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17.03.2016

14:34 Uhr

US-Vorwahlen und Republikaner

Prominenter US-Blogger ruft zum Aufstand gegen Trump auf

VonTina Halberschmidt

Ein prominenter US-Blogger greift Donald Trump scharf an. In einem offenen Brief erklärt er, Widerstand gegen dessen Präsidentschaftskandidatur sei eine Frage der Moral. Der Zuspruch für den Brief ist überwältigend.

Der US-Blogger Stanton fühlt sich moralisch verpflichtet, Widerstand gegen den Präsidentschaftsbewerber Trump zu leisten. In einem offenen Brief kritisiert er den Republikaner scharf. dpa

Donald Trump

Der US-Blogger Stanton fühlt sich moralisch verpflichtet, Widerstand gegen den Präsidentschaftsbewerber Trump zu leisten. In einem offenen Brief kritisiert er den Republikaner scharf.

New YorkZwei Millionen „Gefällt mir“ und über eine Million Shares – ein offener Brief, in dem US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump scharf kritisiert wird, verbreitet sich gerade viral im Netz. Veröffentlicht und verfasst hat den Brief ein Autor und Fotograf, der in New York berühmt ist: Brandon Stanton.

Der 32-jährige Ex-Börsianer betreibt seit dem Sommer 2010 den Blog „Humans of New York“, in dem er ganz normale Bewohner der Metropole mit einem Foto und einem Zitat vorstellt. Bei Facebook hat Stanton über 17 Millionen Fans, auf der Foto-Plattform Instagram fast fünf Millionen Follower – nicht nur deswegen nahm ihn das „Time“-Magazin 2014 in die Liste „30 Menschen unter 30, die die Welt verändern“ auf.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Eigentlich habe er im Wahlkampf keine Partei ergreifen wollen, schreibt Stanton jetzt bei Facebook in einem offenen Brief, der an „Mr. Trump“ gerichtet ist. Er habe daher auch Interviews mit mehreren Präsidentschaftsbewerbern abgelehnt. Doch nun müsse er sich „Gewalt und Vorurteilen“ entgegenstellen. Wie „Millionen anderer Amerikaner“ habe er realisiert, dass es nicht länger eine politische Entscheidung sei, gegen Trump zu protestieren, sondern eine moralische.

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Stantons klare Kante findet bei Facebook viel Zustimmung. Überall auf der Welt würde man sich wundern, warum Trump so viele Stimmen bekomme, kommentiert eine Nutzerin aus Indien und erhält dafür fast 200.000 Likes. „Wir wundern uns auch“, ist die Antwort einer Amerikanerin. Fast 40.000 Facebook-Nutzern gefällt das.

Tatsächlich macht Trump immer wieder mit provokanten Äußerungen von sich reden. So wetterte er gegen Menschen mit Behinderungen , Juden, Frauen und Dunkelhäutige und ermutige „genussvoll zu Gewalt“, wie Stanton meint.

Als Journalist habe er in den vergangenen zwei Jahren viele Interviews mit Muslimen und Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak geführt, so Stanton weiter. Er könne deswegen mit Sicherheit sagen, nicht diese Menschen seien hassenswert. Sondern Trump.
Derselben Meinung ist Chris Austin Hadfield: Der ehemalige kanadische Astronaut bedankte sich für Stantons offene Worte und teilte das Posting des Bloggers mit seinen eigenen knapp 850.000 Facebook-Fans.

An Open Letter to Donald Trump:Mr. Trump,I try my hardest not to be political. I’ve refused to interview several of...

Posted by Humans of New York on Montag, 14. März 2016

Trump selbst hat sich zu den Vorwürfen noch nicht öffentlich geäußert. Lieber macht er sich in einem Instagram-Video über seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton lustig und feiert sich für seinen Sieg bei den Vorwahlen im US-Bundesstaat Missouri.


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