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16.04.2017

10:46 Uhr

US-Vizepräsident in Südkorea

Pjöngjang fordert die USA mit Raketentest heraus

VonMartin Kölling

Von Entspannung keine Spur: Kurz vor der Ankunft von US-Vizepräsident Pence in Südkorea schießt Pjöngjang eine Rakete in den Himmel. Ein amerikanischer Schlag gegen Nordkoreas Atomanlagen scheint nicht mehr undenkbar.

Experten schätzen, dass Pjöngjang ein kleines Lager an Atomwaffen sowie einen beeindruckenden Vorrat an Kurz- und Mittelstreckenraketen besitzt. AP

Raketenstart

Experten schätzen, dass Pjöngjang ein kleines Lager an Atomwaffen sowie einen beeindruckenden Vorrat an Kurz- und Mittelstreckenraketen besitzt.

TokioUS-Präsident Donald Trump mag Pjöngjang gedroht haben, bei weiteren Atombomben- oder Langstreckenraketentests militärische Gegenschläge zu erwägen. Doch Nordkoreas Führer Kim Jong-un zeigt sich davon unbeeindruckt. Nur wenige Stunden bevor US-Vizepräsident Mike Pence in Südkorea zum Auftakt zu seiner zehntägigen Asienreise landen sollte, schossen Kims Militärs vom ostkoreanischen Hafen Sinpo aus erneut eine Rakete in den Himmel.

Nach Angaben des Pazifikkommandos der US-Streitkräfte explodierte die Rakete kurz nach dem Start. Zudem handelte es sich wahrscheinlich nicht um eine Langstreckenrakete, die die USA erreichen könnte. Doch Südkoreas Außenministerium sprach angesichts der ohnehin schon angespannten Lage in Ostasien, der Parade von offensiven Raketen am Sonnabend und dem Raketentest vom Sonntag dennoch von einer „Machtdemonstration, die die gesamte Welt bedroht.“

Schon am Freitag hatte der chinesische Außenminister Wang Yi gewarnt, dass auf der koreanischen Halbinsel jederzeit Krieg ausbrechen könnte. Denn die USA und Nordkorea spitzten den seit Jahren schwelenden Konflikt zuletzt sowohl mit ihrer Rhetorik als auch durch ihr Handeln deutlich zu.

Nordkorea hat sich nicht nur mit immer neuen Raketenstarts über ein Testverbot der Vereinten Nationen hinweggesetzt, sondern bereitet nach Aussagen amerikanischer Experten auch einen sechsten Atombombentest vor. Doch Trump reagierte auf diese Entwicklung anders als Obama nicht mehr nur durch neue Sanktionsdrohungen, sondern ließ auch militärisch die Muskeln spielen.

Erst sagte sein Außenminister Rex Tillerson bei seiner ersten Asienreise, dass auch militärische Optionen gegen Nordkorea auf dem Tisch lägen. Voriges Wochenende beorderte Trump zudem den Flugzeugträger USS Carl Vinson mitsamt seiner Begleitflotte zur koreanischen Halbinsel, um seine Drohung zu unterstreichen.

Dies hat in Ostasien erstmals seit Jahren größere Nervosität ausgelöst. Die alte Gewissheit, dass die USA den Norden aus Sorge um einen großen Krieg in der Region nicht angreifen würden, ist dahin. Selbst erfahrene Sicherheitsexperten halten amerikanische Schläge gegen Nordkoreas Atomanlagen oder Führung inzwischen für denkbar.

Der Korea-Experte Robert Kelly von der Busan National-Universität nannte den fehlgeschlagenen Test daher „das bestmögliche Ergebnis“. Trump muss nicht handeln, Kim kann vor seiner Bevölkerung und der Welt den starken Mann markieren. Doch die Krise ist damit noch nicht vorbei.

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