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03.03.2012

16:48 Uhr

US-Vorwahlen

Wie Romney zum „Rombo“ wurde

VonAstrid Dörner

Kaum ein US-Wahlkampf war von so viel Schmutz und Intrige geprägt wie der aktuelle. Mit Enthüllungen über den Gegenkandidaten versuchen die Aspiranten, Stimmen zu gewinnen - und nehmen damit eigenen Schaden in Kauf.

Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Mitt Romney, will Präsident werden. Mit seinen politischen Gegnern geht er nicht zimperlich um. dapd

Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Mitt Romney, will Präsident werden. Mit seinen politischen Gegnern geht er nicht zimperlich um.

WashingtonWie Rick Santorums kreative Strategen den Konkurrenten Mitt Romney sehen, haben sie in einem Werbespot zusammengefasst: Ein Doppelgänger von Romney schießt Fäkalien aus einem Maschinengewehr auf Rick Santorum, trifft ihn aber nicht. Am Ende geht ein Schuss nach hinten los und Romney trifft sich selbst – mitten aufs Herz.

Der Spot mit dem Titel „Rombo“ ist eine Anspielung auf Romneys Wahlkampfmaschine, die seine Gegner im US-Vorwahlkampf so lange mit aggressiven Werbespots befeuert, bis sie die Zustimmung der Wähler verlieren. Auch in Michigan hat die Methode Romney zum Erfolg verholfen. Er gewann Dienstagnacht mit 41,1 Prozent der Stimmen. Santorum kam auf 37,9 Prozent. In der letzten Woche vor der Wahl gaben Romneys Unterstützer mehr als doppelt so viel Geld für Wahlkampfspots aus wie Santorum. Dabei lag Santorum gut zehn Tage vor der Wahl noch deutlich in Führung.

„Es gibt eine ungewöhnlich hohe Anzahl an negativen Werbespots in diesen Vorwahlen“, sagt Ken Goldstein von der Campaign Media Analysis Group, die politische Werbung auswertet. Das Rennen um das oberste Amt im Weißen Haus könnte in diesem Jahr das schmutzigste aller Zeiten werden. Aggressive politische Werbespots, sogenannte Attack-Ads, sind das mit Abstand beliebteste Mittel in der Schlammschlacht. Und sie werden von allen Lagern eingesetzt.

Es ist die dunkle Seite des hochprofessionellen US-Wahlkampfs. Meist stehen sogenannte Super-Pacs hinter den bösen Spots. Das sind Organisationen, die einen bestimmten Kandidaten unterstützen, aber nicht seiner offiziellen Kampagne angehören. Deshalb kann sich der Kandidat bequem von den Attacken distanzieren. Und der schmutzigen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen, Lügen als Fakten dargestellt, die Gegner als „Abschaum“ (Gingrich) und „Unternehmenskiller“ (Romney) bezeichnet.

Das System der Vorwahlen in den USA

Wahlmänner

Bei der Präsidentenwahl geben die US-Bürger ihre Stimme nicht für eine Partei ab, sondern indirekt über Wahlmänner für eine Einzelperson. Theoretisch könnten daher mehrere Kandidaten einer Partei gegeneinander antreten, was aber die Wählerschaft spalten würde. Um das zu verhindern, kämpfen die Bewerber bei den Vorwahlen um das Recht, als Einzige im Namen ihrer Partei antreten zu dürfen.

National conventions

Nicht die Parteispitze bestimmt den gemeinsamen Kandidaten, sondern die Basis. Dazu finden seit 1832 Parteitage („national conventions“) statt. Hier kommen Tausende Delegierte zusammen, die bei den Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten ernannt wurden und sich verpflichtet haben, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen. Der Parteitag der Demokraten findet vom 3. bis 6. September in North Carolina statt, der der Republikaner vom 27. bis 30. August in Florida.

Caucus und primary

Wie viele Delegierte jeder Bundesstaat schickt, hängt hauptsächlich von seiner Bevölkerungszahl ab. Auch der genaue Ablauf einer Vorwahl ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Es werden grundsätzlich zwei Verfahren unterschieden: Die traditionelle Urwahl (“caucus“) und die Vorwahl im engeren Sinn (“primary“), die inzwischen häufiger ist.

Bei einer Urwahl treffen sich die Parteimitglieder in kleinen Gruppen, um über die Kandidaten zu debattieren. Sie halten Reden und stimmen dann ab. Diese Wahl muss nicht geheim sein. Das Verfahren ist zeitaufwendig und gibt örtlichen Parteiführern großen Einfluss. Die Teilnehmer beschäftigen sich jedoch sehr intensiv mit den Kandidaten. In den meisten Bundesstaaten findet dagegen eine geheime Wahl statt. Das Verfahren wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt, um der Basis mehr Einfluss zu geben. Bei geschlossenen Vorwahlen (“closed primaries“) dürfen nur registrierte Parteimitglieder eine Stimme abgeben, bei den offenen Vorwahlen (“open primaries“) jeder Wähler.

Gestaffelter Ablauf

Die Vorwahlen finden nicht gleichzeitig in jedem Bundesstaat statt, sondern gestaffelt bis zum Sommer. Den frühen Abstimmungen - insbesondere Iowa (3. Januar) und New Hampshire (10. Januar) - kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn Kandidaten, die dort schlecht abschneiden, geben oft auf. Unter Umständen wird die Führung eines Bewerbers schon nach den Wahlen in wenigen Bundesstaaten so klar, dass seine Ernennung auf dem Parteitag nur noch eine Formalität ist. Daher investieren die Kandidaten überproportional viel Zeit und Geld in frühe Wahlkämpfe.

Für die schiere Flut der Attack-Ads gibt es nur einen Grund: „Sie wirken!“, sagt Jeff Miller, der Teil der Wahlkampfmaschine ist und seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Er wird für US-Präsident Barack Obama politische Werbespots produzieren, sobald Obama richtig in den Wahlkampf einsteigt. Im Schutz der Anonymität will der Video-Macher offen reden – über die Strategien hinter den aggressiven politischen Werbespots und über die Kunst der politischen Zerstörung.

Kommentare (11)

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Macht

03.03.2012, 18:00 Uhr

Diese "Rambos" versetzen uns zurueck 1950. Wir muessen Obama behalten. Biden sagte genau warum. Sollten die "Rambos" an die Macht kommen, werden die Frauen wieder machtlos.

Account gelöscht!

03.03.2012, 18:04 Uhr

Gut, dann sind wir Merkel endlich los :)

Account gelöscht!

03.03.2012, 18:17 Uhr

Ich kann Biden nur zustimmen. Bewahrt uns vor den Rep's im Weissen Haus, wir haben doch allen miterleben dürfen was dann passiert (G.W.B) denn es werden nicht nur die Frauen machtlos, sondern die Rep's werden zusammen mit Israel gegen den Iran vorgehen (und das bei dem Haushaltsloch) und die Europäer werden mit noch mehr Einreisebeschränkungen belegt werden, frei nach dem Motto uns gehört die Wwelt und der Rest kann sehen wo er bleibt.
und die Merkel werden wir leider auch nicht los werden auf diesen Weg ausser sie wandert in die USA aus.

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