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11.05.2016

21:26 Uhr

US-Wahl

Trump lässt selbst die Republikaner zittern

Ihr Kandidat holt bei den Vorwahlen so viele Stimmen wie keiner seiner Vorgänger, doch bei den Republikanern geht trotzdem die Angst um. Die Mehrheit im Senat steht auf der Kippe – und das Parteiprestige sowieso.

Der „designierte“ oder auch „wahrscheinliche“ Kandidat der republikanischen Partei – Senatoren fürchten, der Lautsprecher könnte ihre Mehrheit im Senat gefährden. AP

Donald Trump

Der „designierte“ oder auch „wahrscheinliche“ Kandidat der republikanischen Partei – Senatoren fürchten, der Lautsprecher könnte ihre Mehrheit im Senat gefährden.

WashingtonWer in den USA derzeit Republikaner ist und über Donald Trump spricht, sagt meistens „unser Kandidat“. Oder: Unser „designierter Kandidat“. Oder: Unser „wahrscheinlicher Kandidat“. Kaum einer spricht den Namen des Milliardärs aus New York offen aus, kaum einer nimmt das Unwort „Trump“ in den Mund. Wenige Prominente aus der Grand Old Party wollen mit dem Mann identifiziert werden, der nun ihr politischer Führer, ihr Zugpferd, ihr Aushängeschild sein soll.

Paul Ryan, der Parlamentsvorsitzende im Repräsentantenhaus, ist in den vergangenen Tagen zum Anti-Trump geworden. Er versagte ihm öffentlich bis auf weiteres die Unterstützung, stellte seinen Vorsitz beim Nominierungsparteitag im Juli zur Disposition und forderte Trump quasi zum Duell. Am Donnerstag kommt es auf dem Capitol Hill in Washington zum Treffen der beiden Top-Republikaner – der Rebell Trump gegen das Establishment. Der Ausgang ist völlig offen.

Wenn das vom Wahlvolk aufgedrängte Experiment Trump für die Republikaner schief geht, droht Flurschaden mit jahrzehntelanger Nachwirkung. Die ohnehin zerrüttete Partei stünde vor der Zerreißprobe.

Die Angst geht um, vor allem bei den Senatoren. Dort droht die größte Gefahr. Die zweite Kammer des Kongresses, in der aus jedem der 50 Bundesstaaten zwei Senatoren Gesetze machen, wählt mit der Präsidentenwahl am 8. November 34 Sitze neu, die für sechs Jahre besetzt werden. Sollten die Demokraten vier Sitze hinzugewinnen, hätten sie die derzeitige republikanische Mehrheit ausgeglichen.

Viele republikanische Senatoren fürchten um ihre sicher geglaubten Posten. Das Republikaner-Urgestein John McCain denkt, ihm stehe im US-Staat Arizona mit 79 Jahren „das Rennen meines Lebens bevor“. Arizonas ehemaliger Senator Jeff Flake macht es noch deutlicher: „Dir werden nicht plötzlich die Latino-Wähler entgegenlaufen, wenn Du darauf bestehst, elf Millionen Illegale (Migranten) auszuweisen oder die Mauer (an der mexikanischen Grenze) zu bauen.“

In Arizona leben viele Latinos, die von Trumps migrationsfeindlicher Politik abgeschreckt werden könnten. Und die letzten Wahlen zeigten: Viele Wähler unterscheiden in der Wahlkabine nicht mehr zwischen Präsident und Senat: 2012 gewann in sechs von sieben Staaten, in denen auch ein Senator zur Wahl stand, der Kandidat, dessen Partei auch in der Präsidentenwahl vorne lag.

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