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04.05.2011

15:19 Uhr

US-Truppen

Osamas Tod entfacht neue Diskussion über Afghanistan-Einsatz

Der symbolische Grund für den Krieg in Afghanistan ist mit Bin Laden gestorben. Doch Barack Obama wird es trotzdem nicht leicht haben, die Truppen schnell abzuziehen und den Krieg zu beenden.

Pakistanischer Zeitungsleser am Tag der Todesnachricht. Quelle: dpa

Pakistanischer Zeitungsleser am Tag der Todesnachricht.

Washington Der Tod von Osama bin Laden verkompliziert eine bereits schwierige Situation für den US-Präsidenten Barack Obama. Wie kann der fast ein Jahrzehnt währende Krieg in Afghanistan zu Ende gebracht werden? Der symbolische Kriegsgrund für das militärische Engagement der USA in Afghanistan ist mit dem Tod des Führers der Al Kaida weggefallen.

Schon vor dem Einsatz der US-Spezialkräfte in der Nacht zum Montag, bei dem bin Laden getötet wurde, waren Rufe lauter geworden, den Einsatz auslaufen zu lassen und Kosten zu sparen. Nun könnte bin Ladens Tod Obamas Entschlossenheit bestärken, den Krieg in Afghanistan hinter sich zu bringen und den Truppenabzug zu beschleunigen. Allerdings muss der Präsident mit dem Gegenwind seiner Kommandeure rechnen. Sie plädieren für einen vorsichtigeren und weniger umfangreichen Truppenabzug. Sie befürchten, dass Afghanistan sonst wieder im Chaos versinkt.

Die Führung der US-Streitkräfte befürchtet, dass hart erkämpfte Gewinne auf dem Schlachtfeld wieder verloren gehen könnten - vor allem die Fortschritte, die mit Hilfe der im vergangenen Jahr zusätzlich entsandten 30.000 US-Soldaten erkämpften wurden. Zudem erhöht die gerade erst angelaufene Frühjahrsoffensive der Aufständischen den militärischen Druck.

Der demokratische Senator Richard Durbin formulierte die weitverbreitete Skepsis gegenüber dem Krieg in Afghanistan, als er am Dienstag sagte, dass er sich zu Beginn des Krieges im Oktober 2001 nicht hätte vorstellen können, dass US-Einheiten heute immer noch vor Ort sein würden, "ohne ein absehbares Ende in Sicht, selbst nach dem Tod von Osama bin Laden".

Die US-Regierung hat immer wieder betont, dass Afghanistan nicht wieder sich selbst überlassen werden soll. Sie verweist auf 1989 und die damals getroffene Entscheidung, nach dem Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan selbst abzuziehen. Das Chaos, das folgte, der Aufstieg der Taliban und die Präsenz der Al Kaida, die Afghanistan als Terrorbasis nutzte, seien eine ausdrückliche Warnung, diesen Fehler nicht zu wiederholen.

Sollten sich die USA überstürzt zurückziehen, könnte das Problem lediglich an einen zukünftigen Präsidenten vererbt werden. "Ich will genauso wie alle anderen, dass sie (die US-Truppen) nach Hause kommen, aber ich will nicht, dass sie wieder dorthin zurück müssen", sagte Senator Lindsey Graham. Er unterstützt Obamas Abzugspläne, die vorsehen, die letzten Kampftruppen bis 2014 abzuziehen. Seine Empfehlung an den Präsidenten: "Halte an dem Plan fest".

Der Präsident des Repräsentantenhauses, der republikanische Abgeordnete John Boehner, sagte, es sei offensichtlich, dass die Pläne der Regierung fruchteten. "Ich möchte nicht, dass wir irgendwelche Schritte unternehmen, die den Fortschritt, den wir gemacht haben, gefährden", sagte Boehner in einem Interview.

Der demokratische Senator John Kerry gab zu bedenken, dass der Tod von bin Laden den öffentlichen Druck für einen Abzug verstärken werde. "Manche Leute werden fragen, warum wir nicht unsere Sachen packen und Afghanistan verlassen. Das können wir nicht tun", sagte Kerry, der in den kommenden Wochen nach Afghanistan reisen wird. "Es reicht nicht, einfach einen Zeitplan zu erstellen. Wir müssen ausformulieren, was für ein Afghanistan wir hinterlassen wollen, damit wir unsere Ziele auch erreichen".

Von

dapd

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