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30.01.2012

06:57 Uhr

US-Verteidigungsminister

„Iran könnte in einem Jahr Atombombe herstellen“

Binnen eines Jahres könnte Iran laut dem US-Verteidigungsminister Leon Panetta eine Atombombe herstellen. Doch möglicherweise ist die Entscheidung für den Bau einer Bombe in Teheran noch gar nicht gefallen.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta bereitet die Lage im Iran Kopfzerbrechen. AFP

US-Verteidigungsminister Leon Panetta bereitet die Lage im Iran Kopfzerbrechen.

WashingtonDer Iran könnte nach Einschätzung der US-Regierung binnen zwölf Monaten Atomwaffen entwickeln. „Der Konsens ist, dass wenn sie sich dazu entscheiden, sie wahrscheinlich rund ein Jahr brauchen, um eine Bombe herstellen zu können“, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta dem Fernsehsender CBS. Anschließend würden sie noch ein oder zwei Jahre brauchen, um sie auf einem Trägersystem wie einer Rakete zu installieren. Weitere ein bis zwei Jahre würde es dauern, ein Trägersystem zu herzustellen, um die Waffe einzusetzen.

Die Aussagen von Panetta legen nahe, dass er davon ausgeht, dass der Iran noch keine Entscheidung zum Bau einer Bombe getroffen hat. Anfang 2011 waren die 16 US-Nachrichtendienste zu dem Schluss gekommen, dass die iranische Führung in der Frage der Entwicklung einer Atombombe gespaltener Meinung ist. Auch wenn sie ihr umstrittenes Atomprogramm fortführe, habe sie noch keinen Entschluss für den Bau einer Bombe getroffen, hieß es damals in dem gemeinsamen Bericht der Nachrichtendienste.

Panetta betonte erneut, die USA würden es nicht zulassen, dass die iranische Regierung in den Besitz von Atomwaffen gelange. „Wenn sie fortfahren und wir Informationen erhalten, dass sie mit der Entwicklung einer Kernwaffe fortfahren, werden wir alles tun, was nötig ist, um es zu verhindern“, sagte er.

Für die USA und offensichtlich auch für Israel gebe es hier eine rote Linie. Panetta schloss auch ein militärisches Vorgehen nicht aus. „Es gibt keine Optionen, die nicht auf dem Tisch sind“, sagte er.

Die EU-Sanktionen gegen Iran

Verbot der Einfuhr von Mineralöl

Verbot der Einfuhr von Mineralöl spätestens ab 1. Juli. Lieferungen an Italien bleiben erlaubt, weil es sich um Begleichung iranischer Schulden handelt.

Einfrieren aller Konten

Einfrieren aller Konten der iranischen Zentralbank in Europa. „Legitime Geschäfte“ sollen jedoch in Ausnahmefällen „unter dtrikten Kontrollen“ weiter erlaubt sein.

Einreiseverbot

Einreiseverbot für 116 Personen, die das Atomprogramm fördern. Sofern sie Vermögen in der EU haben, wird dieses eingefroren. Gegen 61 Personen gibt es Einreiseverbote wegen der Unterdrückung der Opposition.

Handelsverbot

Ein Verbot, mit 441 meist iranischen Firmen und Organisationen Geschäfte zu machen. Auch deren Vermögenswerte in der EU sind eingefroren. Betroffen sind die Bereiche Bankwesen, Versicherungen, Nukleartechnik, Luftfahrt, Schifffahrt, Elektronik, Chemie, Öl- und Gasförderung.

Exportverbote für Ausrüstung und Technologie

Exportverbot für Ausrüstung und Technologie für die Öl- und Gasförderung, Verbot von Investitionen oder Krediten für diesen Bereich. Verbot von Krediten für die iranische Regierung oder deren Einrichtungen.

Exportverbot für Waffen und Telekommunikationsgeräte

Exportverbot für Waffen, Technologie oder Güter für nukleare Anlagen, Chemikalien, Elektronik, Navigationsgerät sowie bestimmte Telekommunikationsgeräte.

Kontrolle aller Geldtransfer

Kontrolle aller Geldtransfers aus der EU in den Iran. EU-Banken müssen Überweisungen melden und dürfen keine neuen Filialen im Iran eröffnen. Verbot für iranische Banken, Gemeinschaftsunternehmen in der EU zu vereinbaren. Verbot des Handels mit iranischen Anleihen.

Verschärfte Kontrolle von Frachtschiffen

Verschärfte Kontrollen von Fracht auf Schiffen der iranischen Staatsreederei. Verbot von Frachtflügen aus dem Iran in die EU.

Am Sonntag traf eine ranghohe Delegation der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Teheran ein, um eine Reihe offener Fragen im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm zu klären. Zudem soll sie während ihres dreitägigen Besuch versuchen, die Gespräche über das Atomprogramm wieder in Gang zu bringen, die seit mehr als einem Jahr auf Eis liegen. Womöglich können die IAEA-Experten auch die neue unterirdische Urananreicherungsanlage Fordo bei der Stadt Ghom besuchen.

Kommentare (27)

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30.01.2012, 07:27 Uhr

Wie glaubwürdig ist es, dass der Iran ausschliesslich die friedliche Nutzung der Atomenergie anstrebt?

Das ist nicht glaubwürdig. Die eigentliche Frage lautet: Baut der Iran eine Bombe, oder will der Iran die technischen Voraussetzungen schaffen, um zu einem Zeitpunkt seiner Wahl, die Bombe bauen zu können. Ich glaube Letzteres. Es geht darum, dass die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Trägersysteme vorhanden sind.

http://www.20min.ch/news/dossier/atomstreit/story/30500952

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30.01.2012, 07:32 Uhr

"Für die USA und offensichtlich auch für Israel gebe es hier eine rote Linie. Panetta schloss auch ein militärisches Vorgehen nicht aus. „Es gibt keine Optionen, die nicht auf dem Tisch sind“, sagte er."

Also diese Aussage hat es in sich. Die USA will wohl wieder ihre weltweite Diktatur durch Gewalt ausweiten. Nun ja, mit China wird dies wohl nicht mehr so einfach werden und der Spiess koennte sich rasch herumdrehen. Dann waeren noch Pakistan, vielleicht auch Indien, auch Russland, vielleicht die ganze Welt.

Account gelöscht!

30.01.2012, 07:38 Uhr

@Energieelite

Sicherlich haben sie im Iran auch Massenvernichtungswaffen, die sie auf LKW herumfahren, wie von Powell vor der UNO so grossartig beim Irak praesentiert. Es war eine der vorsaetzlichen Luegen um den Irak ueberfallen zu koennen. Ich denke, man muss auch die Behauptungen der USA etwas mehr gewichten. Es geht letztlich mal wieder um unzaehlige Menschenleben.

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