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30.01.2017

15:43 Uhr

US-Unternehmen reagieren auf Einreisestopp

„Lasst die Türen offen“

Viele US-Konzerne kritisieren das Einreiseverbot von Präsident Trump heftig. Besonders Techfirmen könnten langfristig unter den Einschränkungen leiden. Auch die deutsche Industrie zeigt sich besorgt. Ein Überblick.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg stellt sich klar gegen Trump. Das Einreisverbot für Muslime aus insgesamt sieben Ländern kritisierte er. AP

Mark Zuckerberg kritisiert Trump

Facebook-Chef Mark Zuckerberg stellt sich klar gegen Trump. Das Einreisverbot für Muslime aus insgesamt sieben Ländern kritisierte er.

New YorkViele US-Unternehmen haben beunruhigt auf das von Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für viele Muslime reagiert. Howard Schultz, der Chef der Kaffeerestaurantkette Starbucks, wandte sich in der Nacht auf Montag mit „tiefer Besorgnis“ auf der Website des Unternehmens an die Mitarbeiter. Er bezeichnete Trumps Erlass als verwirrend und kündigte Pläne an, um in den nächsten fünf Jahren 10.000 Flüchtlingen Jobs bei Starbucks anbieten zu können. Die Menschen sollten in den kommenden fünf Jahren bei der Cafehaus-Kette einen Job bekommen, erklärte Starbucks-Chef Howard Schultz am Sonntag.

Goldman-Sachs-Chef Llyod Blankfein meldete sich bei seinen Mitarbeitern per Voicemail mit der Begrüßung „Hier spricht Lloyd“ und sagte: „Das ist eine Politik, die wir nicht unterstützten, und ich möchte anmerken, dass sie von einem Bundesgericht auch schon in Frage gestellt worden ist.“ Er setzte hinzu: „Wenn die Anordnung dauerhaft in Kraft bleibt, dann kann sie meiner Meinung der Firma Schaden zufügen, und mehr noch unseren Mitarbeitern und deren Familien.“ Er versprach den Betroffenen Hilfe und bekannte sich dazu, dass die Vielfalt seiner Mitarbeiter zum Erfolg der Bank beiträgt. Goldman ist in den letzten Wochen oft kritisiert worden, weil US-Präsident Donald Trump zahlreich Ex-Mitarbeiter in seine Regierung berufen hat.

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Wesentlich vorsichtiger hat sich JP Morgan geäußert. Die Bank verspricht ihren Mitarbeitern auch Hilfe, nimmt aber nicht direkt Stellung. Es heißt nur: „Mit 140.000 Mitarbeitern allein in den USA sind wir dankbar die harte Arbeit und die Opfer dafür, dass unser Land sicher bleibt. Zugleich werden unser Land, die Wirtschaft und Wohlfahrt nach unserem Verständnis durch die Vielfalt der Welt um uns herum gestärkt.“

Lawrence Summers, ehemaliger Finanzminister der USA, twitterte: Die globalen Firmen haben ein großes Interesse daran, dass die USA das Land der Freiheitsstatue bleibt und nicht das Land der Flüchtlingslager und Stacheldrahtzäune wird.

„Viele Menschen, die negativ von dieser Politik betroffen sind, sind starke Unterstützer der USA“, twitterte Tesla-Chef Elon Musk. „Sie haben das Richtige getan, nicht das Falsche, und sie verdienen es nicht zurückgewiesen zu werden.“ Trumps Einreiseverbot für Staatsangehörige einiger überwiegend muslimischer Länder sei „nicht der beste Weg“, mit den Herausforderungen des Landes umzugehen.

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Uber-Chef Travis Kalanick bezeichnete das Dekret in einem Facebook-Post als „verkehrt und ungerecht“. Das Unternehmen verkündete, dass dutzende Angestellte und einige Fahrer von dem Verbot direkt betroffen seien. „Diese Anordnung betrifft tausende Uber-Fahrer, die aus den gelisteten Ländern kommen“, sagte er. Viele von ihnen seien im Urlaub in den vom Einreisestopp betroffenen Ländern, um etwa ihre Familien zu besuchen. Diese Fahrer würden nun ausfallen. Bei Uber hieß es, man arbeite daran, die ausfallenden Fahrer zu kompensieren.

General-Electric-Chef Jeff Immelt erklärte in einem Firmenblog, aus dem verschiedene US-Medien zitierten, er teile die Sorgen seiner Mitarbeiter. Immelt versprach, GE werde den betroffenen Angestellten zur Seite stehen und versuchen, mit der Trump-Administration an Lösungen zu arbeiten.

Zuvor hatte es bereits Kritik und Reaktionen von großen Techkonzernen gegeben. Diese setzen besonders stark auf Experten aus dem Ausland. Google etwa rief noch vor dem Inkrafttreten des Erlasses von Präsident Donald Trump mehr als 100 Mitarbeiter, die aus muslimischen Ländern stammen und sich gerade im Ausland aufhielten, in die Vereinigten Staaten zurück. Viele von ihnen würden generell in den USA arbeiten, seien aber auf Geschäftsreisen im Ausland gewesen.

Konzernchef Sundar Pichai kritisierte das Vorgehen des neuen Regierungschefs im Weißen Haus scharf. „Es ist schmerzlich zu sehen, wie sich diese Anordnung persönlich auf unsere Kollegen auswirkt“, schrieb er am Freitag in einer Nachricht an seine Mitarbeiter, aus der die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte. Eine Sprecherin ergänzte: „Wir sind besorgt über die Auswirkungen dieser Anordnung und Vorschläge, die Einschränkungen für Google-Mitarbeiter und ihre Familien mit sich bringen könnten oder Schranken aufbauen, die große Talente an der Einreise in die USA hindern könnten.“

Kommentare (2)

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Herr Toni Ebert

30.01.2017, 10:19 Uhr

Wir sollten auch hierbei bedenken, dass es sich um Personen aus Ländern handelt, die den Terror in die Welt tragen.

Dass man auch mit Terroristen gut Geschäfte machen kann, hat Obama ja hervorragend gut bewiesen, aber hier geht es um die Sicherheit der Bevölkerung, die sich nicht wie Frau Merkel und Mr. Zuckerberg 100 Leibwächter leisten kann.

Trump ist angetreten, um auch dem normalen Menschen die Hoffnung zurück zu ringen.

Herr Josef Steiner

30.01.2017, 11:54 Uhr

Aller Anfang ist schwer. Wenn man aber nie anfängt, wird es umso schwerer mit der Problematik umzugehen.

Trump hat ein Zeichen gesetzt. Ob es so aufrecht erhalten werden kann, wird sich zeigen. Aber die bisherige Politik der USA hat NICHTS dazu beigetragen, das Problem auch nur ansatzweise zu lösen, im Gegenteil. Sie sind sogar der Verursacher des Problems. Das hat Trump selber festgestellt:

"Wir hätten den Irak damals nicht eingreifen dürfen. Wir haben in ein Wespennest geschlagen und nun haben wir das vermutlich größte Schlamassel der Welt erzeugt."

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