Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.04.2015

21:57 Uhr

US-Wahl 2016

Hillary Clinton will es noch einmal wissen

VonAxel Postinett

Nun ist es offiziell: Nachdem sie sich 2008 als Kandidatin zugunsten von Barack Obama geschlagen geben musste, erhebt Hillary Clinton erneut Anspruch auf das Amt des US-Präsidenten. Wer ist diese Frau – wofür steht sie?

Amt der Präsidentin

Facebook-Video: Hier verkündet Hillary Clinton ihre Kandidatur

Amt der Präsidentin: Facebook-Video: Hier verkündet Hillary Clinton ihre Kandidatur

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

San FranciscoJetzt ist es raus: Am Sonntagabend hat die frühere First Lady und US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton ihre Kandidatur für den Vorwahlkampf um das Amt der Präsidentin der USA bekannt gemacht. Sie will Kandidatin der Demokratischen Partei werden. Die Nachricht kam offenbar über eine Mail des Clintonberaters John Podesta an einen engen Unterstützerkreis der Demokraten. „Ich will sichergehen, dass ihr es von mir zuerst erfahrt“, schrieb Podesta demnach. „Es ist offiziell, Hillary geht ins Rennen um das Präsidentenamt.“

Ist die zeitliche Überschneidung Zufall oder klug gewählt? Es fällt auf: Am selben Tag, nur Stunden später, startete auf dem Pay-TV-Sender HBO die mit Spannung erwartete fünfte Staffel von „Game of Thrones“. Ein Fantasy Epos um den gnaden- und erbarmungslosen Kampf mächtiger Familienclans um den „Eisernen Thron“ der „Sieben Königreiche“. Der Krieg ist eröffnet, in „Westeros“ und Washington.

Selbst Barack Obama mischt sich bereits ein. Von Panama aus bezeichnete er Clinton als „hervorragende Präsidentin“, als „grandiose Außenministerin“. 2008 sei sie eine „großartige Kandidatin“ gewesen. Doch was hat der Präsident der USA damit eigentlich gesagt? Nichts, außer dass er kein Salz in alte Wunden streuen will. Die Wähler in den USA wollen mehr wissen. Hat sich die Kandidatin seit ihrer krachenden Niederlage damals geändert? Wofür steht sie heute? Warum muss man ihr die Stimme geben?

Das sind die Fragen, die 67-Jährige ab kommender Woche beantworten muss, wenn sie als erstes den US-Bundesstaat Iowa besuchen wird. Ein schwieriger Staat für die Demokratin. Jedes Wort, jede Geste der Kandidatin wird ab sofort auf das Genaueste seziert und analysiert werden. Kann sie, die zu den reichsten Familien der USA zählt und sechsstellige Honorare für Vorträge kassiert, sich noch in den normalen Amerikaner hineinversetzen? Was ist mit ihrer Nähe zu Wall Street? Jeder kennt ihre Vision: Sie will die erste Präsidentin der USA werden. Aber was ist ihre Vision für die USA, neben den Inhalten, die sie in ihrer Videokampagne präsentiert?

Hillary Clinton ist das gewohnt. Sie kennt das politische Washington aus der Westentasche. Das bringt Vorteile, aber auch Nachteile. Ihr Mann, Bill Clinton, hat trotz aller früheren Skandale die höchsten Akzeptanzwerte aller noch lebenden US-Präsidenten. Die Menschen erinnern sich heute gerne an ausgeglichene Staatshaushalte und Reformen der Sozialsysteme mit Augenmaß. Viele Unterstützer erhoffen sich deshalb von Hillary eher eine dritte Amtszeit von Bill Clinton als eine Verlängerung der Ära Barack Obama. Ein Sieg Hillarys würde die demokratische Verweildauer im Weißen Haus an einem Stück auf zwölf oder sogar sechzehn Jahre ausbauen.

Das gefällt nicht jedem. Das Wahlkampfkomitee „Stop Hillary“ hat nach eigenen Angeben seit vergangenem Mai 1,4 Millionen Dollar eingesammelt und 827.000 Unterstützer. Gegen ihre Wahl spreche, so der Vorsitzende der Gruppe, Ted Harvey, neben einer negativen Endabrechnung ihrer Zeit als US-Außenministerin die zahlreichen Spenden aus dem Ausland für ihre Familienstiftung. Hinzu kommt nun noch „Servergate“. Sie hatte während ihrer Zeit als Ministerin einen privaten E-Mailserver betrieben. Die E-Mails dieser Zeit hatte sie jetzt dem Ministerium übergeben. Allerdings nicht, ohne vorher diejenigen zu löschen, von denen sie der Meinung war, dass sie niemanden etwas angehen. Ein gefundenes Fressen für ihre Kritiker, die ihr ohnehin ein gutes Maß an Selbstherrlichkeit unterstellen.

Der Fahrplan bis zur Präsidentschaftswahl

Die Präsidentenwahl und ihr Prozedere

Mit der erwarteten Bewerbung von Hillary Clinton um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nimmt der Wahlkampf 2016 in den USA weiter Form an. Bei den Republikanern hat unter anderem bereits der frühere Gouverneur des Bundesstaates Florida, Jeb Bush, sein Interesse bekundet. Der Weg zu den Wahlen im November 2016 ist aber noch lang. Informationen AFP

Erstes Abtasten

Bei Demokraten und Republikaner nimmt das Rennen um das Weiße Haus in diesem Jahr Fahrt auf. Im Ringen um die Kandidatur ihrer Partei sammeln die Bewerber Spenden, reisen zu Kundgebungen quer durch das Land und werden sich in ersten parteiinternen TV-Debatten messen. Die Präsidentschaftsanwärter konzentrieren sich zu diesem Zeitpunkt vor allem darauf, die Basis der eigenen Partei von sich zu überzeugen.

Basisdemokratie bei den Vorwahlen

Anfang 2016 beginnen die Vorwahlen, traditionell im ländlich geprägten Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen. Nach und nach stellen sich die republikanischen und demokratischen Bewerber in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler, um die Kandidatur ihrer Partei zu gewinnen. Bei manchen Vorwahlen dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, andere sind offen für alle Wahlberechtigten. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Frühsommer, meist stehen die Mehrheitsverhältnisse aber schon vorher fest. Favoriten kristallisieren sich oft nach dem sogenannten Super-Dienstag heraus, bei dem eine Reihe von Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

Kandidatenkür

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei auf den Schild heben. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden. Die Republikaner halten ihre Convention Mitte Juli 2016 in Cleveland im Bundesstaat Ohio ab. Der Nominierungsparteitag der Demokraten findet eine Woche später in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Die heiße Phase

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In Fernsehduellen debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einer "October Surprise" - ein unerwartetes Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Tag der Entscheidung

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In Fernsehduellen debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einer "October Surprise" - ein unerwartetes Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Die Kandidatin selbst zieht eine andere Bilanz ihrer Jahrzehnte in der Politik. Sie hat als First Lady, als Senatorin und Außenministerin in Washington mit Senatoren und Abgeordneten aller Fraktionen gesprochen, verhandelt, Kompromisse gesucht. Sie ist erfahren, exzellent verdrahtet und steht für eine Politikerin mit Weltsicht. 112 Länder hat sie nach eigenen Angaben während ihrer Zeit als Außenministerin bereist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×