Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2014

07:46 Uhr

US-Terrorbekämpfung

Obamas sucht Strategie im Kampf gegen IS

US-Präsident Obama hat der IS-Terrormiliz den Kampf angesagt. Wie er die brutale Gruppe vernichten will, will er in einer Rede an die Nation verkünden – und dabei auch seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

US-Präsident Barack Obama: Er will gegen die IS-Terroristen vorgehen. ap

US-Präsident Barack Obama: Er will gegen die IS-Terroristen vorgehen.

WashingtonIn einer Rede an die Nation will US-Präsident Barack Obama am Mittwoch seinen Plan zur Vernichtung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorstellen. Obama erwägt, die Militärschläge gegen IS-Stellungen vom Irak auf das benachbarte Syrien auszuweiten. Es dürfte Obama bei der Ansprache darum gehen, die Amerikaner nach dem 2003 begonnenen Irakkrieg mit mehr als 4400 getöteten US-Soldaten auf einen weiteren längerfristigen Einsatz einzustimmen. Und er muss seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die ihm eine zaghafte Reaktion auf den IS-Vormarsch vorwerfen. Einen Einsatz von bewaffneten US-Bodentruppen im Irak und Syrien hat Obama mehrfach ausgeschlossen.

Vor seiner Ansprache informierte Obama führende Kongressmitglieder über den Anti-IS-Kampf. Am Dienstag erläuterte er vier Senatoren und Abgeordneten seine Strategie gegen die sunnitischen Extremisten. Dabei ging es ihm nicht darum, die laufenden Militärschläge im Irak und potenzielle Schritte im benachbarten Syrien billigen zu lassen. Letztlich lägen solche Entscheidungen bei Obama als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, hatte zuvor bereits einer seiner Sprecher deutlich gemacht.

Der IS-Siegeszug – Chronik Teil 1

6. Januar 2014

Im Irak und in Syrien dehnt die Miliz Islamischer Staat (IS) ihr Terrorregime auf immer mehr Orte aus. IS gewann 2013 an Einfluss, als der Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit sunnitischen Parteien eskalierte. Am 6. Januar besetzen IS-Rebellen Falludscha in der Provinz Anbar.

21. März 2014

IS liefert sich in der Provinz Dijala Kämpfe mit der Armee.

11. April 2014

Vor Gefechten in Anbar fliehen mehr als 400.000 Menschen.

10. Juni 2014

IS-Kämpfer nehmen Mossul ein. Im türkischen Konsulat werden fast 50 Geiseln genommen. Dazu kommen über 30 entführte türkische Lastwagenfahrer. Rund 500.000 Einwohner der Millionenstadt fliehen.

11. Juni 2014

IS kontrolliert weite Teile des Iraks. Dazu gehören Ninive, Anbar und Salaheddin mit den wichtigen Städten Baidschi und Tikrit.

12. Juni 2014

IS rückt weiter Richtung Bagdad vor. Regierungschef Nuri al-Maliki scheitert im Parlament mit dem Versuch, den Notstand ausrufen zu lassen.

13. Juni 2014

US-Präsident Barack Obama schließt ein Eingreifen von US-Bodentruppen aus, Washington bereite „andere Optionen“ vor. Auch Irans Präsident Hassan Ruhani sichert der schiitischen Regierung des Iraks Solidarität im Kampf gegen sunnitische Terroristen zu.

15. Juni 2014

Nachdem irakische Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer den Vormarsch der Dschihadisten gebietsweise stoppen konnten, führt IS den Kampf mit Videos und Fotos grausamer Exekutionen auch im Internet.

20. Juni 2014

Zweieinhalb Jahre nach Ende des Irak-Kriegs bereiten sich die USA auf neue Militärschläge im Land vor. Luftangriffe gegen IS-Rebellen sind nicht mehr ausgeschlossen. Außerdem seien die USA bereit, bis zu 300 Militärberater ins Land zu schicken.

24. Juni 2014

Angesichts des IS-Vormarsches wollen verfeindete Schiiten, Sunniten und Kurden im Irak rasch eine gemeinsame Regierung bilden. Al-Maliki lehnt diese ab und verschärft damit die Krise.

Obamas hält seine abendliche Rede kurz nach der lange erwarteten Regierungsbildung im Irak. Der neue Ministerpräsident Haidar al-Abadi äußerte sich entschlossen, alle Terrorgruppen aus dem Land zu treiben. Einer neuen CNN-Umfrage zufolge sind drei Viertel der US-Bürger dafür, die Militärschläge gegen IS-Stellungen fortzusetzen. Sieben von zehn Amerikanern befürchten, der IS könnte die USA direkt mit Terroranschlägen angreifen. Aber es gibt auch Stimmen, die zur Vorsicht mahnen. Einer von Obamas Beratern, der Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezinski, riet zu Zurückhaltung im Kampf gegen die Terrorgruppe.

„Obama wurde in die Enge getrieben. Ohne zu überlegen, fordern viele eine amerikanische Militäraktion aus der Luft und auf dem Boden“, sagte er in einem Interview der Deutschen Welle. Die USA hätten allen Grund, sehr vorsichtig zu sein. „Aber reagieren müssen sie - als Teil einer größeren Koalition, in der die Rolle Amerikas genau definiert ist“, betonte Brzezinski.

US-Außenminister John Kerry will bei einer Reise nach Jordanien und Saudi-Arabien um weitere Unterstützer für den Kampf gegen den IS werben. Die USA hoffen, nach der beim Nato-Gipfel in Wales gebildeten Zehner-Koalition, zu der auch Deutschland gehört, auch Staaten aus der Region auf ihre Seite zu ziehen.

Der IS-Siegeszug – Chronik Teil 2

30. Juni 2014

Nach ihrem Vormarsch in Syrien und im Irak ruft IS ein grenzübergreifendes Kalifat aus, Kalif wird ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi. Die USA schicken 200 weitere Soldaten nach Bagdad.

18. Juli 2014

Die Vereinten Nationen werfen IS, aber auch der irakischen Armee schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Laut einem Bericht der UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wurden allein 2014 fast 5600 Zivilisten getötet. Rund 1,2 Millionen Menschen seien auf der Flucht.

24. Juli 2014

Nach wochenlangem Machtvakuum wählt das Parlament in Bagdad den Kurden Fuad Massumein zum Präsidenten. Einen neuen Regierungschef gibt es nicht, Al-Maliki besteht auf einer weiteren Amtszeit.

25. Juli 2014

Nach Terror gegen Christen und Schiiten geht IS nun auch gegen andere sunnitische Kämpfer vor. In Ninive zerstört die Miliz weitere wichtige Kulturstätten und Heiligtümer.

3. August 2014

Die Terrorgruppe vertreibt kurdische Kämpfer aus großen Gebieten nahe Mossul. Beim Überfall auf das Hauptsiedlungsgebiet der kurdischen Minderheit der Jesiden werden viele von ihnen getötet. Der Vormarsch löst eine panische Massenflucht aus.

7. August 2014

IS erobert weitere christliche Ortschaften im Nordirak. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. In Bagdad dauert der Streit um das Amt des Regierungschefs an.

7. August 2014

Der UN-Sicherheitsrat verurteilt das brutale Vorgehen der IS scharf. Obama genehmigt Luftangriffe auf die Milizen zum Schutz amerikanischer Militärangehöriger und bedrohter Minderheiten im Nordirak. Ein Völkermord müsse verhindert werden, sagt Obama.

20. August 2014

Die Terrormiliz veröffentlicht ein grausames Video, das die Enthauptung des US-Journalisten James Foley zeigen soll. Foley war im Jahr 2012 in Syrien entführt worden. Die Mutter bestätigte, dass es sich in dem Video um ihren Sohn handelt.

Im umkämpften Irak wächst mit der Regierungsbildung die Hoffnung, dass der Kampf gegen die Sunnitenmiliz auch politisch stärkeren Rückhalt bekommt. Das mit Schiiten, arabischen Sunniten und Kurden besetzte Kabinett von Ministerpräsident Al-Abadi traf sich am Dienstag zu seiner ersten Sitzung. Nach einem monatelangen Machtkampf hatte das Parlament am späten Montagabend die neue Regierung und Al-Abadis Programm gebilligt.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

10.09.2014, 08:37 Uhr

Obamas Kampf gegen den IS
----------
In einer Rede an die Nation will US-Präsident Barack Obama am Mittwoch seinen Plan zur Vernichtung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorstellen. Obama erwägt, die Militärschläge gegen IS-Stellungen vom Irak auf das benachbarte Syrien auszuweiten.

Na denn, viel Erfolg!
Diese Terrormiliz muss ausgerottet werden. Und zwar mit Stumpf und Stiel!
Und auch ihre Unterstützer! Diese kommen bekanntlich aus Saudi-Arabien und Katar.

G. Nampf

10.09.2014, 10:36 Uhr

@ Teito Klein

Richtig.

Allein die Tatsache, aß Obama nach einer Strategie "sucht", zeigt seine ganze Schwäche.

Die Strategie muß lauten: "Wir bomben Euch zu Gulasch, wo immer Ihr auch seid. Und Eure Unterstützer (Salafisten) kommen nach Guantanamo. Bis sie krepieren."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×