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07.08.2015

07:12 Uhr

US-Wahl 2016

Alle gegen einen Egomanen

VonMoritz Koch

Bei der TV-Debatte der Republikaner schießen sich alle auf Donald Trump ein. Der Milliardär ist längst zum Problem geworden. Doch sein Ego-Trip geht munter weiter. Gewinner des Schlagabtauschs sind dennoch zwei andere.

Neun gegen Trump: Die Republikaner stellten sich einer ersten TV-Debatte. Reuters

US-Wahl

Neun gegen Trump: Die Republikaner stellten sich einer ersten TV-Debatte.

ClevelandEs ist ein ungeheuerlicher Verdacht, der am Tag der ersten großen TV-Debatte des amerikanischen Vorwahlkampfs am Veranstaltungsort in Cleveland, Ohio die Runde macht: Hat sich in die Elefantenrunde der Republikaner ein Nashorn gemogelt? Ein Rino? „Republican in name only“ – so nennen Amerikas Konservative Verräter in den eigenen Reihen. Jene, die, sobald sie an der Macht sind, ihr wahres, liberales Gesicht zeigen.

Könnte es sein, dass ausgerechnet Donald Trump, der mit seinen wirren Tiraden die ultrakonservative Basis seit Wochen begeistert und die Führung in den Umfragen übernommen hat, ein Doppelagent im Dienste des politischen Gegners ist? Ein Erfüllungsgehilfe der Demokraten? Nach Informationen der Washington Post hat Trump, kurz bevor er seine Bewerbung um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bekanntgab, mit dem Leibhaftigen telefoniert: mit Bill Clinton. Der Ex-Präsident, bei den Republikanern noch immer verhasst, habe Trump ermutigt, in das Rennen einzusteigen.

Der Fahrplan bis zur Präsidentschaftswahl

Die Präsidentenwahl und ihr Prozedere

Mit der erwarteten Bewerbung von Hillary Clinton um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nimmt der Wahlkampf 2016 in den USA weiter Form an. Bei den Republikanern hat unter anderem bereits der frühere Gouverneur des Bundesstaates Florida, Jeb Bush, sein Interesse bekundet. Der Weg zu den Wahlen im November 2016 ist aber noch lang. Informationen AFP

Erstes Abtasten

Bei Demokraten und Republikaner nimmt das Rennen um das Weiße Haus in diesem Jahr Fahrt auf. Im Ringen um die Kandidatur ihrer Partei sammeln die Bewerber Spenden, reisen zu Kundgebungen quer durch das Land und werden sich in ersten parteiinternen TV-Debatten messen. Die Präsidentschaftsanwärter konzentrieren sich zu diesem Zeitpunkt vor allem darauf, die Basis der eigenen Partei von sich zu überzeugen.

Basisdemokratie bei den Vorwahlen

Anfang 2016 beginnen die Vorwahlen, traditionell im ländlich geprägten Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen. Nach und nach stellen sich die republikanischen und demokratischen Bewerber in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler, um die Kandidatur ihrer Partei zu gewinnen. Bei manchen Vorwahlen dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, andere sind offen für alle Wahlberechtigten. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Frühsommer, meist stehen die Mehrheitsverhältnisse aber schon vorher fest. Favoriten kristallisieren sich oft nach dem sogenannten Super-Dienstag heraus, bei dem eine Reihe von Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

Kandidatenkür

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei auf den Schild heben. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden. Die Republikaner halten ihre Convention Mitte Juli 2016 in Cleveland im Bundesstaat Ohio ab. Der Nominierungsparteitag der Demokraten findet eine Woche später in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Die heiße Phase

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In Fernsehduellen debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einer "October Surprise" - ein unerwartetes Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Tag der Entscheidung

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In Fernsehduellen debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einer "October Surprise" - ein unerwartetes Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Die wichtigste Frage war damit schon gestellt, lange bevor sich die zehn Kandidaten dem Kreuzverhör der Fox-News-Moderatoren stellen mussten: Wer ist Trump – und was hat er vor?

Beim Versuch der Republikaner, Präsident Barack Obama abzulösen, ist der New Yorker Bauherr der große Störfaktor. Die ihm eigene Kombination aus niedriger Hemmschwelle und tiefen Taschen macht ihn für seine innerparteilichen Gegner unberechenbar – und höchstgefährlich. Die Ausgangslage für die erste Debatte lautete daher: Neun Kandidaten (und, so wird sich zeigen, drei Moderatoren) gegen einen Egomanen.

Der Showkampf beginnt vor rot-weiß-blauer Kulisse. Trump steht in der Mitte der Bühne, begrüßt das Publikum mit einem Victory-Zeichen. Ihn flankieren die Nummern zwei und drei in den Umfragen: Jeb Bush, der Liebling der Partei-Elite und Scott Walker, der Gouverneur von Wisconsin.

Die erste Frage ist gleich eine Falle, eine Falle für Trump. Ob es hier auf der Bühne jemanden gebe, der nicht ausschließt, als unabhängiger Kandidat anzutreten, sollte er die republikanischen Vorwahlen nicht gewinnen, will einer der drei Moderator wissen. Nur Trump hebt die Hand. Und wird ausgebuht, nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Damit ist klar, welcher Choreographie die Debatte folgen soll. Fox News hat es darauf angelegt, die Trump-Blase zum Platzen zu bringen. Natürlich wussten die Moderatoren, dass nur Trump öffentlich mit einer Kandidatur als Unabhängiger geliebäugelt hat. Die Frage sollte ihn bloßstellen – und genau das tut sie.

Kommentare (8)

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Herr Peter Noack

07.08.2015, 08:48 Uhr

Glückliches Amerika!
Was würde es bedeuten, wenn die Demokraten weitere acht Jahre die Regierung stellen? Bei Dominanz der Republikaner in Senat und Kongress sollte das Regieren nicht sehr leicht sein. Die Probleme der USA werden jedoch nicht kleiner. Andererseits würde eine gesamte Politikergeneration der Republikaner nicht Präsident geworden sein.

Account gelöscht!

07.08.2015, 09:04 Uhr

Das ist echte Demokratie...jeder darf seinen Hut und seinen Senf in den politischen Ring werfen. In Deutschland wäre so eine Art von freier Demokratie nie möglich. Dafür sorgen schon die etablierten Partein und die Presse in Deutschland dafür.

Herr Markus Müller

07.08.2015, 09:17 Uhr

Oh ja!Einen Donald Trump wünsche ich den USA.Da können sich alle warm anziehen.Der Krieg mit dem Iran wäre nur die Aufwärmrunde,dem würde noch ein neuer "Civil War" folgen,in dem es immer noch um Sklaverei ginge,aber in seiner zeitgemäßen Version.

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