dass es sich bei dieser Anschuldigung um Robert O'Neill handelt, der sich als der Schütze ausgeben will. Der Brief des Kommandanten richtet sich an alle Soldaten der Navy Seals, auch an die Ehemaligen. „Ich werde meine Arbeit nicht anpreisen, noch werde ich für meine Taten Anerkennung suchen“; so sei der Ethos ihrer Organisation.

Die Ex-Seals schreiben in dem Artikel, dass O'Neill „für seine eigene Story traurige Berühmtheit“ erzielen wolle. Mit ihrer Aktion wollten sie ein großes, öffentlichkeitswirksames Outing verhindern. Doch das ist nicht gelungen.

Der Brief der Kommandanten ist mit dem 31. Oktober 2014 datiert. Dies zeigt, dass O’Neills Name bereits vor wenigen Wochen durch Militärkreise kursierte. Zudem sollen auch Journalisten Bescheid gewusst haben.

Laut einem Bericht der „Washington Post“ habe der Ex-Navy lange überlegt, ob er sich outen soll oder nicht. Im Interview mit der US-Zeitung sagt O’Neill, er habe sich bereits im Sommer vor Angehörigen der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 offenbart. Angeblich damit die Familien ihr Schicksal dadurch besser akzeptieren und damit abschließen könnten.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Robert O‘Neill hat laut seiner Facebook-Seite von 1995 bis 2011 in der Navy gedient und die Gruppe nach dem Tod bin Ladens frühzeitig verlassen. Ein Soldat bekommt jedoch erst nach 20 Jahren militärischen Dienstes eine Abfindung.

Deshalb, so hieß es in einem Artikel des US-Magazins „Esquire“ soll er 2013 schon vor dem finanziellen Ruin gestanden haben. Mit Reden über seine Navy-Erlebnisse hielt er sich über Wasser.

Kommentare (7)

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Herr C. Falk

07.11.2014, 17:49 Uhr

Schlechtes Karma, das den armen Robert im nächsten Leben unweigerlich ereilen wird. So viele Tiere totgeschossen und ausgestopft.....

Herr Paul Mueller

07.11.2014, 18:20 Uhr

"... erst die Frauen überwältigt ..."

Ganze Kerle: Erst zwei Frauen überwältigt und dann einen Wehrlosen erschossen. Ist klar, warum die Beteiligten mit ein wenig Hirn, gegen ein "Outing" ware

... .bürste

07.11.2014, 18:45 Uhr

das komplette SWAP Team kam kein 1/2 Jahr später,
bei einem Hubschrauber-Abschuss in Nahost ums leben
wie seinerzeit zu lesen war,
"als Racheaktion wie sich Al Kaida? brüstete".
oder (c.ia) Zeugen-Aktion?

Und der ist der Überlebene für Hollywoods Schlagzeilen?

Apropos
Hollywood
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