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29.02.2012

20:42 Uhr

US-Strategiewechsel

Nordkorea legt Atomprogramm auf Eis

Überraschend hat das kommunistische Regime in Nordkorea ein Gesprächsangebot aus Amerika angenommen: Nach Angaben aus Washington ist Pjöngjang bereit, seine Atom- und Raketentests auf Eis zu legen.

Nordkorea erklärt sich zu Atomteststopp bereit

Video: Nordkorea erklärt sich zu Atomteststopp bereit

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WashingtonNordkorea hat sich zweieinhalb Monate nach der Machtübernahme durch Kim Jong Un überraschend zu einem Atomteststopp und internationalen Inspektionen bereiterklärt. Das Moratorium gelte auch für den Stopp der Arbeiten in der Atomanlage Yongbyon und den Start von Langstreckenraketen, wie die amtliche Nachrichtenagentur KCNA und das US-Außenministerium am Mittwoch mitteilten. Die USA signalisierten zugleich ein Entgegenkommen bei Lebensmittellieferungen. In ersten Reaktionen äußerten Südkorea und Japan die Hoffnung, die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm wiederaufnehmen zu können.

Der langjährige Machthaber Kim Jong Il war im Dezember gestorben und wurde von seinem Sohn Kim Jong Un an der Spitze des kommunistischen Staates beerbt. Vertreter der USA und Nordkoreas verhandelten in der vergangenen Woche in Peking zum ersten Mal nach dem Machtwechsel über das Atomprogramm. Die Einigung könnte die Verhandlungen zwischen Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und den Vereinigten Staaten wieder in Gang bringen. Der Vereinbarung zufolge erlaubt das isolierte Land Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) den Zutritt in seine Kernanlage Yongbyon. Die Experten sollen dort überprüfen, ob die das Moratorium umgesetzt wird.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Im Gegenzug erklärten sich die USA bereit, die letzten Einzelheiten für Lebensmittellieferungen an Nordkorea zu klären. In dem hochgerüsteten Land leben Millionen Menschen in bitterer Armut. Im Gespräch ist die Lieferung von 240.000 Tonnen Nahrungsmitteln. Bei Bedarf könnte es weitere Hilfen geben, hieß es. Außenministerin Hillary Clinton erklärte, es handele sich um einen ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung. Die USA hätten mit Blick auf Nordkorea noch immer große Bedenken bei vielen Themen. Man werde die neuen Machthaber in Pjöngjang an ihren Taten messen, sagte Clinton 

Raketentest: Machtprobe in Nordkorea erschreckt die Region

Raketentest

Machtprobe in Nordkorea erschreckt die Region

Kim Jong Un gilt als Favorit für die Staatsspitze. Doch er ist nicht unumstritten.

Die USA verfolgten genauestens, ob es nach dem Tod von Staatschef Kim Jong Il im Dezember "Zeichen für Instabilität" in dem stalinistisch regierten Land gebe, sagte der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Admiral Robert Willard. Es scheine aber so, als wolle sein Sohn Kim Jon Un als Nachfolger die Politik seines Vaters fortsetzen. Dafür spreche auch, dass der neue Staatschef nach wie vor von Vertrauten seines Vaters umgeben sei.

Kommentare (1)

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emet

29.02.2012, 17:24 Uhr

Wer's glaubt wird selig!

„Jede Kriegsführung beruht auf Täuschung. Wenn wir also fähig sind, anzugreifen, müssen wir unfähig erscheinen […]; wenn wir nahe sind, müssen wir den Feind glauben machen, dass wir weit entfernt sind, wenn wir weit entfernt sind, müssen wir ihn glauben machen, dass wir nahe sind.“ - 孫子兵法

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